FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

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12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

Traumeinstand für Griezmann

Antoine Griezmann (L) and Mathieu Valbuena (R) of France celebrate
© Getty Images

Nein, ein Superheld ist Antoine Griezmann nicht. Aber als er in der 62. Minute aufs Feld kam, ging irgendwie dennoch ein Ruck durch die französische Mannschaft, die daraufhin ihr Achtelfinale gegen Nigeria in den letzten zehn Minuten entschied (2:0). Linksfuß Griezmann kann sogar für sich reklamieren, dass Eigentor von Joseph Yobo erzwungen zu haben. "Ich habe einfach versucht, den Ball auf den ersten Pfosten zu spitzeln, aber das ist mir nicht gelungen", schildert der Mann von Real Sociedad die Szene am Mikrofon der FIFA aufgeräumt, aber in seinen Augen funkelt die Freude über das Erreichen des Viertelfinals.

Schon an der Führung durch Paul Pogba (80.) war Griezmann indirekt beteiligt. Vorausgegangen war nämlich eine Ecke und die hatte Karim Benzema rausgeholt. Der Madrilene wiederum hatte zunächst nach links ausweichen müssen, damit im Sturmzentrum Platz war für Olivier Giroud. In dieser Konstellation funktionierte das Duo jedoch nicht andeutungsweise so gut wie bei der Galavorstellung gegen die Schweiz. Benzema misslang fast alles, Gunner Giroud, wenn überhaupt, nur wenig mehr. Dann ging Giroud, es kam Griezmann und mit ihm ein munterer Positionstausch. Die kleine "Reise nach Jerusalem" zu dritt erklärte Trainer Diedier Deschamps gegenüber der FIFA später wie folgt: "Karim hat danach auf einer Position gespielt, auf der er sich wohler fühlt - im Zentrum. Dort hatte er auch etwas mehr Platz. Nach etwa einer Stunde war der Zeitpunkt gekommen, auf den Spielverlauf und die Erschöpfung des Gegners zu reagieren. Meiner Meinung waren wir gegen Ende viel frischer als Nigeria."

Deschamps, als Aktiver Welt und Europameister, spielte dabei seine geballte Erfahrung aus. "Es war genau das Spiel, das ich erwartet hatte", erklärte er. "Mit vielen Zweikämpfen und internationaler Härte. Darauf mussten wir uns einstellen und eine Stunde lang dagegenhalten. In der letzten halben Stunde haben wir dann noch einmal das Tempo verschärft und unsere Beweglichkeit und Dribbelstärke ausgespielt. Wir haben ausgenutzt, dass die vier nigerianischen Offensivspieler in den letzten 20 Minuten nicht mehr so gut nach hinten gearbeitet haben." Da traf es sich gut, dass Griezmann über die passenden Qualitäten verfügt. "Ich habe versucht, der Mannschaft zu helfen und möglichst direkt zu spielen", sagt dieser. "Ich bin zufrieden mit meiner Leistung. Man hat im ersten Durchgang gesehen, dass das Passspiel nicht so gut funktionierte, aber nach der Pause wurde es besser. Ich bin nach meiner Einwechslung immer wieder steil gegangen. Schließlich hatten wir die gegnerische Abwehr vorher schon gut müde gespielt."

Personelle Auswahl
"Es war eine Option [Griezmann auf links zu bringen]", so Deschamps. "Natürlich hätte ich auch so beginnen können. Vielleicht hätte es funktioniert, vielleicht auch nicht. Ich habe mich entschieden, gegen diese gegnerische Abwehr mit Olivier Giroud im Sturmzentrum zu spielen, weil er auch gut im Kopfball ist. Antoine hat diese Qualität logischerweise nicht. Seine Stärken sind Wendigkeit und Schnelligkeit." Kaum zu glauben, dass der 23-jährige Griezmann erst seit knapp einem halben Jahr A-Nationalspieler ist. Seine Nominierung für die WM war die große Überraschung. Griezmanns Rolle als Joker, der mit seiner Schnelligkeit bis zur Grundlinie vorstoßen soll, erinnert stark an die von Franck Ribéry 2006.

Wie Ribéry damals ist auch Griezmann jung und unbekümmert. Seine schier überbordende Energie zeigt sich nicht nur auf dem Platz sondern auch, wenn er auf der Bank sitzt. "Ich stehe dann voll unter Stress", gesteht er. "Ich will auf den Platz. Wenn wir eine Chance haben, springe ich auf. Ich kann dann einfach nicht still sitzen! Wenn der Trainer mich dann bringt, gebe ich immer alles."

Der viel zitierte "zweite Anzug" könnte sich denn auch noch als sehr wertvoll erweisen für die Bleus. Aber auch dem eher glanzlosen Arbeitssieg kann Didier Deschamps Positives abgewinnen. "Das macht uns stärker", glaubt er. Wir haben eine sehr gute Vorrunde gespielt und sind Gruppenerster geworden, aber das zählt jetzt nicht mehr. Dass wir heute den Einzug in die Runde der letzten Acht geschafft haben, das macht mich stolz. Meine Spieler haben es verdient."

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