FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

"Wir leben zusammen, wir sterben zusammen..."

"Wir leben zusammen, wir sterben zusammen..."

Frankreichs Equipe Tricolore hat an ihren Zielen stets festgehalten. Auch nach der durchwachsenen Vorrunde rückte die Truppe von Raymond Domenech keinen Deut davon ab. Woher kommt dieses offenbar unerschütterliche Selbstbewusstsein? Vielleicht rührt es von nur einem einzigen Satz.

Denn Domenech wurde schon manches Mal für verrückt erklärt. Seit er im Amt ist, ist seine Art, zu reden, öfter einmal eingeschlagen wie eine sprichwörtliche Bombe, ist doch gerade im Fussball das Phrasendreschen so etwas wie ein Volkssport. "Wir müssen uns für die WM qualifizieren. Aber das ist nur ein untergeordnetes Ziel. Das eigentliche Ziel ist, die WM zu gewinnen!" Ironisch oder schon leicht meschugge, der Mann? Doch Domenech wäre nicht Domenech, hätte er nicht auch seine eigene, "ganz einfache" Erklärung parat: "Das war ja nicht die Coué-Methode", sagt er in Anspielung auf Émile Coué, den Begründer der modernen Autosuggestion. Das war für niemanden logisch, außer für mich. Einer musste diese unerschütterliche Überzeugung haben, und ich werde dafür bezahlt."

Was Außenstehende kaum wussten: Die Franzosen ließen dieses Ziel keine Sekunde mehr aus den Augen. Gemeinsam machten sie sich an die Erfüllung dieser Mission. Die Botschaft war klar, die Spieler hatten sie verinnerlicht. Nach Lilian Thuram am Vorabend des Halbfinals gegen Portugal – "Große Mannschaften erkennt man daran, dass jeder Spieler bereit ist, für seinen Mitspieler zu sterben und sich für den Erfolg der Mannschaft zu opfern. Ich bin stolz, in die französische Nationalmannschaft zurückgekehrt zu sein und das mit meinen Mannschaftskameraden zu erleben!" - brachte Willy Sagnol den herrschenden Mannschaftsgeist treffend auf den Punkt.

Vertrauen in die Mitspieler

"An der Atmosphäre hat sich nichts geändert, seit wir am 8. Juni in Deutschland angekommen sind. Natürlich machen Erfolge die Sache leichter. Aber ob es manche nun wahr haben wollen oder nicht, an unserer Lebensweise hat sich nichts geändert. Bei uns gibt es einen Satz, der unsere Haltung gut wiedergibt: 'Wir leben zusammen, wir sterben zusammen...' Das ist für uns eine Selbstverständlichkeit."

Da hätten wir ihn also, den Schlüssel zum Erfolg dieser Generation von Gewinnern: Das Vertrauen in den Mitspieler und den Willen, für den Nebenmann alles zu geben. Aber ganz so einfach ist es dann doch wieder nicht. Das hat sich nach den beiden Unentschieden in der Vorrunde gegen die Schweiz (0:0) und die Republik Korea (1:1) gezeigt. "Klar haben wir uns da mal die Meinung gegeigt. Aber es ging dabei allein um unsere Art, zu spielen, wir wollten die richtige Abstimmung finden. Also haben wir uns ausgesprochen und jeder hat gesagt, was er denkt. Am Ende hatten wir dann den Schlüssel zum Erfolg. Wir mussten die Art unseres Zusammenlebens in der Gruppe nur auf den Rasen übertragen. Wir haben uns nie auseinander dividieren lassen. Es gab keinerlei Grüppchenbildung."

Der Rechtsverteidiger von Bayern München vergisst auch nicht die Rolle von Trainer Raymond Domenech in alledem: "Unser Glück war, dass wir einen Trainer haben, bei dem wir uns Luft machen durften. Er hat uns an unsere Verantwortung erinnert, uns aber gleichzeitig eine gewisse Freiheit gelassen, wie wir damit umgehen. Wir hatten nie wirklich Angst, rauszufliegen, allenfalls, unser wahres Potenzial nicht zeigen zu können."

Nach teilweise harscher – und für manche auch berechtigter – Kritik wartet ganz Frankreich nun mit Spannung auf das Endspiel am Sonntag, das der krönende Abschluss dieses Abenteuers werden soll. "Wir hegen niemandem gegenüber Revanchegelüste. Aber sollten wir den Titel wirklich holen, dann werden wir den Augenblick auch nur mit jenen teilen, die von Anfang an an uns geglaubt haben. Uns jetzt, da wir im Finale stehen, zu beweihräuchern, ist ein bisschen arg einfach."

Die Zeit des Abschieds naht. Vorübergehend für einige, für immer für andere. "Daran denken wir oft. Aber man muss das Ganze abstrahieren. Für uns zählt in erster Linie die Gemeinschaft. Und ich versichere Ihnen, dass diese Gemeinschaft, obwohl sie schon seit dem 21. Mai zusammen ist, keinerlei Lust auf Trennung verspürt ..."