FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Trinidad überrascht, England und Argentinien jubeln

DER TAGESRÜCKBLICK: Viele hatten sie schon abgeschrieben, noch bevor der Ball bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ überhaupt rollte – viele, nur sie selbst nicht. Am Ende brachte Trinidad und Tobago mit unglaublichem Einsatz, nimmermüder Energie und beherzter Entschlossenheit in der Defensive karibische Freude und Farbe ins Herz von Europa. Das überraschende 0:0 gegen Schweden machte England, das am Nachmittag mit Mühe 1:0 gegen Paraguay gewonnen hatte, zum ersten Tabellenführer in Gruppe B. Der zweimalige Weltmeister Argentinien wurde derweil seiner Favoritenrolle gerecht und siegte gegen die Elfenbeinküste mit 2:1.

Sie sind das kleinste Land, das sich je für die Endrunde einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ qualifizieren konnte. Gerade einmal 1,1 Millionen Menschen bevölkern die Doppelinseln Trinidad und Tobago. Sportlicher Erfolg ist der Karibiknation durchaus nicht fremd – allerdings in der Regel weit eher im Cricket. Im fussballerischen Bereich galt das Land stets als Außenseiter, woran sich auch jetzt grundsätzlich wenig ändern dürfte. Aber wer das Auftaktspiel des Teams am zweiten Tag der FIFA WM 2006™ gesehen hat, der wird den wackeren Kampf nie vergessen, den der Neuling über 90 Minuten geboten hat.

Natürlich war dabei auch Glück im Spiel, denn Chancen hatten die favorisierten Schweden zur Genüge. Ohne Verteidiger Avery John, der in der 46. Minute die Gelb-Rote Karte sah, und Stammtorwart Kelvin Jack, der sich schon beim Aufwärmen verletzt hatte, standen die Chancen für Trinidad und Tobago eigentlich noch schlechter, aber der Außenseiter gab nicht auf. Der inzwischen 37-jährige Ersatztorwart Shaka Hislop hat in seiner Karriere einiges erlebt und vieles erreicht – ein Spiel bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ gehörte bisher nicht dazu.

Noch unmittelbar vor dem Spiel hatte Hislop davon erzählt, wie er als Kind vor 25 Jahren in einem Park in Trinidad Fussball gespielt und von solch einem Moment geträumt hatte. Schon damals dabei: Der heutige Mannschaftskapitän Dwight Yorke und Regisseur Russell Latapy. Zico, Socrates und Maradona nannten sie sich damals, nicht ahnend, dass ihr Traum einmal in Erfüllung gehen würde. Neben Hislop wuchs besonders Yorke an diesem für den Fussball von Trinidad und Tobago denkwürdigen Tag über sich hinaus. Seine selbstlose Führungsrolle im Mittelfeld brachte ihm die Auszeichnung als Anheuser Busch Bud Man of the Match ein. Yorke opferte seine übliche Angriffslust und stellte sich ganz in den Dienst der Defensive. Damit war er eine Inspiration für jeden seiner Mitspieler.

Die Höhepunkte des Tages

Trinidad und Tobago hätte sogar alle drei Punkte mitnehmen können. In der 59. Minute schoss der eingewechselte Glen Cornell aus spitzem Winkel auf das schwedische Gehäuse, traf aber nur das Torgestänge.

Was immer sich Zlatan Ibrahimovic und Henrik Larsson auch an Chancen erarbeiteten, Shaka Hislop machte es zunichte. Die Mannschaft des niederländischen Trainers Leo Beenhakker hielt hinten dicht. Am Ende zeigte sich auf den Tausenden in den Landesfarben angemalten schwedischen Gesichtern nur Fassungslosigkeit und Unverständnis.

