FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Togo: Auf Prämienstreit folgte die Strafe auf den Fuß

Togos Nationalmannschaft ist nach drei Niederlagen in der Vorrunde der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ ausgeschieden und hat inzwischen die Heimreise angetreten. Auch wenn dieses Schicksal schon vor Beginn des Turniers als wahrscheinlich galt, so ist der eigentliche Grund für das sehr enttäuschende Abschneiden der Westafrikaner wohl eher abseits des Fussballplatzes zu suchen.

In der Partie gegen die Republik Korea hatte Mohamed Kader seine Mannschaft in der 51. Spielminute in Führung geschossen. Doch nachdem Jean-Paul Abalo später die Rote Karte gesehen hatte, gelang den Taeguk Warriors aus Asien schon bald der Ausgleich. Es war die erste von drei Niederlagen, mit insgesamt fünf Gegentoren und dem Treffer aus dem Spiel gegen die Asiaten als einzigem eigenen Tor. Aus sportlicher Sicht war mehr oder weniger das eingetreten, was man von der Mannschaft erwarten konnte.

Rückblick auf die Vorrundenspiele Togos

Obwohl Togo nicht annähernd über so viele Topspieler verfügt wie die Vorrundengegner, bot der WM-Neuling alles andere als eine lächerliche Vorstellung. Erst der Platzverweis ihres Kapitäns im Spiel gegen die Republik Korea ließ die Mannschaft von Trainer Otto Pfister zusammenbrechen. Mit einem Mann mehr auf dem Platz waren die schnellen Koreaner, die den durch Abalo verursachten Freistoß zum 1:1 verwandeln konnten, in der Folge nicht nur zahlenmäßig überlegen. Im zweiten Spiel mussten sich die Westafrikaner trotz der starken Leistung ihres Torhüters Kossi Agassa am Ende der Effizienz der Schweizer beugen. Im abschließenden Gruppenspiel hatte Togo dann dem ständigen Anrennen der Franzosen nur wenig entgegen zu setzen. Vor allem die Stürmer blieben viel zu harmlos.

Die wahren Hintergründe für diese insgesamt schwache Leistung liegen indes zweifellos im internen Bereich der Mannschaft. Bereits während des Afrikanischen Nationen-Pokals im Februar 2006 war es zu einem Streit zwischen dem Star der Mannschaft, Emmanuel Adebayor, und dem damaligen Trainer Stephen Keshi gekommen. Letzterer wurde drei Monate vor Beginn der FIFA WM Deutschland 2006™ durch Otto Pfister abgelöst. Kurz vor der Abreise nach Deutschland erhitzte das leidige Problem der Prämienzahlungen erneut die Gemüter. Da auch nach der Ankunft in Deutschland keine einvernehmliche Lösung dazu gefunden wurde, gab Trainer Pfister am Tag des Auftaktspiels seinen Rücktritt bekannt, weil die Spieler dem Training fern geblieben waren und seine Anweisungen nicht befolgt hatten.

Daraufhin waren bereits mehrere Namen von möglichen Nachfolgern des Deutschen im Gespräch, als Pfister überraschend zur Mannschaft zurückkehrte. Vorher hatten die Spieler einen Teil der geforderten Prämien erhalten. Doch war damit das Problem als solches noch nicht vom Tisch. Moustapha Salifou sprach denn auch vorsichtig aus, was längst vermutet wurde: "Vielleicht hätten wir besser abgeschnitten, wenn nicht diese Probleme abseits des Spielfeldes gewesen wären…"

Die FIFA hat übrigens bereits durch ihren Präsidenten angekündigt, dass sie sich noch sehr intensiv mit dem Fall 'Togo' beschäftigen werde.

Die Begeisterung in dem westafrikanischen Land hatte trotz des enttäuschenden Auftritts beim Afrikanischen Nationen-Pokal Ägypten 2006 kaum gelitten. Und auch in Deutschland 2006 hat Togo trotz des vorzeitigen Ausscheidens aus sportlicher Sicht keine schlechte Leistung geboten. So im Fall von Keeper Kossi Agassa, der sich zunächst gegen die Schweiz und dann vor allem gegen Frankreich zu wahren Glanztaten aufschwang. Bis zur 55. Minute hielt er seinen Kasten sauber und erschwerte so den Franzosen den Einzug ins Achtelfinale. Kader Mohamed hatte einige gute Möglichkeiten und erzielte den ersten und einzigen Treffer für seine Mannschaft bei einem FIFA-Weltpokal™-Turnier. Dagegen war Emmanuel Adebayor eher eine Enttäuschung. Folgerichtig wurde er in der zweiten Halbzeit gegen Frankreich ausgewechselt.

Im Übrigen ist es nicht unbedingt das Spielsystem der Togoer, das für die Niederlagen verantwortlich war. Vielmehr scheinen Disziplinprobleme, mangelndes Zusammenspiel und die fehlende Erfahrung die Ursachen zu sein. Denn gerade die internationale Erfahrung ist für den Erfolg bei einem solchen Turnier eine unabdingbare Voraussetzung. "Wir sind hier, um zu lernen", so Pfister nach der Niederlage gegen die Schweiz.

Was die Zukunft von Otto Pfister anbelangt, so bleibt fraglich, ob er auch weiterhin Nationaltrainer von Togo sein wird. Ebenfalls ungewiss ist die unmittelbare Zukunft einiger Stammspieler. Adebayor dazu: "Es war ein schönes Turnier mit einer großartigen Stimmung. Schade für uns, dass wir schon so früh aus dem Rennen sind. Doch wir haben eine junge Mannschaft, die hier viel dazu gelernt hat." Und Schlussmann Agassa: "Dieses WM-Turnier war für jeden von uns ein wunderbares Erlebnis. Wir haben gut gespielt, doch das reicht natürlich noch nicht für ein derart bedeutendes Turnier."

Derweil richtet man in Togo schon die Blicke auf die Qualifikation für den Afrikanischen Nationen-Pokal Ghana 2008, die bereits im Oktober 2006 mit einer Partie gegen Benin beginnt. Eine gute Gelegenheit also, um in die Erfolgsspur zurück zu finden.

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