FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Schweden im Tal der Tränen

"Zwei unserer drei Ziele haben wir erreicht", so Schwedens Nationaltrainer Lars Lagerback nach dem Ausscheiden seines Teams bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™. "Für Schweden war allein schon die Teilnahme an der Endrunde eine große Leistung - nicht zu sprechen von der Qualifikation für das Achtelfinale. In meinen Augen ist das eine gute Bilanz."

Lagerback hat damit nicht Unrecht. Schließlich war das Turnier in Deutschland für Schweden die vierte WM-Endrundenteilnahme in Folge. Wie schon in Korea und Japan 2002 oder bei der UEFA Euro 2004 konnte Schweden – ein Land mit gerade einmal neun Millionen Einwohnern - auch in diesem Jahr zumindest das Achtelfinale erreichen.

Für viele Fans hatte das Ausscheiden gegen Deutschland im Achtelfinale allerdings einen bitteren Beigeschmack. Seit ihrer Niederlage im Halbfinale bei der FIFA WM USA 1994™ haben die Schweden kein K.o.-Spiel mehr gewonnen. Und wie bei so vielen knappen Niederlagen in der zweiten Runde kamen sie in München einfach nicht in Gang und lagen bereits nach zwölf Minuten mit 2:0 zurück. "Am Anfang waren wir einfach zu passiv. Jeder Ball ging an die anderen", beklagte sich Lagerback.

Für die Skandinavier war dies nicht der erste schlechte Start in eine Begegnung. Gegen England ließen sie sich 45 Minuten lang dominieren und gingen mit einem Rückstand von 0:1 in die Pause. Doch anders als in jenem Spiel schafften sie es gegen Deutschland nicht einmal ansatzweise, sich ernsthaft gegen die Niederlage zu wehren.

Als Konsequenz auf diese schwache Darstellung wird bereits heftig über Lagerbacks Nachfolge auf dem Trainerstuhl der Schweden spekuliert. In Umfragen mehrerer Zeitungen wurde nach der Niederlage unmissverständlich sein Rücktritt gefordert. Seine Antwort lautete: "Mein Vertrag läuft bis 2008, und darüber hinaus habe ich keine anderen Pläne."

Darüber hinaus gibt es auch offene Fragen zur Zukunft einiger älterer Spieler. Veteran Teddy Lucic hat mit 33 Jahren bekannt gegeben, dass dies sein letztes Spiel im Nationaldress gewesen sein könnte. Kurz vor seinen 35. Geburtstag im September kann es auch sein, dass Henrik Larsson in diesem Jahr seinen letzten Auftritt bei einem großen Turnier hat.

"Das Ende einer Ära" lautete der Titel einer Geschichte über Larsson in der populären Zeitung Aftonbladet. Der Artikel erschien direkt nach der Niederlage gegen Deutschland. Erst 2004 war der Stürmer zur EURO 2004 aus dem Ruhestand zurückgekehrt. Heute behauptet er, so lange für sein Land da sein zu wollen, wie man ihn braucht.

Beim 2:2 gegen England schoss Larsson sein 36. Tor für Schweden. Damit ist er nun einer von vier Spielern in der Geschichte der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™, die in zwölf Jahre auseinander liegenden Turnieren getroffen haben. (Im selben Spiel schrieb auch Marcus Allback Fussballgeschichte, indem er per Kopf den zweitausendsten WM-Treffer erzielte.)

Abgesehen davon ist es Larsson und seinem Sturmpartner Zlatan Ibrahimovic nicht gelungen, in Deutschland einen Treffer zu erzielen. Ibrahimovich lief seiner Form und seiner Fitness hinterher und Larsson verschoss gegen Deutschland sogar einen Elfmeter – insgesamt also eine rundum enttäuschende Bilanz für die beiden Spitzen der Schweden.

Mit zwei Stürmern ohne Glück hatten es die Schweden schwer, Punkte zu holen. Ihnen fehlten einfach die spielerischen Qualitäten, die andere Mannschaften besitzen. Das torlose Unentschieden gegen Trinidad und Tobago im Eröffnungsspiel war ein gutes Beispiel dafür. In den zwei folgenden Partien wirkten die Skandinavier auch nicht gerade überzeugend.

Erst durch ein Kopfballtor von Freddie Ljungberg in der 88. Minute konnten die Schweden sich im zweiten Spiel gegen Paraguay durchsetzen. Gegen England ließen sie sich 45 Minuten lang überrennen, bevor sie in der zweiten Halbzeit endlich dagegen hielten. Insgesamt war Ljungberg noch der am wenigsten enttäuschende Akteur der Schweden.

Dank ihrer guten Kondition haben die Schweden wenigstens zum Ende der Partien keine noch größeren Schwächen gezeigt. Die zweite Halbzeit gegen England in Köln blieb indes die einzige überzeugende Leistung von Lagerbacks Elf. Tobias Linderoth setzte die englische Verteidigung mit Freistößen und Eckbällen unter Druck, und letztlich sorgte das Unentschieden dafür, dass die mittlerweile 38 Jahre währende Serie der Schweden ohne Niederlage gegen England auch weiterhin Bestand hat. Damit gingen die Skandinavier recht selbstsicher ins Achtelfinale gegen Deutschland.

Auch wenn diese Selbstsicherheit recht bald Geschichte war, gab es bei der Niederlage in München doch auch einen positiven Aspekt, nämlich die Leistung von Andreas Isaksson im Tor. Der Schlussmann von Stade Rennes verhinderte mit diversen Glanzparaden eine niederschmetternde Niederlage. Mit gerade einmal 24 Jahren ist er auf viele Jahre hinaus ein sicherer Kandidat im Tor der Schweden. Weiterhin hat sich der zehn Jahre ältere Niclas Alexandersson auf der ihm wenig vertrauten Position des rechten Außenverteidigers bewiesen.

Wie viele andere wird Alexandersson in diesem Jahr wohl sein letztes großes Turnier gespielt haben. Dennoch darf man sicher sein, dass mit den Schweden schon bald wieder zu rechnen ist.