FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Schweizer Rasselbande will Fussball-Welt aufmischen

Die Schweiz, mit einem Durchschnittsalter von 25 Jahren und vier Monaten nach Ghana die zweitjüngste Mannschaft der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™, will sich bei den bevorstehenden Titelkämpfen nicht mit einer Statistenrolle begnügen. Seit der fulminanten WM-Qualifikation, an deren Ende man in zwei dramatischen Play-off-Spielen (2:0 und 2:4) den WM-Traum der Türkei platzen ließ, sind die Erwartungen gestiegen. Alles andere als ein Erreichen des Achtelfinales wäre eine herbe Enttäuschung.

Doch Trainer Jakob "Köbi" Kuhn tritt auf die Euphoriebremse: "Das Turnier kommt für uns vielleicht ein bisschen zu früh", so der 56-Jährige, der seit Franco Andreoli 1950 der erste Schweizer ist, der das Nationalteam bei einer WM-Endrunde betreuen wird.

Kuhn setzt auf eine Mischung aus arrivierten Kräften wie Johann Vogel, Alexander Frei und Pascal Zuberbühler sowie jungen Spielern wie Philippe Senderos, Johan Djourou oder Tranquillo Barnetta.

Senderos, Sohn einer serbischen Mutter und eines spanischen Vaters, holte mit seinem Team Arsenal London im vergangenen Jahr als zweiter Schweizer nach Stéphane Henchoz den begehrten englischen FA-Cup und hat sich zu einem Leistungsträger in seinem Verein entwickelt. Sein 1,90 Meter großer Teamkollege Johan Djourou weiß im defensiven Mittelfeld ebenfalls mit seiner physischen Präsenz und Übersicht zu gefallen. Der Ostschweizer Tranquillo Barnetta hat sich von seinem Kreuzbandriss 2004 im WM-Qualifikationsspiel in Israel gut erholt und hat in der vergangenen Saison für Bayer Leverkusen in 31 Spielen sechs Treffer erzielt.

Neben den drei bereits erwähnten Jung-Profis sind zwei weitere Spieler (Valon Behrami und Blerim Dzemaili) des Schweizer WM-Kaders im Rennen um die Gillette-Auszeichnung "Bester Junger Spieler" - Beleg für die fruchtbare Schweizer Nachwuchsarbeit.

1995: Beginn einer neuen Ära

Gut elf Jahre ist es nun her, da begann im Schweizerischer Fusballverband (SFV) mit der Ankunft von Hansruedi Hasler eine neue Zeitrechnung. Der technische Direktor, promovierte Erziehungswissenschaftler und ehemalige Nationalliga-Spieler entwickelte ein Konzept, um dem Schweizer Fussball auf die Sprünge zu helfen. Dabei ließ sich Hasler von ganz unterschiedlichen Ansätzen inspirieren, holte sich unter anderem auch Anleihen vom Schweizer Skiverband und ging ein halbes Jahr auf Europa-Tournee, um sich bei anderen Ländern Anregungen für die Nachwuchsarbeit zu holen.

Finanzielle Unterstützung leistete eine Schweizer Großbank, der neue Sponsor des SFV, die ihre Hilfe jedoch mit Auflagen verband. So sollten 50 % der Gelder in die Nachwuchsförderung gesteckt werden. Hasler verbesserte darüber hinaus die Zusammenarbeit des Verbandes mit den Vereinen, mit Hilfe der Sponsorengelder wurde zudem der Trainerpool um Trainer wie Pierre-André Schürmann oder auch Kuhn erweitert.

Früher betreute ein einziger Profitrainer fünf Junioren-Nationalmannschaften, heute kümmert sich ein Stab von zehn Profitrainern um die Nachwuchsarbeit. Dazu wurden Trainingsstützpunkte und Ausbildungszentren errichtet, in denen die Nationalspieler regelmäßig zusammengezogen wurden. Und die ausgezeichnete Arbeit trug Früchte: Europameister mit dem U-17-Team, EM-Halbfinalteilnahme mit der U-19 und U-21, erstmalige Qualifikation für die U-20-Weltmeisterschaft.

2005: Jahr der Stagnation

Allerdings mussten die Schweizer 2005 die schmerzliche Erfahrung machen, dass eine ausgezeichnete, von allen Seiten gelobte Jugendarbeit allein kein Garant für sportlichen Erfolg ist. Die U-17- und U-20-Auswahl schieden bei der Europameisterschaft bzw. FIFA Junioren-Weltmeisterschaft bereits nach der Vorrunde aus, die U-19 qualifizierte sich erst gar nicht für das nächste Kräftemessen auf europäischer Ebene.

Umso mehr will die A-Nationalmannschaft beweisen, wie viel Potenzial im Schweizer Fussball wirklich steckt. Und sollte die FIFA WM 2006™ wirklich noch zu früh für die Schweizer kommen, hat man das nächste Ziel bereits fest im Visier: die UEFA Europameisterschaft 2008, bei der die Schweiz zusammen mit Österreich Gastgeber ist.