FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Frankreich 1998™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Frankreich 1998™

10 Juni - 12 Juli

Das Duell unter der Lupe

#WorldCupAtHome: Als der Gastgeber gegen den Deutschland-Bezwinger triumphierte

Lilian Thuram celebrates during the 1998 FIFA World Cup semi-final
© Getty Images
  • #WorldCupAtHome geht weiter: Heute mit Frankreich - Kroatien (Frankreich 1998)
  • Kroatien war bei seiner ersten WM-Teilnahme die große Überraschungsmannschaft
  • Frankreich verdankte seine Rettung Rechtsverteidiger Thuram

Wir schreiben Mittwoch, den 8. Juli 1998. Im Stade de France steigt ein Halbfinale, das es bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft noch nie zuvor gegeben hat. Die gastgebenden Bleus stehen vor ihrer vorletzten Etappe auf dem Weg zum Titel. Gegner Kroatien hat ein ebenso unerwartetes wie beeindruckendes Turnier hinter sich – und geht in Führung. Doch dann schnürt ein Spieler einen Doppelpack, mit dem wirklich niemand gerechnet hat.

Spielinfo

Frankreich - Kroatien 2:1

8. Juli 1998
Stade de France, Saint-Denis (Frankreich)

Torschützen: 0:1 Davor Šuker (46.) 1:1, 2:1 Lilian Thuram (47., 70.)

Aufstellungen

  • Frankreich: Fabien Barthez, Bixente Lizarazu, Lilian Thuram, Marcel Desailly, Laurent Blanc, Christian Karembeu (31. Thierry Henry), Didier Deschamps (C), Emmanuel Petit, Youri Djorkaeff (77. Frank Lebœuf), Zinédine Zidane, Stéphane Guivarc'h (68. David Trezeguet)
  • Kroatien: Dražen Ladić, Igor Štimac, Slaven Bilić, Dario Šimić, Mario Stanić (89. Robert Prosinečki), Zvonimir Soldo, Robert Jarni, Zvonimir Boban (C),(63. Silvio Marić), Aljoša Asanović, Goran Vlaović, Davor Šuker

Hintergrund

Frankreich marschierte mit drei Siegen in drei Spielen ungefährdet durch die Vorrunde, hatte dann aber im Achtelfinale gegen Paraguay umso mehr zu kämpfen. Erst ein Golden Goal von Laurent Blanc entschied die Partie. Doch auch danach wurde es nicht besser: Gegen Italien fiel die Entscheidung sogar erst im Elfmeterschießen (0:0, 4:3 n. E.)

Kroatien begann seinen sensationellen Lauf ganz unscheinbar. Mit zwei Siegen und einer Niederlage wurde der WM-Debütant lediglich Zweiter in Gruppe H und gewann sein Achtelfinale gegen Rumänien danach nur knapp mit 1:0, ehe im Viertelfinale die große Überraschung des 3:0-Sieges gegen Deutschland folgte. Für den Neuling war das Erreichen der Vorschlussrunde ein riesiger Erfolg.

Spielverlauf

  • Alles auf Šuker: Technik, Kampf und Offensive: Kroatien verdiente sich mit seiner Spielweise bei dieser WM großen Respekt. Die Mannschaft beherrschte das 3-5-2 auf dem Effeff und ganz vorn sorgte Davor Šuker für die Geniestreiche. Der Stürmer von Real Madrid war es auch, der zu Beginn des zweiten Durchgangs die Führung gegen Frankreich erzielte, das bis dahin in fünf Begegnungen nur ein Gegentor hatte hinnehmen müssen – per Elfmeter noch dazu.
  • Thuram unglaublich: Bei Šuker Tor versäumte es Lilian Thuram, rechtzeitig rauszurücken und den Kroaten abseits zu stellen. Dadurch in seinem Ehrgeiz angestachelt, sorgte der Rechtsverteidiger, der noch nie zuvor ein Tor für die Bleus erzielt hatte, jedoch schon eine Minute später höchstpersönlich für den Ausgleich. 20 Minuten vor Schluss gelang ihm dann sogar der Siegtreffer. Das war so unglaublich, dass der Held des Tages sein zweites Tor in Denkerpose feierte, einen Finger grübelnd ans Kinn gelegt.
  • Ein Mann sieht Rot: Eigentlich galt Laurent Blanc als besonnener Abwehrchef, den nichts aus der Ruhe bringen konnte. Doch in der Schlussviertelstunde ließ sich der französische Verteidiger zu einer Tätlichkeit gegen Slaven Bilić hinreißen, über die sich dieser anschließend diebisch freuen konnte. Die Strafe durch den Schiedsrichter hätte für Blanc nicht schlimmer sein können: Der erste Platzverweis seiner Laufbahn war gleichbedeutend mit einer Sperre für das Endspiel.

Der Star

Dieses Halbfinale wird auf ewig verknüpft sein mit dem Namen von Lilian Thuram. Von Nationaltrainer Aimé Jacquet anlässlich der Weltmeisterschaft zum Rechtsverteidiger umgeschult, erzielte der gelernte Innenverteidiger in 142 Länderspielen davor und danach nie wieder ein Tor. Die Viererkette, die er zusammen mit Blanc, Marcel Desailly und Bixente Lizarazu bildete, wird oft als die beste Abwehrreihe in der Geschichte der französischen Nationalmannschaft bezeichnet.

Zitat

"Das Lustige war ja, dass alle das Gleiche dachten wie ich. Der ganze Kader, die Betreuer, alle sagten: 'Was geht denn jetzt ab?' Ich sage Ihnen was: Meine Mutter war im Stadion. Jemand sagte ihr, ihr Sohn hätte das erste Tor geschossen. Sie verstand kein Wort. Dann sagte ihr jemand: 'Er hat auch das zweite Tor geschossen.' Sie wurde ohnmächtig. Kein Scherz. Nach dem zweiten Tor kam Marcel zu mir und fragte: 'Wie hast du das denn angestellt?' Und ich meinte nur: 'Ja, was weiß denn ich?'"
Lilian Thuram (Außenverteidiger Frankreich) im Interview mit RMC

Und danach?

Das Endspiel gewann Frankreich souverän mit 3:0 gegen Brasilien und Ronaldo. Zinédine Zidane gelangen zwei Kopfballtore, Emmanuel Petit machte den Deckel drauf. Das Land des WM-Gastgebers stürzte in einen unbeschreiblichen kollektiven Freudentaumel. Es war Frankreichs erster Weltmeistertitel. Kroatien schlug im Spiel um den dritten Platz die Niederlande.

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