FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Mexico 1986™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Mexico 1986™

31 Mai - 29 Juni

Das Duell unter der Lupe

#WorldCupAtHome: Argentinien besiegt Deutschland bei Maradonas WM

  • Argentinien gegen BR Deutschland von den Fans für die #WorldCupAtHome-Reihe gewählt
  • Packendes Endspiel mit dramatischen Wendungen
  • Zuschauermassen im Azteken-Stadion bejubelten Maradona

1986 war Mexiko Gastgeber der 13. Auflage der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™. Das Turnier gilt als eines der besten aller Zeiten und verwöhnte die Fans mit intensiven Partien und fantastischen Toren, von denen noch heute geschwärmt wird. Am 29. Juni erwarteten die Zuschauer im Azteken-Stadion ein historisches Finale – und sie sollten nicht enttäuscht werden. Die riesige Kulisse sorgte für eine fantastische Atmosphäre bei diesem Finale zwischen den beiden früheren Weltmeistern BR Deutschland und Argentinien. Aller Augen waren auf Diego Maradona gerichtet, den Superstar im Team der Albiceleste. Am Ende jubelten die Südamerikaner, als ihr großes Idol den begehrtesten Pokal der Fussballwelt in die Höhe stemmte.

Rudi Voeller scores his side's second goal past Argentina's goalkeeper Nery Pumpido
© Getty Images

Spielinfo

Argentinien – Bundesrepublik Deutschland 3:2
29. Juni 1986
Azteken-Stadion, Mexiko-City (Mexiko)

Torschützen: 1:0 José Brown (23.), 2:0 Jorge Valdano (56.), 2:1 Karl-Heinz Rummenigge (74.), 2:2 Rudi Völler (81.), 3:2 Jorge Burruchaga (84.)

Aufstellungen:

  • Argentinien: Nery Pumpido, José Brown, Jose Cuciuffo, Oscar Ruggeri, Sergio Batista, Ricardo Giusti, Julio Olarticoechea, Jorge Burruchaga (90. Marcelo Trobbiani), Hector Enrique, Diego Maradona (C), Jorge Valdano
  • BR Deutschland: Harald Schumacher, Ditmar Jakobs, Hans-Peter Briegel, Thomas Berthold, Andreas Brehme, Norbert Eder, Lothar Matthäus, Felix Magath (62. Dieter Hoeneß), Karl-Heinz Rummenigge (C), Klaus Allofs (45. Rudi Völler)

Hintergrund

Die DFB-Auswahl hatte vier Jahre zuvor das Finale gegen Italien verloren. Nun wollten die Westdeutschen diese bittere Niederlage vergessen machen. Zudem war es für viele bereits in die Jahre gekommene Stars die letzte Gelegenheit, ihre internationale Karriere mit einem Triumph zu beenden. Doch die ersten Spiele in Mexiko ließen nicht erwarten, dass die Mannschaft es bis ins Finale schaffen würde. Im Auftaktspiel konnte die DFB-Auswahl erst durch ein spätes Ausgleichstor zum 1:1 eine drohende Niederlage gegen Uruguay abwenden. Es folgten ein knapper 2:1-Sieg gegen Schottland und dann eine 0:2-Niederlage gegen Dänemark. Damit zog Deutschland als Gruppenzweiter in die nächste Runde ein. Auch hier lief es zunächst nicht wirklich überzeugend. Im Achtelfinale gegen Marokko brachte erst ein spätes Freistoßtor durch Matthäus den Sieg und im Viertelfinale setzen sich die Deutschen erst im Elfmeterschießen gegen Mexiko durch (0:0, 4:1). Mit einem 2:0-Sieg gegen Frankreich schaffte die DFB-Auswahl dann den Sprung ins Finale.