Bis zum Auftritt Argentiniens im letzten Spiel des Tages in Hamburg war am zweiten Spieltag der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ also noch kein Tor gefallen, das die Bezeichnung wirklich verdient hatte (England siegte nur durch ein Eigentor Paraguays). Das war am Vortag noch ganz anders gewesen, als der Gastgeber mit zwei herrlichen Distanzschüssen und einem 4:2-Sieg gegen Costa Rica in das Turnier gestartet war und Ecuador mit dem 2:0 gegen Polen nachgelegt hatte.

Die drei Punkte gegen Paraguay sicherte sich England durch ein Eigentor des unglücklichen Carlos Gamarra schon nach wenigen Minuten. Der erfahrene südamerikanische Mannschaftskapitän war nach einem Freistoß von David Beckham hochgestiegen, schaffte es aber bei seinem Rettungsversuch per Kopf nur, mit Justo Villar den eigenen Schlussmann zu überwinden. Für Villar sollte es in der Folge noch schlimmer kommen. Fünf Minuten später verletzte sich der Keeper beim Herauslaufen und musste ausgewechselt werden.

Paraguay erspielte sich erst gegen Ende der Partie größere Chancen, so dass England einige bange Momente zu überstehen hatte. Zudem wechselte Trainer Sven-Göran Eriksson schon nach 56 Minuten seinen Stürmer Michael Owen aus, anstatt ihn im Sinne der Spielpraxis über die volle Distanz auf dem Platz zu lassen. Dennoch reichte es für England zur Tabellenführung in Gruppe B – ein Platz, den die Schweden sicher gerne innehätten.

Riquelme glänzt

Im Spiel gegen die Elfenbeinküste lieferte der Argentinier Juan Roman Riquelme eine großartige Leistung ab. In für ihn typischer Manier bereitete der Spielmacher beide Tore seines Teams vor.

Bis zur 38. Minute hatten die Südamerikaner bereits so viele Tore geschossen, wie in Korea und Japan vor vier Jahren in drei Gruppenspielen zusammen. Der desaströse Ausgang dieser Geschichte ist hinlänglich bekannt. Bevor Hernán Crespo jedoch in seiner typischen Torjägermanier zur Führung für Argentinien vollendete, hatten die Südamerikaner einige Schrecksekunden zu überstehen. Mehr als einmal dürften bei ihnen Erinnerungen an Italien 1990 und den wenig weltmeisterlichen Auftritt gegen Kamerun wach geworden sein.

Nicht umsonst war die Elfenbeinküste im Vorfeld der WM stets als der Neuling gehandelt worden, der in den kommenden vier Wochen am meisten für Furore sorgen könnte. Schließlich hat der Zweite des diesjährigen Afrikanischen Nationen-Pokals Akteure in seinen Reihen, die regelmäßig bei Spitzenteams der englischen Premier League oder Frankreichs Ligue 1 spielen, und mit einer Mischung aus Athletik und Enthusiasmus brachten diese die sonst sehr sattelfeste argentinische Abwehr öfter in Verlegenheit, als es den Südamerikanern lieb sein konnte.

Aber mit Riquelme hatten die Argentinier an diesem Abend einen Mann in ihren Reihen, der das Tempo des Spiels nach Belieben verschärfen konnte. Sein Freistoß ins ivorische Abwehrzentrum fiel Crespo quasi vor die Füße, und der Goalgetter hatte keine Mühe mehr zu treffen und seine persönliche Torausbeute bei WM-Endrunden zu verdoppeln.

Tor des Tages

Javier Saviola: 2:0 für Argentinien. Javier Saviola erzielte noch vor dem Halbzeitpfiff das 2:0. Er startete dabei auf herrlichen Pass von Riquelme genau im richtigen Moment in den freien Raum. Die Mannschaft der Elfenbeinküste steckte zu keinem Zeitpunkt auf und wurde schließlich noch mit dem Anschlusstreffer durch Didier Drogba belohnt. Das Tor kam jedoch zu spät, und so kam Argentinien ebenso wie Deutschland und England, die selbst erklärten Mitbewerber um die WM-Krone, zu einem Auftaktsieg.