FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Schwere Zeiten für für Hernán Darío Gómez

In der Welt des Fussballs ist es an der Tagesordnung, Trainer aus ihrem Amt zu jagen. Hernán Darío Gómez, genannt "Bolillo", schien jedoch eine Ausnahme zu sein, schien felsenfest im Amt zu sitzen. Nach den beunruhigenden Leistungen Ecuadors bei der gegenwärtigen Copa América jedoch steht der Kolumbianer am Rande des Abgrunds. Das möchte jedoch der ecuadorianische Fussballverband auf jeden Fall vermeiden.

Die Arbeitsbedingungen waren optimal, die Anerkennung seitens der Medien total. Hernán Gómez hatte am Steuer der ecuadorianischen Nationalelf alles im Griff. Das Debüt in Gruppe B der Copa America in Peru 2004 gegen Argentinien sollte jedoch alles ändern, auch die Pläne des wortgewandten Trainers: die vernichtende 1:6-Niederlage war für ihn kaum zu verdauen. "Das ist ein Ergebnis, nach dem Trainer entlassen werden. Ich denke an meinen Rücktritt. Was auf dem Spielfeld passiert ist, war absolut entmutigend. Argentinien hat uns überrollt, als wären wir gar nicht da gewesen", so der Kolumbianer bei der Pressekonferenz.

Auch die Presse beurteilte diese Niederlage als "erniedrigend", während sie die Leistung des Teams als "einen schlimmen Rückschritt gegenüber dem Fussball, der uns nach Korea/Japan 2002 geführt hat" bezeichnete.

Einige Tage nach dieser Klatsche musste Ecuador gegen Uruguay antreten. Gómez hatte für diese Partie angekündigt: "Meine Spieler stehen vor einer klaren Entscheidung. Wir gewinnen, oder wir sind draußen." Das Ergebnis war alles andere als ermutigend: Man unterlag mit 1:2, und das Weiterkommen in die nächste Runde scheint fast ausgeschlossen. Der Trainer ließ erklären, er habe Halsschmerzen und erschien gar nicht erst zur Pressekonferenz nach der Partie…

Zuspruch

Angesichts der Gerüchte um die Absetzung von Gómez sprachen sich viele für sein Verbleiben im Amt aus. Alex Aguinaga, der schon zum achten Mal bei der Copa América dabei ist, war einer der ersten, der 'Bolillo' den Rücken stärkte: "Der ecuadorianische Fussball hat dank ihm seine bisher größten Erfolge gefeiert. Das darf man nicht vergessen."

"Das Verhältnis von Gómez zu seinem Team geht über das rein Professionelle hinaus. Er hilft uns allen auch persönlich. Wir werden alle zusammen das Schiff wieder flott machen", merkte Aguinaga, der in der vergangenen Woche 36 Jahre alt wurde, von Peru aus an.

Unterstützung wurde Gómez auch vom Trainer der Uruguayer, Jorge Fossati, zuteil, der gegen Ecuador seinen ersten Sieg als Teamchef der Urus geholt hatte. "Bolillo sollte im Amt bleiben, daran besteht kein Zweifel. Die Ecuadorianer sollten sich klar machen, was dieser Mann ihnen alles gegeben hat. Wenn ich Ecuadorianer wäre, würde ich dafür kämpfen, dass die Kontinuität gewahrt bleibt."

Der Vorsitzende des nationalen Verbandes, der FEF, Luis Chiriboga, zeigte sich besorgt angesichts des möglichen Abschieds seines wichtigsten Verbündeten. "Der Verband unterstützt die Arbeit von Gómez, völlig unabhängig vom Ergebnis bei der Copa América. Seine Arbeit bisher war hervorragend, und Hauptziel bleibt die Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™", erklärte er.

Hoffnung auf Verbleib

Der Kolumbianer übernahm das Amt des ecuadorianischen Nationaltrainers im September 1999 und führte das Team mit großem Erfolg nach Korea/Japan 2002. 2001 gab es jedoch einen schlimmen Vorfall, als ein führender Funktionär des Vereins Santa Rita ihm ins Bein schoss, da er den Spieler Dalo Bucaram (Sohn des Präsidenten des Landes) nicht in die Jugendnationalmannschaft berufen hatte. Bolillo, weit davon entfernt, sein Amt deswegen aufzugeben, erholte sich und erklärte, dass er weiter auf seinem Posten bleiben würde, was ihm die glühende Verehrung eines Teils des ecuadorianischen Volkes einbrachte.

Nun, drei Jahre nach diesem unglückseligen Vorfall, sieht sich Gómez erneut großen Turbulenzen gegenüber. Er hat jedoch Fehler eingestanden und erste Hoffnung auf einen Verbleib im Amt genährt: "Ich muss zugeben, dass für diese Copa América nicht gut gearbeitet wurde. Wir haben das Turnier nicht gut geplant, uns auch physisch nicht angemessen darauf vorbereitet. Ich habe jedoch lange mit dem Präsidenten der FEF darüber gesprochen, und es gibt Möglichkeiten, weiter zu machen." Die Ecuadorianer warten nun mit Spannung darauf, wie es weitergeht. Noch ist alles möglich...