Argentinien reiste mit dem festen Vorsatz an, das frühe Ausscheiden von 1982 vergessen zu machen. Mit unerschütterlichem Selbstvertrauen und dank des inspirierenden Kapitäns Diego Maradona steigerte sich die Albiceleste von Spiel zu Spiel. Zum Auftakt siegten die Südamerikaner mit 3:1 gegen die Republik Korea. Es folgte ein 1:1 gegen Titelverteidiger Italien. Mit einem 2:0-Sieg gegen Bulgarien sicherten sich die Argentinier den Gruppensieg. Zum Auftakt der K.-o.-Phase gab es ein 1:0 gegen Uruguay. Es folgte ein 2:1-Sieg gegen England dank Maradona, der den Siegtreffer nach einem unwiderstehlichen Alleingang erzielte. Im Halbfinale setzte sich Argentinien mit 2:0 gegen Belgien durch und stand somit acht Jahre nach dem Triumph 1978 im eigenen Land wieder im WM-Endspiel.

Jose Luis Brown heads the ball to score the first goal
© Getty Images

Spielverlauf

Browns persönlicher Triumph: Während der Nationalhymnen fuhr die Kamera die Gesichter der argentinischen Spieler ab, von denen die meisten angespannt wirkten und kaum Emotionen zeigten. Ganz anders jedoch Verteidiger José Brown, der den Kopf gesenkt hielt und sich Tränen aus den Augen wischte. Dazu dürften mehrere Faktoren beigetragen haben: Seine Teilnahme am Turnier hatte lange auf der Kippe gestanden, da er in den Jahren zuvor mehrfach Verletzungen erlitten hatte. Zudem stand Bilardo massiv in der Kritik, weil er ihn trotz dieser Umstände in den WM-Kader berief. Beide konnten sich am Ende darüber freuen, dass die Kritiker falsch lagen, denn Brown stand in jeder Partie auf dem Feld und spielte ein herausragendes Turnier. Als die Hymne vor dem Finale zu Ende war, trat er ebenso wie Maradona einen Schritt vor und rief den Mitspielern motivierende Worte zu. Brown erzielte zudem das erste Tor des Endspiels, als er am höchsten sprang und per Kopf traf. Damit bestärkte er die Südamerikaner in der Überzeugung, dass sie den Titel holen könnten. Noch vor Ende der ersten Halbzeit verrenkte er sich die Schulter, doch er verweigerte eine Auswechslung und riss ein Loch in sein Trikot, um eine Schlinge zu improvisieren. Browns Beitrag und seine Leistung sind unvergesslich.

Deutschlands neuerliche Aufholjagd: Schon mehrfach haben die Deutschen in der WM-Geschichte eine Aufholjagd gestartet, als schon alles verloren schien. Auch im WM-Finale von Mexiko 1986 glaubte die DFB-Auswahl bis zuletzt an sich und stemmte sich gegen die drohende Niederlage. Die Argentinier mühten sich nach Kräften, den Gegner von Pumpidos Tor fernzuhalten. Doch den Deutschen gelangen innerhalb von nur sieben Minuten zwei Tore, als Rummenigge und Völler jeweils nach Ecke von Brehme trafen.

Dramatische Schlussphase: Als viele schon an eine Verlängerung glaubten, sorgte Diego Maradona ein weiteres Mal für einen magischen Fussballmoment. Umringt von gegnerischen Spielern nahm er in der eigenen Hälfte den Ball an, drehte sich und hebelte mit einem perfekten Steilpass die deutsche Defensive aus. Burruchaga rannte auf und davon und beförderte den Ball zum Siegtreffer ins Netz.

Jorge Burrachaga plays the ball watched by West Germany's Hans Peter Briegel
© Getty Images

Der Star

Nach mehreren herausragenden Leistungen auf dem Weg ins Finale glänzte Jorge Burruchaga auch im entscheidenden Spiel. Mit seinen schnellen Vorstößen über die Außenbahnen setzte er den Gegner immer wieder unter Druck und enteilte seinen Bewachern ein ums andere Mal. Er war es auch, der die Flanke hereinbrachte, die Brown zum Führungstreffer nutzte. Der Ausgleich der Deutschen brachte die Argentinier sichtlich aus dem Konzept. Doch Burruchaga antizipierte genau im richtigen Moment den Pass von Maradona und stürmte los. In vollem Lauf trieb er den Ball vor sich her und hatte letztlich die nötige Ruhe, obwohl er den Atem von Briegel im Nacken spürte, den Ball an Torhüter Schumacher vorbei ins Tor zu schieben und damit für die endgültige Entscheidung zu sorgen.

