FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 1950™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 1950™

24 Juni - 16 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1950™

Zahlen und Fakten zu Uruguays Titelgewinn 1950

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© Getty Images

Die Bühne war bereitet. Brasilien war Ausrichter der vierten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ und alles deutete darauf hin, dass der Gastgeber auch den Titel gewinnen würde. Denn auf dem Weg zum Triumph bei der Copa América im Jahr zuvor hatten es die Brasilianer auf die überwältigende Torquote von 5,75 Treffern pro Spiel gebracht. Die Angriffsreihe mit Zizinho als zentralem Akteur war herausragend besetzt. Die Spieler hatten sogar schon wochenlang ein Siegeslied geprobt. Obdulio Varela und Co. jedoch ließen sich von all diesen Dingen nicht im Geringsten beeindrucken.

FIFA.com präsentiert einige interessante Zahlen und Fakten zu Uruguays WM-Triumph 1950.

173.850 Zuschauer bildeten offiziellen Angaben zufolge beim Spiel zwischen Brasilien und Uruguay die größte WM-Kulisse aller Zeiten. Allerdings gehen inoffizielle Quellen davon aus, dass an diesem Tag, exakt einen Monat nach der Eröffnung des Maracanã-Stadions, sogar mindestens 200.000 Zuschauer dabei waren.

65 Jahre nach dem Tor, mit dem er Uruguay den Weltmeistertitel schenkte, verstarb Alcides Ghiggia 2015 im Alter von 88 Jahren, exakt am Tag des entscheidenden Spiels, dem 16. Juli. Der frühere Spieler von Peñarol Montevideo und AS Rom war der einzige Akteur aus Uruguays WM-Kader von 1950, der auch noch die zweite von Brasilien ausgerichtete WM-Endrunde erlebte. Fast wäre es nicht dazu gekommen, denn 2012 hatte Ghiggia mit seinem Renault Clio einen schweren Verkehrsunfall. Bei einer Kollision mit einem Lastwagen wurde er durch die Windschutzscheibe geschleudert und musste danach 37 Tage auf der Intensivstation behandelt werden. Ghiggia war indes nicht der Spieler aus Juan Lopez' Kader, der am ältesten wurde. Das war Reservetorhüter Anibal Paz, der 2013 zwei Monate vor seinem 96. Geburtstag verstarb.

53 Jahre und 236 Tage war Schiedsrichter George Reader alt, als er das Spiel zwischen Uruguay und Brasilien leitete. Damit war er der älteste Schiedsrichter, der je ein WM-Spiel pfiff. Der Schullehrer aus England wurde tatsächlich neun Jahre vor Ivan Eklind geboren, der das WM-Finale von 1934 geleitet hatte.

22 Tage vor Beginn der Endrunde 1950 in Brasilien hatte Uruguay noch nicht einmal einen Trainer. Oscar Marcenaro und Romeo Vasquez waren für die schlechten Resultate der Vergangenheit verantwortlich. Peñarol drohte damit, seine Spieler nicht freizustellen, sollte Hector Castro, Enrique Fernandez oder José Nasazzi – die alle dem Erzrivalen Nacional angehörten – zum neuen Trainer ernannt werden. Nacional seinerseits legte daraufhin ein Veto gegen Peñarols ungarischen Trainer Imre Hirschl ein. Der Konflikt wurde schließlich beigelegt, indem der uruguayische Verband wieder Lopez einsetzte, der lediglich als Medizinassistent für den Klub Central Espanol tätig gewesen war.

20 Ausgaben der brasilianischen Zeitung O Mundo – auf deren Titelseite das Bild der brasilianischen Mannschaft und die Schlagzeile Hier ist der Weltmeister prangten, verteilte Obdulio Varela am Tag des entscheidenden Spiels im Hotel Paysandu in den Toiletten auf dem Fußboden. Der Kapitän der Uruguayer schrieb mit Kreide "Trampelt und uriniert auf diese Zeitungen!" auf die Spiegel, ging zurück ins Hotelrestaurant und forderte seine Mannschaftskollegen auf, die Toiletten aufzusuchen und seine Anweisung zu befolgen.

17 Spiele lang hatte Uruguay kein Spiel mehr ohne Gegentor absolviert, bevor Torhüter Roque Maspoli in Belo Horizonte bei einem 8:0-Kantersieg gegen Bolivien erstmals nicht hinter sich greifen musste. Bei der Copa América 1949 in Rio de Janeiro hatte sich Bolivien noch mit 3:2 gegen Uruguay (mit Anibal Paz im Tor) durchgesetzt.

