FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Mexico 1970™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Mexico 1970™

31 Mai - 21 Juni

Mexiko 1986

Spektakuläre Brasilianer sichern sich den Jules-Rimet-Pokal

  • ​Brasilien und Pele gewannen zum dritten Mal die WM
  • Kapitän Carlos Alberto erzielt eines der berühmtesten Tore der WM-Geschichte
  • Gerd Müller erzielt zehn Tore für den WM-Dritten aus Deutschland

Die 9. FIFA Fussball-Weltmeisterschaft war ebenfalls ein großes TV-Ereignis, und aufgrund des Medieninteresses wurden einige Spiele um 12.00 Uhr Mittags angepfiffen. Viele Spieler und Trainer empfanden dies aufgrund der extremen Hitze zu dieser Tageszeit in Mexiko als Zumutung.

Das Turnier verlief im Gegensatz zu den beiden vorangegangen äußerst fair. Während der WM 1970 wurde kein einziger Spieler des Feldes verwiesen und somit der Rekord der WM von 1950 eingestellt. Zum erstenmal überhaupt waren bei dieser Weltmeisterschaft Auswechslungen erlaubt, ebenso wurden die gelbe und rote Karte eingeführt.

Pelé kehrte nach seinem offiziellen Rücktritt in die Nationalmannschaft zurück und gewann mit Brasilien den "Jules Rimet"-Pokal mit einer nahezu perfekten Mannschaft um die Spieler Clodoaldo, Gerson, Rivelino, Tostao, Jairzinho, Pelé und Carlos Alberto.

Im Finale im Aztekenstadion in Mexiko City glänzte Brasilien und bezwang die Italiener mit einem denkwürdigen 4:1. Jairzinho war der einzige Spieler, der in jedem Spiel ein Tor erzielen konnte. Die Italiener bezwangen die bundesdeutsche Mannschaft in einem überragenden Halbfinale mit 4:3. Es war das einzige Spiel in der WM-Geschichte, in dem fünf Tore in der Verlängerung erzielt wurden.

Bei der WM 1970 gab es drei große Gewinner. Zum einen natürlich Brasilien mit seinem Fußballkönig Pelé, das zum dritten Mal nach 1958 und 1962 Weltmeister wurde, aber auch der Fußball selbst, mit vielen Spielen und individuellen Glanzleistungen, die in die Fußballgeschichte eingingen.

Diejenigen, die vom Niveau der Spiele während der WM 1966 enttäuscht waren, konnten sich vier Jahre später in Mexiko nicht beschweren, wo "das Spiel der Spiele" in seiner ganzen Herrlichkeit zelebriert wurde. Drei der besten Spiele aller Zeiten wurden vor einer großen Zahl begeisterter Zuschauer ausgetragen: England gegen Brasilien, England gegen die Bundesrepublik Deutschland und das sensationelle Halbfinale zwischen Italien und der bundesdeutschen Mannschaft. Unvergessen bleibt Pelés Versuch, den tschechischen Torhüter aus 50 Metern mit einem Heber zu überlisten!

Um das alles noch zu überbieten, gewannen die Brasilianer als spektakulärste Mannschaft mit der unvergesslichen Sturmreihe Jairzinho, Tostao, Pelé und Rivelino den Titel. Die Qualifikation zur neunten WM erreichte mit 75 Mannschaften einen neuen Höchststand. Und viele erfahrene Mannschaften verpassten die Qualifikation zur WM, wie etwa Portugal, Ungarn, Frankreich, Spanien und selbst Argentinien. Israel und Marokko nahmen zum ersten Mal am Weltturnier teil.

Marokko war der erste Vertreter der Fußballkonföderation von Afrika (CAF, gegründet 1957), der sich für die Endrundenteilnahme qualifizieren konnte (Ägypten war 1934 der erste afrikanische Teilnehmer, musste aber nicht an einer Qualifikation teilnehmen) und war neben Peru eine der Hauptattraktionen. Die Peruaner kamen sogar bis ins Halbfinale gegen Brasilien und konnten lange mithalten, bevor sie sich mit 4:2 geschlagen geben mussten. Aber das interessanteste der Viertelfinalspiele war das Aufeinandertreffen der beiden Finalisten von 1966, England und Deutschland. Die Deutschen lagen 20 Minuten vor Ende der Begegnung bereits mit 2:0 hinten, bevor sie ihre Schlussoffensive starteten und sich in der Nachspielzeit mit 3:2 durchsetzen konnten. Im Halbfinale gegen Italien erwartete die Deutschen ein noch viel nervenaufreibendender Kampf im neuen Aztekenstadion, das eigens für die WM errichtet worden war.

Nach 90 Minuten stand es zwischen den beiden Mannschaften 1:1. Was darauf folgte, sollte in die Annalen des Fußballs eingehen. Beide Mannschaften lagen in einem mitreißenden Fußballkrimi abwechselnd in Führung. Franz Beckenbauer blieb trotz einer verrenkten Schulter auf dem Spielfeld und ließ sich den Arm mit einer Schlinge am Körper festbinden. Sein Einsatzwille wurde jedoch nicht belohnt und die Italiener konnten sich letztlich mit 4:3 für das Finale qualifizieren. Hier jedoch traf die chancenlose Squadra Azzurra auf die wie entfesselt spielendenden Brasilianer, die mit 4:1 gewannen. Carlos Alberto, der "Carioca"-Kapitän nahm den "Jules Rimet"-Pokal in Empfang, der für immer in Brasilien bleiben sollte. Der weinende Pelé wurde triumphierend von seinen Mannschaftskameraden auf den Schultern durch das Stadion getragen. Er hatte nicht nur die WM-Medaille gewonnen, sondern auch sein letztes Spiel in einer WM gespielt.