FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Schmeichel: "Dänemark ohne Kampfgeist"

Denmark and Manchester United legend Peter Schmeichel launches the Castrol EDGE Penalty Analysis.
© FIFA.com

Die Wissenschaft des Strafstoßes wird schon seit Jahrzehnten diskutiert. Manche bringen sie auf einen einfachen Nenner: Übung macht den Meister. Andere jedoch sind felsenfest davon überzeugt, dass man es auch durch unzählige Trainingsstunden auf dem Übungsplatz nicht schaffen wird, einen Spieler darauf vorzubereiten, vor einer erwartungsvollen Zuschauermenge die Hoffnungen einer ganzen Nation zu schultern.

Für Torhüter indes ergibt sich ein zusätzliches Dilemma: Geht man dieses Thema wissenschaftlich an oder nicht? Der schon legendär gewordene Notizzettel, den Jens Lehmann in seinem Schienbeinschoner versteckt hatte, hat mittlerweile seinen Platz in den Anekdoten der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ gefunden. Viele Kollegen des deutschen Schlussmanns haben sich bei solchen Extremsituationen jedoch nur von ihrem Instinkt leiten lassen.

Eines Besseren belehrt
Zu den Torhütern, die sich damit begnügen, sich von ihrem Bauchgefühl leiten zu lassen, gehörte Peter Schmeichel. Er war einer der besten Torhüter aller Zeiten und gewann mit seinem Klub und der dänischen Nationalmannschaft die europäische Krone. Der langjährige Schlussmann von Manchester United äußerte öffentlich seine Skepsis zum Nutzen wissenschaftlicher Untersuchungen vor Spielen. Der 46-Jährige gab jedoch zu, dass er sich durch die Castrol EDGE-Elfmeter-Analyse eines Besseren hat belehren lassen. Mit dieser Analyse wurde in den letzten vier Spielzeiten jeder Elfmeter in den europäischen Top-Ligen und in der UEFA Champions League dokumentiert.

Schmeichel zufolge ist das Ergebnis ein aufschlussreicher Leitfaden zu Gewohnheiten von Strafstoßschützen, der die Aufgabe, Elfmeter zu halten, leichter denn je macht. "Ich muss ehrlich sagen, dass ich in der Vergangenheit immer ziemlich altmodisch an Elfmeter ranging", sagte er gegenüber FIFA.com. "Ich habe mich voll und ganz auf meinen Instinkt verlassen, entschied mich ziemlich früh und änderte meine Meinung dann auch nicht mehr. Manchmal hat es funktioniert und manchmal auch nicht. Aber ich habe mich nie mit irgendwelchen wissenschaftlichen Herangehensweisen beschäftigt. Deshalb denke ich, dass ich eher etwas skeptisch an die Sache mit dem Castrol-Analyseprogramm herangegangen bin. Aber ich muss gestehen, dass mich diese Sache ziemlich überzeugt hat. Wenn man sich die Analysen anschaut, dann werden die Verhaltensmuster wirklich deutlich. Ich bin ziemlich sicher: Wenn ich so etwas während meiner aktiven Zeit gehabt hätte, dann wäre es ziemlich hilfreich gewesen."

"Ich habe mir zum Beispiel die Daten zu Frank Lampard angeschaut. Er gehört zu Englands erfolgreichsten Elfmeterschützen. Wenn man allerdings einen Blick auf die Analyse wirft, dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass er entweder ganz flach in die rechte Ecke oder oder weit nach links schießt, und zwar immer in einer bestimmten Höhe. Für einen Torhüter bedeutet das, dass er sich, anstatt sich auf sechs oder sieben mögliche Varianten einzustellen, nur noch zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden muss. Das ist natürlich noch keine Garantie dafür, dass man den Elfmeter hält, aber man hat zweifelsohne bessere Chancen."

"Jeder einzelne im dänischen Kader muss seine Leistung äußerst kritisch hinterfragen"
Schmeichel legt dieses System der aktuellen Torhütergeneration zwar ans Herz, bedauert aber gleichzeitig, dass die Analysen der aktuellen Nummer eins im Tor der dänischen Nationalelf nicht mehr nützen werden. Kein anderer Spieler in der Geschichte der dänischen Nationalmannschaft hatte so viele Länderspieleinsätze wie der Europameister von 1992, der natürlich auch heute noch ein Fan des Teams ist, in dem er 129 Einsätze feiern konnte. Entsprechend groß war die Enttäuschung über die Art und Weise, wie sich *Danish Dynamite *von der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ verabschiedet hat. Schmeichel hielt mit seiner Kritik nicht hinter dem Berg.

"Jeder einzelne im dänischen Kader muss seine Leistung äußerst kritisch hinterfragen", sagte er. "Die Spieler und auch der Trainer haben einfach keine Leistung gezeigt. Ich hatte schon im Vorfeld der WM die Vorahnung, dass er wieder auf die gleichen alten Spieler zurückgreifen würde, von denen einige schon in den letzten paar Jahren keine guten Leistungen mehr gezeigt hatten. Und das ist uns am Ende teuer zu stehen gekommen. Wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre, dann hätte ich ein paar jüngere Spieler in den Kader berufen, um wenigstens mehr Dynamik ins dänische Spiel zu bringen. Wir haben beispielsweise mit Christian Eriksen einen jungen Mittelfeldspieler, der sehr talentiert ist. Der wäre bei mir garantiert Stammspieler. Er ist ganz anders als die anderen. Aber so jemanden hätten wir in manchen Situationen gebraucht."

"Es ist wirklich schade, weil ich der Meinung war, dass wir bei dieser WM-Endrunde ein Geheimfavorit hätten sein können. Aber am Ende sind wir ziemlich kläglich gescheitert. Gegen Japan sind wir sang- und klanglos untergegangen, und das hätte ich nicht erwartet. In den meisten dänischen Nationalmannschaften, in denen ich gespielt habe, waren nicht viele extrem talentierte Spieler, aber die Jungs waren sehr einsatzfreudig und entschlossen. Ich habe in dieser Mannschaft nichts von diesem Kampfgeist gesehen."

Abgesehen davon, dass er mit großem Interesse und wachsender Enttäuschung die Entwicklung des dänischen Nationalteams verfolgt, beobachtet Schmeichel auch genau die Leistungen der Torhüter in Südafrika. Er ist der Meinung, dass nach zahlreichen Torwartpatzern in der Vorrunde nun diejenigen Schlussmänner, die um die Lev-Yashin-Trophäe kämpfen, allmählich ihre wahre Klasse zeigen. "Es war sehr hart für die Torhüter", sinnierte er. "Sie mussten sich an die äußeren Bedingungen und den neuen Ball gewöhnen, und vielleicht haben diese Faktoren dazu beigetragen, dass sich zu Beginn des Turniers einige Fehler eingeschlichen haben. Aber insgesamt scheint das Niveau zu steigen. Es sind auf jeden Fall ein paar sehr gute Torhüter bei dieser WM dabei. Einer, der mich besonders beeindruckt hat, ist der junge Slowene Samir Handanovic. Aber es ist immer noch Zeit genug für den einen oder anderen zu zeigen, was wirklich in ihm steckt."

Damit hat Schmeichel sicher Recht. Mit fortschreitender Turnierdauer steht immer mehr auf dem Spiel. Sollte ein Torhüter sich in Südafrika noch bei einem Elfmeterkrimi hervortun, so wäre sicher der erste Schritt auf dem Weg zu einer neuen Torhüterlegende gemacht.

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