FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Tschechiens Träume zerplatzen jäh

Die Tschechische Republik ging mit großen Hoffnungen in die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™, konnte diese jedoch nicht erfüllen. Obwohl die Tschechen einen hohen Unterhaltungswert hatten, mussten sie sich im Kampf ums Weiterkommen in der Gruppe E Italien und Ghana geschlagen geben.

Nachdem Karel Brückner das Ruder übernommen hatte, gewannen die attraktiv spielenden Tschechen durch den Halbfinaleinzug bei der UEFA Europameisterschaft 2004 viele neue Fans, ehe sie sich überraschend dem späteren Europameister Griechenland geschlagen geben mussten. Der erfahrene Trainer musste während der Qualifikation für die FIFA WM 2006™ zahlreiche verletzte Spieler ersetzen, aber dennoch erreichte die Tschechische Republik hinter den Niederlanden den zweiten Platz der Gruppe 1 in der Europa-Zone der WM-Qualifikation. Pavel Nedved, die Galionsfigur des tschechischen Fussballs, wurde für die Play-Off-Spiele gegen Norwegen wieder in die Nationalmannschaft zurück geholt, nachdem er seine Länderspielkarriere eigentlich schon beendet hatte, und verhalf seiner Mannschaft dann zur Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Deutschland.

Der zweite Platz in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste untermauerte den Favoritenstatus der Tschechen im Vorfeld der WM. Nedveds Erfolgshunger war nicht zu übersehen, und Europas ehemaliger Spieler des Jahres war damit in guter Gesellschaft. Torhüter Petr Cech und Mittelfeld-Zauberer Tomas Rosicky entwickelten sich zu Leistungsträgern, und auch Jan Koller war rechtzeitig von seiner Verletzung genesen, um mit Milan Baros, dem Torschützenkönig der Europameisterschaft 2004, ein torgefährliches Sturmduo zu bilden. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen der Tschechen.

Beeindruckendem Beginn folgen herbe Rückschläge

Diesen Erwartungen schien man zunächst auch gerecht zu werden, nachdem die Tschechische Republik mit dem 3:0 gegen die USA einen überzeugenden Start hingelegt hatte. Rosicky spielte groß auf, seine klugen Pässe und raffinierten Dribblings bedeuteten für seine Gegner stets große Gefahr. Der 25-Jährige erzielte auch zwei wunderschöne Tore; eines durch einen Weitschuss mit viel Effet, das andere nach einem traumhaften Pass von Nedved durch einen eleganten Heber über U.S.-Torwart Kasey Keller hinweg.

Als nächstes wartete auf die Tschechen Außenseiter Ghana. Die Afrikaner zeigten sich von der Favoritenrolle ihrer Gegner wenig beeindruckt und fuhren einen 2:0-Erfolg ein. Das Spiel war lange Zeit offen, doch Brückners Truppe konnte nach den Verletzungen von Koller und Baros nicht mehr die nötige Abschlussstärke aufbringen und ging schließlich leer aus.

Nach dieser Niederlage mussten die Tschechen am letzten Spieltag der Gruppe E nun Italien schlagen, um sicher ins Achtelfinale einzuziehen. Man begann stark, und auch Nedved war in glänzender Verfassung, doch plötzlich musste man den Rückstand hinnehmen. Der eingewechselte Marco Materazzi erzielte in der 26. Minute per Kopf die Führung der Azzurri, die zu diesem Moment den Spielverlauf auf den Kopf stellte. Die Tschechen waren durch diesen Rückschlag sichtlich entmutigt, und der Platzverweis gegen Jan Polak kurz vor dem Halbzeitpfiff machte die Sache noch schwieriger. Italien gewann schließlich mit 2:0, die Tschechen mussten die Heimreise antreten.

Neue Freunde gewonnen, aber trotzdem verloren

Mit dem Sieg im Auftaktspiel verschafften sich die Tschechen weltweit Respekt und waren ein weiteres Mal die Lieblinge der neutralen Zuseher. Das erste Spiel gegen die USA war eines der schönsten des gesamten Turniers, und an Rosickys Tore – vor allem an das erste – wird man sich noch lange erinnern.

Die bereits als "Duracell" bezeichneten Batterien von Nedved schienen stets voll aufgeladen zu sein; seine Leistung gegen die Italiener – denen sein Können wohl bekannt ist – hätte eigentlich keine Niederlage verdient. Nedved blieb zwar die heißersehnte Trophäe verwehrt, er konnte aber dennoch die tschechischen Fans begeistern. Petr Cech konnte seinen Status als einer der besten Torhüter der Welt ebenfalls untermauern. Der Keeper des FC Chelsea zeigte sowohl gegen Ghana als auch gegen Italien großartige Paraden und konnte vor allem durch seine Reflexe überzeugen.

Man erwartete sich von den Tschechen eigentlich, dass sie die Vorrunde überstehen würden, doch dass man in eine der schwersten Gruppen gelost worden war und zudem auf die beiden Toptorjäger verletzungsbedingt verzichten musste, hat sicher zum frühen Ausscheiden beigetragen.