Zitate

"Es stimmt, ich habe den Pokal bei den Jubelfeiern nicht berührt und die Medaille abgenommen, die mir um den Hals hing. Ich war ziemlich verärgert, weil die Deutschen zwei Mal auf die gleiche Weise gegen uns getroffen hatten, obwohl wir im Training sehr intensiv an dieser Situation gearbeitet hatten. Sie erzielten beide Tore nach Ecken. Das war einfach nicht akzeptabel. Ich fühlte mich innerlich einen Moment lang wie leblos."
Carlos Bilardo, (Nationaltrainer, Argentinien)

"Ich gebe gern zu, dass dies der schönste Moment meiner Karriere war. Durch dieses Siegtor war ich im Fussballhimmel. Wir haben ein fantastisches Spiel gezeigt und gingen mit zwei Toren in Führung, aber die Deutschen kamen noch einmal zurück. Ich war es dann, der den Siegtreffer erzielte. Das war das schönste Tor meiner Karriere. Von so einem Tor träumt jeder Spieler."
Jorge Burruchaga (Mittelfeldspieler, Argentinien)

"Ich weiß bis heute nicht, warum wir bei Maradonas Pass an der Mittellinie auf Abseits spielen. Das war so nicht vorgesehen – und ist ja auch total in die Hose gegangen. Burruchaga freie Bahn hatte. Natürlich hast du in diesen Sekunden nur einen Gedanken im Kopf: „Den holst du dir.“ Ich habe alles versucht, aber am Ende konnte ich einfach nicht mehr. Den Argentiniern war anzusehen, dass sie müder waren als wir, aber ein Konter, zwei Minuten nach dem 2:2, hat ihnen gereicht, um das Finale zu gewinnen. Wenn wir uns in die Verlängerung gerettet hätten, wären wir Weltmeister geworden. Davon bin ich überzeugt."
Hans-Peter Briegel (Verteidiger, Deutschland)

"Wir waren damals einfach zu gierig und unvorsichtig. Nach meinem Ausgleich zum 2:2 wollten wir unbedingt die Entscheidung in der regulären Spielzeit erzwingen, anstatt auf die Verlängerung zu setzen. Argentinien hat den Sieg verdient gehabt. Sie waren die beste Mannschaft bei dem Turnier und besaßen mit Maradona den herausragenden Spieler. Es war eine Weltmeisterschaft der Leidenschaft und Emotionen. Das Aztekenstadion ist immer noch das schönste Stadion der Welt, ein Fußball-Tempel, in den über 100.000 Zuschauer gehen. Obwohl sie schon etwas veraltet ist, liebe ich diese Arena."
Rudi Völler (Stürmer, Deutschland)

Diego Maradona, Argentina
© Popper Foto

Der Kapitän

Bei der FIFA Fussball-WM Mexiko 1986™ denken die Fans rund um die Welt sofort an Diego Maradona. Der legendäre Argentinier drückte diesem Turnier seinen Stempel auf wie kein anderer. Er wurde mit dem Goldenen Ball von adidas als bester Spieler ausgezeichnet und gewann zudem den Silbernen Schuh von adidas als zweitbester Torschütze (gleichauf mit Careca und Emilio Butragueno). Maradona erzielte fünf Tore selbst, also nur eines weniger als Gary Lineker, und bereitete fünf weitere vor. Damit war er an zehn der insgesamt 14 Treffer Argentiniens beteiligt. Außerdem zog er stets mehrere gegnerische Verteidiger auf sich, sobald er den Ball hatte, und schaffte damit Räume und Lücken für seine Teamkameraden. Niemand würde bestreiten, dass Argentinien den Titelgewinn maßgeblich dem kleinen Mann mit der Rückennummer 10 verdankt. Die Bilder, die ihn mit dem in die Höhe gestemmten Pokal und später auf den Schultern der Fans zeigen, haben ihren festen Platz in der Geschichte der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™.

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