FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Vidic: "Ich war so erleichtert"

© Getty Images

Was mag wohl in Nemanja Vidic vorgegangen sein? Das Aushängeschild der serbischen Nationalmannschaft war kurz davor, zur tragischen Figur zu werden. Sein Team führte in einer Partie, die man unbedingt gewinnen musste, wenn man sich noch realistische Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ ausrechnen wollte mit 1:0. Dann verursachte er in der 60. Spielminute einen Elfmeter. Da der Innenverteidiger in England lebt, wo er beim Spitzenklub Manchester United unter Vertrag steht, wusste er nur zu gut, dass die Deutschen fast nie Elfmeter vergaben.

Lukas Podolski legte sich den Ball auf dem Punkt zurecht. Da er ein selbstbewusster Spieler und zudem noch ein guter Schütze ist, war man gemeinhin der Überzeugung, dass er den Ausgleichstreffer erzielen würde. Er trat an und schickte das Leder mit einem Linksschuss in Richtung rechte untere Torecke. Der serbische Schlussmann Vladimir Stojkovic setzte zu einem Hechtsprung nach links an, machte sich lang und wehrte den Ball ab.

Erleichterung bei Vidic
Podolski und seine Mannschaftskameraden konnten nur fassungslos zuschauen. Fassungslos waren auch die Fussballfans auf der ganzen Welt, als die Serben beim Schlusspfiff mit einem 1:0-Sieg vom Platz gingen. Das hatten sie auch Milan Jovanovic zu verdanken, der in der 38. Spielminute den Siegtreffer gegen die auf zehn Mann dezimierte deutsche Mannschaft erzielte.

"Ich war so erleichtert", erklärte Vidic wenige Minuten nachdem er das Spielfeld des Nelson-Mandela-Bay-Stadions als Sieger verlassen hatte im Gespräch mit der FIFA. "Das war mein Fehler. Ich war irgendwie neben der Spur und habe den Ball mit der Hand gespielt. Glücklicherweise hat Stojk den Schuss glänzend pariert."

"Später habe ich zu ihm gesagt: 'Ich bin dir etwas schuldig. Was willst du haben?' Aber wenn ich jetzt darüber nachdenke, ist er vielleicht eher mir ein Geschenk schuldig. Er steht jetzt voll im Rampenlicht – er ist ein Held. Durch mich hatte er die Chance, zum Helden zu werden!"

Kein Erfolgsgeheimnis
Und Heldenstatus hat der 26-jährige Schlussmann von Wigan Athletic mit Sicherheit, sowohl bei den serbischen Fans, die seinen Namen noch eine halbe Stunde lang von den Rängen riefen, als auch bei seinen Mannschaftskameraden. "In der Kabine sind ihm alle um den Hals gefallen", erklärt Neven Subotic gegenüber FIFA.com.

"Für mich hat er ohnehin ein super Spiel gemacht. Er hat einige wichtige Glanzparaden abgeliefert. Aber der Elfmeter, das war einfach ein ganz großer Augenblick. Gegen Ghana haben wir erlebt, wie solche Situationen ausgehen können. Wir haben einen unnötigen Elfmeter verursacht, und sie haben uns geschlagen. Wir konnten einfach nicht glauben, dass uns jetzt schon wieder dasselbe passieren würde. Glücklicherweise hat er [Stojkovic] den Schuss glänzend pariert."

Gab es ein Erfolgsgeheimnis hinter Stojkovics Glanzparade? "Nein, nein", meint er rückblickend. "Ich wusste nicht, welche Ecke er sich aussuchen würde. Ich habe mich einfach für eine entschieden, und glücklicherweise war es die richtige. Ich bin sehr, sehr zufrieden. Wir haben eine Spitzenmannschaft geschlagen, aber jetzt müssen wir uns auf ein weiteres schweres Spiel konzentrieren, wenn wir ins Achtelfinale einziehen wollen."

Die Elfmeterhelden Jan Tomaszewski, Harald Schumacher, Sergio Goycochea und Taffarel haben in vergangenen Weltmeisterschaften einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass Polen, die Bundesrepublik Deutschland, Argentinien und Brasilien am Ende auf dem Siegertreppchen standen. Die Serben mögen dieses Jahr vielleicht nicht ganz so große Ambitionen haben, aber wenn sie den Sprung ins Achtelfinale schaffen, dann wird diese Glanzparade im Stadion von Port Elizabeth sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

In diesem Fall kann Vidic sich vielleicht ein ganz großes Geschenk aussuchen.

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