10 Tore zugunsten Brasiliens betrug der Unterschied bei der Tordifferenz (+11 zu +1) vor dem entscheidenden WM-Spiel zwischen dem Gastgeber und Uruguay. Die Seleção hatte Schweden mit 7:1 und Spanien mit 6:1 vom Feld gefegt, während die Celeste es nur auf ein 2:2-Remis gegen Spanien und einen knappen 3:2-Sieg gegen Schweden gebracht hatte. Bei der Copa América 1949 hatte Brasilien bei der Tordifferenz sogar eine um unglaubliche 45 Tore bessere Bilanz gehabt (+39 zu -6).

8 Tore ohne Gegentreffer erzielte Uruguay gegen Bolivien und feierte damit den vierthöchsten Sieg in der WM-Geschichte. Noch höher fielen nur das 10:1 zwischen Ungarn und El Salvador 1982, das 9:0 zwischen Ungarn und der Republik Korea 1954 sowie das 9:0 zwischen Jugoslawien und Zaire 1974 aus.

8 Jahre benötigte Juan Alberto Schiaffino, um außerhalb Brasiliens ein Länderspieltor zu erzielen. Nach seinem Debüt für Uruguay im Januar 1946 traf der Angreifer bei der Copa Rio Branco in São Paulo gegen Brasilien und erzielte bei der Weltmeisterschaft 1950 drei Treffer. Doch außerhalb des größten Landes Südamerikas gelang ihm kein Treffer, nicht einmal in seinem Heimatland Uruguay, bis er die Durststrecke bei der WM 1954 in der Schweiz mit vier Toren in fünf Spielen endlich beendete.

7 der letzten neun Länderspiele vor der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1950™ hatte Uruguay verloren. Das war mit Abstand die schlechteste Serie, mit der je ein späterer Weltmeister in ein Turnier gestartet ist. Unter anderem verloren die Charrúas gegen die damaligen Fussballzwerge Chile, Paraguay und Peru.

7 Spieler rangierten in einer 1994 vom Magazin France Football veröffentlichten Liste der 100 größten Spieler der WM-Geschichte lediglich vor Schiaffino, nämlich (in dieser Reihenfolge) Pelé, Diego Maradona, Franz Beckenbauer, Just Fontaine, Gerd Müller, Garrincha und Bobby Moore. In der Liste der 50 besten Fussballer des 20. Jahrhunderts des italienischen Magazins Guerin Sportivo landete Schiaffino auf dem achten Platz, vor Akteuren wie Michel Platini, Franz Beckenbauer und Eusebio.

3 miteinander verwandte Akteure haben die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ gewonnen. Der Uruguayer José Andrade gehörte zu den Stars der Turnierauflage 1930, während sein Neffe Victor Rodriguez – ebenfalls ein defensiver Mittelfeldspieler – 1950 alle Spiele Uruguays bestritt. Die anderen Verwandten waren Brüder, nämlich Ottmar und Fritz Walter, die 1954 mit der BR Deutschland triumphierten, sowie Jack und Bobby Charlton, die 1966 mit England Weltmeister wurden. Uli Hoeneß wurde 1974 mit dem Finalsieg gegen die Niederlande Weltmeister. Sein Bruder Dieter zog indes 1986 mit der DFB-Auswahl den Kürzeren.

2 Spieler haben in jedem Spiel auf ihrem Weg zum Titelgewinn getroffen. Kurioserweise waren beide keine Stürmer sondern Rechtsaußen. Ghiggia traf 1950 in Brasilien in allen vier Spielen Uruguays. Abgesehen davon gelang ihm allerdings kein einziger weiterer Länderspieltreffer für die Celeste. Jairzinho traf 1970 in Mexiko in allen sechs Spielen Brasiliens auf dem Weg zum Titelgewinn.

1 WM-Einsatz bestritt Ruben Moran in seiner gesamten Karriere und verhalf Uruguay damit zum Gewinn des Weltmeistertitels. Nachdem sich Ernesto Vidal unmittelbar vor dem Finale gegen Brasilien verletzte, nahm Lopez überraschend den erst 19-jährigen, schmächtigen Moran in die Startaufstellung. Moran, Pelé und Giuseppe Bergomi sind bis heute die einzigen Teenager, die ein WM-Finale bestritten haben. Alle drei gewannen den Titel.

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