FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Tschechen brauchen den "richtigen" Rosicky

"Ich glaube, er hat alles, was ein Spieler braucht, um in einer europäischen Topliga wie der englischen Premier League sehr erfolgreich zu sein. Er bringt alle Voraussetzungen mit. Ihn kann man gar nicht hoch genug loben." Mit diesen Worten beschrieb Petr Cech, Nationaltorwart der Tschechischen Republik, seinen Teamkollegen Tomas Rosicky nach dessen Galavorstellung beim ersten Gruppenspiel gegen die USA.

Cech setzte sogar noch eins drauf. "Er kann der beste Spieler der Welt werden", prophezeite er. Wie ein Weltklasseakteur wie Cech zu diesem Urteil kommt, erklärt sich, wenn man sich Rosickys Leistungen wie die beim 3:0 gegen die Amerikaner ansieht. Mit zwei fulminanten Fernschüssen besiegte Rosicky die USA quasi im Alleingang und wurde zum Anheuser Busch Bud Man of the Match gekürt.

Zum Spielerprofil von Tomas Rosicky

Für Nationaltrainer Karel Brückner sind solche Leistungen des zweimaligen tschechischen Fussballers des Jahres keine Überraschung. Der Coach nannte Rosicky einst ein "Wunder auf zwei Beinen", nachdem dieser nach auskurierter Verletzung in den Play-offs der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ gegen Norwegen ein überragendes Comeback gefeiert hatte.

Aber nach der Auszeichnung als Anheuser Busch Bud Man of the Match und der überragenden Leistung gegen die USA zeigte Rosicky im zweiten Spiel gegen Ghana ein ganz anderes Gesicht. Gegen die starken Mittelfeldspieler der Afrikaner sah man nicht viel von ihm.

Auch die Fans von Rosickys Noch-Klub Borussia Dortmund sind gespalten, wenn es um den manchmal genialen, manchmal aber eben auch nur mittelmäßigen Mittelfeldregisseur geht. Vor Beginn der Endrunde machte der tschechische "Fussballmozart" seinen Wechsel zum Londoner Spitzenverein Arsenal perfekt. Zuvor trug er fünf Jahre lang das gelbschwarze Trikot des Ruhrpottvereins, der mit die meisten Anhänger in Deutschland hat. Bei diesen schieden sich von jeher die Geister an Rosicky.

"Manchmal ist er klasse"

"Der muss noch eine Menge lernen", urteilt etwa ein 60-jähriger Dortmunder Taxifahrer, der schon als Junge Fan der Borussia war. "Manchmal ist er klasse, aber dann wirkt es wieder, als wäre ihm alles egal, und er arbeitet nicht genug."

Im Ruhrpott regiert König Fussball. In Dortmund sagen sie: "Erst kommt der Fussball, dann das Bier und dann die Currywurst." In Dortmund und im benachbarten Gelsenkirchen - dem Zuhause von Borussias Erzrivalen Schalke 04 - schlug Mitte des 20. Jahrhunderts das Herz der deutschen Industrie.

Zwar hat sich in Dortmund inzwischen der wirtschaftliche Wandel hin zum IT-Standort vollzogen, aber die althergebrachten Grundsätze aus der Zeit von Bergbau, Schwerindustrie und rauchenden Schloten haben noch ihre Gültigkeit. Und die lauten: Harte Arbeit, ehrliche Maloche und Einsatz bis zum Schluss. Das gilt auch und vor allem für den Fussball.

"Einer wie der Jan Koller ist mir 1000 Mal lieber", sagt ein Kneipenwirt aus einem Dortmunder Vorort, wirft sich das Geschirrtuch über die Schulter und zieht wie zur Bekräftigung einmal ordentlich an seiner Zigarette.

Nicht jeder freilich teilt diese Meinung. "Mein Vater hasst Rosicky", verrät ein junger Dortmund-Fan FIFAworldcup.com in der Dortmunder Innenstadt, wo eine Nachbildung des FIFA WM-Stadions steht. "Er sagt immer, der steht nur rum und tanzt ein bisschen und legt sich nicht richtig ins Zeug. Er mag Jan Koller viel lieber. Der ist meiner Meinung nach spielerisch viel schlechter als Rosicky, aber er kämpft und gibt immer alles. Aber ich finde Rosicky phantastisch. Ein großer Verlust für unseren Verein."

Ein Blick auf die nackten Zahlen enthüllt, dass Rosicky sehr wohl Anteil an einer durchaus erfolgreichen Saison 2005/2006 in Dortmund hatte. Hatte er im Vorjahr wegen Verletzungen noch mit einem Formtief zu kämpfen, so kam der 25-Jährige in der abgelaufenen Spielzeit wieder auf 28 Bundesligaeinsätze, in denen er fünf Tore erzielte und weitere fünf vorbereitete.

Und was auch immer ihm der Wechsel zu Arsenal bringen wird, gebraucht wird Rosicky zunächst einmal in der tschechischen Nationalmannschaft - und zwar äußerst dringend. Denn neben Milan Baros ist mittlerweile auch Jan Koller verletzt. Im Spiel gegen Tabellenführer Italien kommt es angesichts dieser Tatsache um so mehr auf Rosickys Offensivkünste an.

Sollten die Tschechen ihren zweiten Platz in Gruppe E halten und ins Achtelfinale einziehen, würden sie in der Runde der letzten 16 ausgerechnet in Dortmund spielen. Dann könnte Rosicky allen Borussen-Fans noch einmal zeigen, was er kann.