FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Mexico 1986™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Mexico 1986™

31 Mai - 29 Juni

Das Duell unter der Lupe

#WorldCupAtHome: Als Frankreich sein Jahrhundertspiel gewann

Julio Cesar of Brazil misplay the penalty kick against goalkeeper Joel Bats of France
© Getty Images
  • Mit #WorldCupAtHome erleben die Fans legendäre Spiele noch einmal
  • WM-Spiele der Männer und der Frauen in voller Länge
  • In dieser Folge: Frankreichs Jahrhundertspiel gegen Brasilien 1986

Fussballliebhaber ziehen dieses Spiel zwischen Brasilien und Frankreich 1986 gern als Referenz heran. Der im Stadion anwesende "König" Pelé höchstselbst adelte das Viertelfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Mexiko 1986™ hinterher als (s)ein "Spiel des Jahrhunderts". In der Tat war es eine Begegnung, die spektakulärer war, als es das nackte Resultat vermuten lässt. Trotz der drückenden Hitze in Guadalajara boten die 22 Akteure Fussball fürs Auge: flüssige Kombinationen, tolle Technik, viele Torchancen, kaum Ruhephasen und Leerlauf, vorbildliche Einstellung.

Spielinfo

Brasilien - Frankreich 1:1 (3:4 i.E.)

21. Juni 1986
Guadalajara, Jalisco-Stadion (MEX)

Torschützen: 1:0 Careca (17.) 1:1 Michel Platini (40.)

Aufstellung:

  • Brasilien: Carlos, Josimar, Júlio César, Edinho (C), Branco, Alemão, Elzo, Júnior (91. Silas), Sócrates, Müller (72. Zico), Careca
  • Frankreich: Joël Bats, Manuel Amoros, Maxime Bossis, Patrick Battiston, Thierry Tusseau, Alain Giresse (84. Jean-Marc Ferreri), Jean Tigana, Luis Fernandez, Michel Platini (C), Yannick Stopyra, Dominique Rocheteau (99. Bruno Bellone)

Hintergrund

Es war das siebte Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften und das zweite bei einer WM nach dem 5:2 für die Seleçao 1958 in Schweden. Das Turnier war für die Ausnahmegenerationen beider Länder die letzte Chance, die Weltmeisterschaft zu gewinnen.

Auf der einen Seite Brasilien mit seinen Edeltechnikern Socrates, Zico und Co. mit ihrem Fussball für Romantiker und dem Traum, nach 16 Jahren endlich wieder die wichtigste Trophäe im Weltfussball in den Händen zu halten. Auf der anderen Seite der amtierende Europameister mit seinem berühmten *carré magique,* dem "magischen Viereck" im Mittelfeld.

Brasilien war bis dahin nachgerade mühelos durch den Wettbewerb marschiert: Drei Siege in drei Gruppenspielen, ein ungefährdetes 4:0 gegen Polen im Achtelfinale. Auch Frankreichs Tricolores mussten in der Gruppenphase nicht zittern, wenngleich sie gegen die UdSSR nicht über ein 1:1 hinauskamen. Im Achtelfinale gegen Italien war der französische Erfolg dann wieder zu keinem Zeitpunkt gefährdet.

Spielverlauf

Quasi-Heimspiel für Brasilien: In Guadalajara, Mexikos zweitgrößter Stadt, hatte Brasilien praktisch ein Heimspiel. Schon 1970 hatte die Seleçao um Pelé dort ihr Mannschaftsquartier bezogen und prompt ihre fünf ersten Spiele gewonnen. Neun von neun WM-Partien hatten die Südamerikaner im Jalisco-Stadion gewonnen und waren entsprechend selbstbewusst. Das merkte man ihnen auch an.

