FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

FIFA Fussball-WM 2018™

Capello: Russland kann die K.-o-Phase erreichen

© Getty Images
  • Capello spricht über sein Tor für Italien bei der FIFA WM 1974
  • Der Ex-Nationaltrainer Englands setzt auf Kane als WM-Entdeckung
  • Gastgeber Russland sieht er mindestens im Achtelfinale

Kein Zweifel: Fabio Capello ist ein erfolgreicher Trainer. In seiner 36-jährigen Laufbahn hat er sich als Titelsammler profiliert, seit er Anfang der 90er-Jahre mit dem AC Mailand den italienischen und den europäischen Fussball dominierte. Aber auch die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ ist dem so erfolgreichen Vereinstrainer Capello nicht fremd. Als Spieler lief er 1974 in Deutschland für Italien auf, als Trainer führte er England 36 Jahre später ins Achtelfinale von Südafrika 2010. Vor vier Jahren stand er für die Sbornaja an der Seitenlinie.

Nun, da Russland 2018 vor der Tür steht, hat sich FIFA.com mit dem 71-Jährigen getroffen und ihn nach seinen WM-Erinnerungen gefragt. Der ehemalige Trainer der AC Milan und der englischen Nationalmannschaft blickte bei dieser Gelegenheit zurück auf sein Tor bei seinem einzigen WM-Einsatz und auch auf Englands Abschneiden 2010. Außerdem äußerte sich der Italiener zum überraschenden Aus seines Heimatlandes in den Playoffs und zu den Chancen für Gastgeber Russland.

FIFA.com: Wie fühlt man sich als Weltklassetrainer in der fernöstlichen Chinese Super League?
Fabio Capello: Für mich ist die Arbeit in Asien der Aufbruch in eine neue Welt – eine Welt der rasanten Entwicklung. Da ist noch viel zu tun, aber die Chinesen haben sowohl den Ehrgeiz als auch die Mittel, ihr Spiel zu verbessern. Mit Marcello Lippi hat die Nationalmannschaft einen hervorragenden Trainer, der den chinesischen Fussball generell konzeptionell ausrichten kann.

Die Weltmeisterschaft in diesem Jahr rückt näher. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr Spiel – und Ihr Tor – bei der WM 1974? 
Die, dass ich ein nutzloses Tor gegen Polen geschossen habe, denn wir verloren das Spiel mit 1:2 und waren raus, weil Argentinien die bessere Tordifferenz hatte. Ich habe an diese Weltmeisterschaft also nicht die besten Erinnerungen. Ich wusste, dass es in Deutschland viele italienische Gastarbeiter gab, [die uns unterstützten,] aber wir mussten nach der Vorrunde nach Hause fahren.

Waren Sie als Kind von der WM fasziniert? Woran erinnern Sie sich?
Ich habe den Fussball immer geliebt. Ich habe schon als Kind angefangen, Fussball zu spielen. Die erste WM, die ich verfolgt habe, war Schweden 1958. Die Spiele habe ich mir im Fernsehen angesehen. Brasilien holte den Titel durch ein 5:2 gegen Schweden im Finale und Pelé traf doppelt. Nach all den Jahren erinnere ich mich immer noch an Pelés Tore. Diese Weltmeisterschaft war sein Durchbruch zum Superstar.

Sind Sie enttäuscht, selbst nur bei einer Weltmeisterschaft gespielt zu haben? Haben Sie das Gefühl, Sie hätten Italien auch 1970 und insbesondere 1978 helfen können?
Ich war sehr enttäuscht, die Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien zu verpassen. Ich hatte alle Qualifikationsspiele absolviert, saß aber dann nicht im Flieger, als es zur WM ging. Das finde ich bis heute schade.

