FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Šesták ist erfolgshungrig

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Wenn man die zurückliegende Saison des Slowaken Stanislav Šesták etwas näher betrachtet, gelangt man zu dem Schluss, dass bei ihm sozusagen der Knoten geplatzt ist. Davon zeugen nicht zuletzt seine sechs Tore in acht WM-Qualifikationsspielen der Slowakei, bei denen seine Leistungskurve stetig nach oben zeigte. Der wegen seiner Schnelligkeit, Effizienz und Charakterstärke geschätzte Stürmer ist im slowakischen Nationalteam inzwischen eine feste Größe. Dagegen blieb er bei seinem Klub, dem VfL Bochum, in der abgelaufenen Saison einiges schuldig, zumal er von seinem starken rechten Fuß nur selten Gebrauch machte. Bliebe die Frage nach den Ursachen dieser unterschiedlichen Auftritte.

"Ein Spieler allein macht noch keine Mannschaft", antwortete Šesták wie aus der Pistole geschossen im Gespräch mit der FIFA auf die Frage, wie er sich diesen krassen Gegensatz erklärt. "In der Nationalmannschaft spielt jeder Einzelne für alle, denn wir haben keinen Topstar in unseren Reihen. Dass wir die WM-Qualifikation geschafft haben, ist in erster Linie unserem Teamgeist zu verdanken", so der Angreifer weiter. "Das war ganz offensichtlich in meinem Klub so nicht möglich gewesen." Die Rede ist von einer Mannschaft, die sich inzwischen aus der Eliteklasse verabschieden musste und in der kommenden Saison in der 2. Bundesliga spielt.

Spiel gegen Polen leitete Wende ein
Ganz anders verlief dagegen seine Entwicklung im slowakischen Nationalteam. Denn dort war es ausgerechnet Šesták, der in den Qualifikationsspielen zur ersten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ auf afrikanischem Boden für die entscheidenden Impulse sorgte. Zum Beispiel an jenem Abend im Oktober 2008, als die Slowakei vor heimischer Kulisse gegen Polen durch einen Treffer von Ebi Smoralek in Rückstand geraten war und Šesták dann in den letzten zehn Minuten dank eines Doppelpacks die Partie noch drehen konnte. "Damit hatten wir genau die Punkte eingefahren, die wir für unser Selbstvertrauen benötigten. In diesem Moment wurde uns bewusst, dass wir auch gegen Mannschaften gewinnen können, die normalerweise stärker eingeschätzt werden als wir. Das Wichtigste waren aber die Punkte. Doch es stimmt schon: dieses Spiel gegen Polen, bei dem wir binnen weniger Sekunden erst den Ausgleich, danach auch noch den Siegtreffer bejubeln konnten, war der Wendepunkt in der WM-Qualifikation."

Was die persönliche Karriere von Šesták angeht, so gelang ihm der eigentliche Durchbruch beim slowakischen Erstligisten MŠK Žilina. Zuvor hatte er bereits anderthalb Jahre im Profiteam von Tatran Prešov gespielt und es dort in 42 Pflichtspielen auf neun Treffer gebracht. Dadurch war Slovan Bratislava auf ihn aufmerksam geworden, woraufhin das damals 20-jährige Stürmertalent in die slowakische Hauptstadt wechselte. Da er jedoch mit seiner Torausbeute in Bratislava nicht zufrieden sein konnte (sechs Treffer in 58 Pflichtspielen), entschloss er sich zu einem weiteren Wechsel nach Žilina, wo er eine regelrechte Leistungsexplosion erlebte und von Beginn an für Furore sorgte. Mit MŠK Žilina gewann Šesták zwei Mal (2004 und 2007) das Double aus Meisterschaft und Pokal. Zudem ging er aus der Saison 2005/06 als bester Torschütze der slowakischen Liga hervor. Mit 49 Treffern in insgesamt 99 Einsätzen für den slowakischen Klub konnte sich seine Bilanz mehr als sehen lassen. Damit hatte sich Šesták auch für höhere Aufgaben empfohlen, weshalb er sich für einen Wechsel nach Deutschland entschied.

Beim VfL Bochum, wo der slowakische Nationalstürmer mit offenen Armen empfangen wurde, sollte man seine Verpflichtung nicht bereuen. Auch wenn er dort die wahrlich nicht leichte Aufgabe hatte, den zu Bayer Leverkusen abgewanderten Theofanis Gekas zu ersetzen und den damals wieder einmal abstiegsbedrohten Klub zum Klassenerhalt zu verhelfen. Šesták stellte sich der neuen Herausforderung und fügte sich problemlos in seine neue Rolle als hängende Sturmspitze mit Defensivaufgaben ein, ohne darüber seine Offensivqualitäten zu vernachlässigen. Mit 22 Treffern und zwölf Torvorlagen eroberte der Slowake in den seinen beiden ersten Spielzeiten die Herzen der Fans im Bochumer Ruhrstadion.

Auf und Ab
Weitaus weniger erfolgreich war dagegen seine dritte Saison bei den Bochumern. Zwar gelang ihm das schnellste Tor des Jahres, als er nach nur 39 Sekunden für seine Mannschaft traf. Am Ende wies sein Trefferkonto indes nur dürftige sechs Tore auf, und zu allem Überdruss musste er auch noch den bitteren Gang in die zweite Liga antreten. "Ich bin nicht der Einzige, der in die 2. Bundesliga abgestiegen ist, denn dafür tragen wir alle die Verantwortung. Aber das Leben geht weiter, und ich werde in Bochum bleiben. Ich werde alles daran setzen, um den Wiederaufstieg zu schaffen" so
Šesták kämpferisch. Und ausgerechnet in diesem Jahr, da er mit seinem Klub in den Abstieg trudelte, fand der Angreifer in der slowakischen Nationalmannschaft wieder zu seinen Torjägerqualitäten zurück und hatte wesentlichen Anteil an der Qualifikation der Slowakei für Südafrika 2010.

"Es ist natürlich eine große Ehre, wenn man sein Land bei einer Weltmeisterschaft vertritt und gegen große Mannschaften mit berühmten Namen spielt", freute sich Stanislav Šesták, der diese Realität noch immer kaum fassen kann. Und hat dennoch zum ersten Spiel gegen Neuseeland, bei dem sein Team noch kurz vor Schluss den Ausgleichtreffer zum 1:1-Endstand hinnehmen musste, auch Kritik parat: "Das war unser Fehler, wir hätten die Neuseeländer nie zum Flanken kommen lassen dürfen. Außerdem haben wir dabei im eigenen Strafraum etwas unglücklich agiert."

"Ich meine, dass das nächste Spiel nicht so schwer wird, auch wenn Paraguay eine kompaktere Mannschaft ist, die sich nicht damit begnügen wird, sich hinten rein zu stellen. Andererseits bekommen wir so auch mehr Raum", so die pragmatische Prognose des Stürmers. Demnach werden die Zeichen bei den Slowaken erneut auf Angriff stehen. Und dieses Mal werden Šesták und seine Teamkollegen sicher bis zur allerletzten Sekunde aufmerksam bleiben.

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