*Dominanz gegen Motivation*: In der ersten Viertelstunde sahen Frankreichs *Bleus* praktisch keinen Ball. Den hielten die Brasilianer mit ihrem "Samba-Fussball" in ihren eigenen Reihen und gaben ihn nicht her. Fast folgerichtig ging die *Seleçao* nach 17 Minuten durch einen Sonntagsschuss von Careca in Führung. Vorausgegangen war eine schöne Kombination. Der Treffer zeigte durchaus Wirkung bei Frankreich, das dennoch unverdrossen seine Linie beibehielt und trotz der ständigen Gefahr brasilianischer Konter munter nach vorn spielte. Kurz vor der Pause wurde das Risiko belohnt. Dominique Rocheteau lenkte eine Flanke so ab, dass Platini den Ball nur noch ins leere Tor schieben musste (40.).

Bats-Man: Schon in der ersten Hälfte war Joel Bats der beste Mann auf dem Platz. Endgültig zum Helden avancierte er jedoch knapp 20 Minuten vor Schluss, als er einen Elfmeter des gerade eingewechselten Zico hielt. Dieses Kunststück wiederholte er dann später im Elfmeterschießen mit einer unglaublichen Parade des ersten Schusses der Seleçao. Danach hatte er Glück, dass Júlio César seinen Ball an den Pfosten setzte. Angesichts dessen spielte es auch keine Rolle, dass ausgerechnet Platini das Leder auf die Tribüne jagte, zumal Luis Fernandez sicher verwandelte und die Bleus ins Halbfinale schoss.

Zico of Brazil misplay the penalty kick against goalkeeper Joel Bats of France
© Getty Images

Der Star

Michel Platini wurde an besagtem 21. Juni 31 Jahre alt. Der überragende Mann beim Gewinn der UEFA EURO zwei Jahre zuvor war in Mexiko 1986 zu Beginn verletzt. Aber trotz einer hartnäckigen Schambeinentzündung spielte Platini noch groß auf. Er schoss auch das einzige französische Tor dieses Viertelfinals. Für Brasiliens Torhüter Carlos war es das einzige (und logischerweise letzte) Gegentor in Mexiko 1986.

Zitate

"Zuerst merkt man gar nicht, dass man gerade ein wirklich außergewöhnliches Spiel miterlebt hat. Man ist zu diesem Zeitpunkt ja schon zwei Monate unterwegs, weit weg von seinen Freunden, was in meinem Fall bedeutet, von Paris. Man ist von allem abgeschnitten, hat kaum Kontakt, kaum Telefon. Französisches Fernsehen sendete damals noch nicht international, Internet gab es nicht. Außerdem war das Spiel eine große Sache, aber für uns noch nicht das Ende der WM. Wir wollten den Titel gewinnen. Wir wollten die Scharte des verlorenen Halbfinals auswetzen, was uns nicht gelang. Aber das ist eine andere Geschichte."
Michel Platini (Mittelfeldspieler, Frankreich, in Le Monde)

"Platini ist einfach ein Genie und ein Genie kannst du nicht manndecken."
Socrates (Mittelfeldspieler, Brasilien)

"Die Stimmung in der Kabine war so ausgelassen, dass wir ein brasilianisches Lied gesungen haben. Aber wir wollten uns nicht über den Gegner lustig machen, wir wollten nur zusammen unseren Erfolg feiern. Das Spiel ist stärker im Gedächtnis geblieben als manches Finale, weil beide Mannschaften offensiv gespielt haben, mit offenem Visier, und ein Spektakel geboten haben."
Joël Bats (Torhüter, Frankreich, auf Eurosport)

Und danach?

Vier Jahre nach dem Trauma von Sevilla traf Frankreich zum zweiten Mal in Folge in einem WM-Halbfinale auf die BR Deutschland. Doch aus der erhofften Revanche wurde nichts. Die Partie endete in der regulären Spielzeit mit 2:0 für Deutschland, das an diesem Tag einfach die bessere Mannschaft war. Im Endspiel unterlag Deutschland dann Argentinien und Diego Maradona mit 2:3, während sich die Bleus gegen Belgien mit dem dritten Platz trösten konnten (4:2 n. V.).

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