Was sind denn die größten Herausforderungen für einen Trainer während einer Weltmeisterschaft?
Als Trainer einer Nationalmannschaft muss man wissen, welche Spieler man zur Verfügung hat und was der Kader leisten kann. Dann muss man aus jedem Spieler sein Bestes herauskitzeln und so weit kommen wie möglich. Trotzdem erreicht man seine Ziele bisweilen nicht. Einige Spieler können ihre Leistung unter Druck nicht abrufen und selbst Schlüsselspieler machen Fehler bei einer WM. Jede Mannschaft braucht Führungsspieler, die vorangehen, aber man weiß nie, wie es endet.

Wie sehen Sie rückblickend Ihre WM-Teilnahme 2010 in Südafrika mit England?
Das war traurig. Es hätte zur Halbzeit gegen Deutschland 2:2 stehen können. Dann wäre für England sogar der Titel drin gewesen. Das einzige Problem für England ist, dass die Nationalspieler nach einer stressigen Saison, in der sie keinerlei Erholung hatten, müde [zur WM] anreisen.

Warum tut sich England trotz aller guten Einzelspieler bei großen Turnieren oft so schwer? Oder glauben Sie, dass sich das in Russland ändern könnte?
Bei dieser Weltmeisterschaft hat England gute junge Spieler, die trotzdem schon Routine haben. Es ist möglich, dass diese jungen Kerle den Druck nicht so stark verspüren und freier aufspielen können. Ein zentrales Problem bleibt meiner Meinung nach, dass sie körperlich ausgelaugt [zur Weltmeisterschaft] kommen und gegen Mannschaften antreten müssen, deren Spieler nicht so belastet sind.

Hätten Sie gern zu Ihrer Zeit einen Harry Kane in Ihrer Mannschaft gehabt?
Harry Kane ist ein großartiger Stürmer, der sehr wichtig [für die Mannschaft] ist. Diese Sorte Spieler will jede Mannschaft haben. Vor allem hat er einen ausgeprägten Torriecher. Er wartet auch nicht darauf, dass er den Ball in den Fuß gespielt bekommt. Stattdessen ist er im Sturm ständig unterwegs, ständig anspielbar, sorgt immer für Gefahr. Er könnte in Russland definitiv in den Fokus rücken.

Auch Russland kennen Sie sehr gut. Welches Ziel halten Sie für die Mannschaft bei dieser WM für realistisch?
Ich habe die Auslosung gesehen. Russland wird die Vorrunde überstehen. Ich habe [während meiner Zeit als russischer Nationaltrainer] sowohl gelehrt als auch gelernt und ich hoffe, dass die Mannschaft auch durch das, was ich an Qualitäten vorgefunden und weitergegeben habe, für die WM gut aufgestellt ist. Das Land hat immens in den Fussball investiert. Ein gutes Abschneiden bei der Weltmeisterschaft wäre ein weiterer Erfolg.

Was erwarten Sie vom Land als solches als Gastgeber des Turniers?
Es sollte keine Probleme geben. Russland ist ein großartiges Land mit großartigen Menschen. Es wurde viel [in die Ausrichtung der Weltmeisterschaft] investiert und die Sicherheitslage dort ist sehr gut. Russland will vor den Augen der Welt eine gute Figur machen und kann ein großartiges Turnier ausrichten.

Eine der großen Überraschungen in der Qualifikation für Russland 2018 war, dass Italien die Endrunde verpasst hat. Was folgern Sie daraus und was muss Ihrer Meinung nach getan werden, damit die Azzurri wieder in die Erfolgsspur einbiegen?
Es war sehr traurig zu sehen, dass die italienische Mannschaft in den Playoffs ausgeschieden ist. Wir waren früher eines der Zugpferde der Weltmeisterschaft und haben den Titel vier Mal gewonnen. Aber im Augenblick verfügt der italienische Fussball nicht über viele gute Spieler und über wenig spielerische Qualität. Man muss da mal grundsätzlich analysieren, wo die Fehler liegen, und vor allem muss man etwas anderes versuchen, das den Eigenheiten italienischer Fussballer entspricht, anstatt die Eigenheiten anderer zu kopieren.

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