FIFA Fussball-Weltmeisterschaft USA 1994™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft USA 1994™

17 Juni - 17 Juli

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#WorldCupAtHome: Italien dreht dank Baggio die Partie gegen Nigeria

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  • Erleben Sie Roberto Baggios Doppelpack in der Partie Nigeria gegen Italien bei der WM 1994 in den USA noch einmal

Im Achtelfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft USA 1994™ kam es zu einem interessanten Duell zwischen Nigeria und Italien. Als dreimaliger Weltmeister und Dritter der vorherigen WM-Auflage im eigenen Land gingen die Azzurri als Favorit in die Partie gegen Nigeria, das erstmals bei einer WM-Endrunde vertreten war. Die Super Eagles schrammten nur knapp an einer Riesenüberraschung vorbei. Doch am Ende setzten sich die weitaus erfahreneren Italiener durch, weil Roberto Baggio in der Verlängerung traf und Italien damit einer neuerlichen Endspielteilnahme einen Schritt näher brachte.

Spielinfo

Nigeria – Italien 1:2 (n.V.)
5. Juli 1994
Foxboro Stadium, Boston (USA)

Torschützen: 1:0 Emmanuel Amuneke (25.), 1:1, 1:2 Roberto Baggio (88., 102.)

Aufstellungen:

  • Nigeria: Peter Rufai (C), Augustine Eguavoen, Uche Okechukwu, Chidi Nwanu, Michael Emenalo, Jay Jay Okocha, Sunday Oliseh, Finidi George, Rasheed Yekini, Emmanuel Amuneke (57. Thompson Oliha), Daniel Amokachi (35. Mutiu Adepoju)
  • Italien: Luca Marchegiani, Antonio Benarrivo, Alessandro Costacurta, Paolo Maldini (C), Roberto Mussi, Roberto Baggio, Demetrio Albertini, Nicola Berti (45. Dino Baggio), Roberto Donadoni, Daniele Massaro, Giuseppe Signori (65. Gianfranco Zola)

Hintergrund

Nach mehrmaligem Scheitern in der afrikanischen WM-Qualifikation hatte sich Nigeria 1994 erstmals für die WM-Endrunde in den USA qualifiziert. In einer schweren Gruppe mit Argentinien, Griechenland und Bulgarien übertrafen die Super Eagles alle Erwartungen und holten den Gruppensieg. Gegen Bulgarien und Griechenland konnten sie siegen, gegen Argentinien hingegen gab es eine Niederlage. Damit erreichte Nigeria gleich beim WM-Debüt die Achtelfinalrunde.

Italien hingegen erreichte die Runde der letzten 16 nur denkbar knapp. Alle vier Teams in Gruppe E (Mexiko, Republik Irland, Norwegen und Italien) schlossen die Vorrunde mit gleicher Punktzahl und gleicher Tordifferenz ab. Die Azzurri verdankten das Weiterkommen lediglich der Tatsache, dass sie ein Tor mehr als Norwegen erzielt hatten.

Nigeria’s Jay Jay Okocha dribbles past Italy’s Alessandro Costacurta
© Getty Images

Spielverlauf

Drei Schlüsselfaktoren trugen zum Ausgang der Partie bei:

Eine Verschiebung der Machtverhältnisse: Emmanuel Amuneke hatte die Zuschauer im Foxboro Stadium von Boston begeistert und das erste Tor der Partie erzielt. Dennoch wurde er in der 57. Minute von Trainer Clemens Westerhof ausgewechselt. Schon nach 35 Minuten hatte der Coach Daniel Amokachi aus der Partie genommen. Diese Wechsel verringerten den Druck auf Italiens Abwehr. Die Azzurri nutzten die neue Lage und spielten stärker nach vorn. Die Nigerianer ließen sich immer weiter in die Defensive zurückdrängen und versuchten, ihren knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen.

Eine scheinbar unlösbare Aufgabe: Die Aufgabe der Italiener wurde in der 76. Minute noch schwerer, als Gianfranco Zola nur zwölf Minuten nach seiner Einwechslung die Rote Karte sah. Der kleine Stürmer hatte versucht, Augustine Eguavoen den Ball abzujagen, und ihn dabei heftig getroffen. Doch sein Platzverweis erschien dem Italiener ungerechtfertigt. Er sank auf die Knie und rief immer wieder: "Nein, nein, nein…" Er weigerte sich, den Platz zu verlassen, bis es den Nigerianern gelungen war, ihn etwas zu beruhigen.

Vermeidbarer Fehler: Eguavoen verursachte durch ein Foul an Benarrivo den Strafstoß, den Baggio eiskalt zum Siegtor verwandelte. Nach der Partie gab Eguavoen selbst zu, dass sein Foul eigentlich unnötig gewesen sei. Er sagte: "Wir haben das Spiel wegen dieses Elfmeters verloren und ich hätte den Fehler vermeiden können, der dazu geführt hat."

GIANFRANCO ZOLA OF ITALY IS SHOWN THE RED CARD
© Getty Images

Der Star

Nach wenig überzeugenden Auftritten in der Gruppenphase, in der ihm kein einziges Tor gelang, erwies sich Roberto Baggio in der Partie gegen Nigeria mit dem kurz vor Ende der regulären Spielzeit erzielten Ausgleich als Retter seines Teams. Rückblickend sagte der Mann mit dem Pferdeschwänzchen: "Damit fiel der ganze Druck von mir ab, der auf mir gelastet hatte. Nun endlich konnte ich befreiter aufspielen." In der Verlängerung schickte Baggio dann beim Elfmeter Nigerias Torhüter Rufai in die falsche Ecke und verwandelte mit einem Flachschuss an den Innenpfosten.

Zitate

"Jetzt beginnt die WM erst richtig, nicht nur für mich, sondern für Italien."
Roberto Baggio, nach seinem Doppelpack gegen Nigeria

"Ich stellte mir vor, wie ich an Bord eines Flugzeugs irgendwo hin fliege, wo mich niemand kennt."
Arrigo Sacchi (Nationaltrainer, Italien) auf die Frage, was ihm 15 Minuten vor Schluss der Partie durch den Kopf ging

"Ein Spiel ist erst vorbei, wenn der Schlusspfiff ertönt ist. Man darf niemals zu früh jubeln. Wir hatten Ballbesitz und ließen die Kugel laufen, doch dann haben wir einen Moment lang die Konzentration verloren. Spieler wie Baggio bestrafen dich für einen solchen Fehler sofort."
Finidi George (Mittelfeldspieler, Nigeria)

Roberto Baggio scores past Peter Rufai
© imago images

Und danach?

Baggio präsentierte sich auch in den folgenden Spielen in Topform. Im Viertelfinale erzielte er den Siegtreffer gegen Spanien und im Halbfinale gegen Bulgarien schnürte er einen weiteren Doppelpack, mit dem er den Azzurri den Einzug ins Finale gegen Brasilien sicherte. Ausgerechnet er war es dann, der im Elfmeterschießen gegen die Südamerikaner den entscheidenden Schuss über das Tor setzte – ein Schockmoment, den die italienischen Fans wohl nie vergessen werden. Nigeria kehrte zwei Jahre später zum Olympischen Fussballturnier der Männer Atlanta 1996 in die USA zurück und holte dort die Goldmedaille. In diesem Team standen immerhin fünf Akteure der Super Eagles, die 1994 das bis dahin beste WM-Abschneiden Nigerias gefeiert hatten.

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