FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

FIFA Fussball-WM 2018™

Xabi Alonso: "Es gibt keine bessere Mannschaft als Spanien"

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  • Xabi Alonso nahm mit Spanien an den Weltmeisterschaften 2006, 2010 und 2014 teil
  • Nach seinem Rücktritt 2017 begann er die Trainerausbildung
  • "Diese spanische Mannschaft kann mehr Register ziehen als wir damals"

Xabi Alonso hat für legendäre europäische Klubs gespielt und mit ihnen alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Auch mit der spanischen Nationalmannschaft feierte er bahnbrechende Erfolge, denn er zählte zu den Leistungsträgern der "Goldenen Generation", die die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ sowie die UEFA EURO 2008 und 2012 gewann.

2017 beendete er seine aktive Karriere und verlor keine Zeit. Mittlerweile hat er die Trainerausbildung abgeschlossen und freut sich wie jeder Fussballfan auf den Beginn der WM in Russland.

FIFA.com sprach mit ihm über sein neues Leben, die spanische Nationalmannschaft unter Julen Lopetegui sowie über seine Erwartungen für das Weltereignis.

Xabi, wie geht es Ihnen in Ihrem ersten Jahr nach dem Abschied vom Fussball?
Ziemlich gut. Mein Lebensrhythmus hat sich tatsächlich sehr verändert, doch da ich mir die Entscheidung gut überlegt hatte, vermisse ich mein altes Leben zwar, komme aber gut zurecht.

Was hat Sie dazu bewogen, den Trainerschein zu machen?
Verstehen Sie jetzt die Trainer besser, die Sie selbst im Laufe Ihrer Karriere hatten? Mit diesem Kurs distanzierst du dich von dem, was du einmal warst, und näherst dich dem an, was du einmal sein kannst. Das ist eine gute Sache. Ich habe immer versucht, die Arbeit eines Trainers mit all ihrer Komplexität zu verstehen. Das hat nichts mit dem Dasein eines Fussballers zu tun. Du wirst dir all der Dinge bewusst, die vorbereitet werden müssen, und wenn es darum geht, den Spielern das alles zu vermitteln, musst du es zusammenfassen und so effizient wie möglich sein. Darin liegt vielleicht ein Teil des Erfolgsrezepts. Und dann wären da noch die Mannschaftsführung, die Psychologie, die persönlichen Beziehungen, die fast noch wichtiger sind.

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Wie bewerten Sie die Arbeit von Julen Lopetegui bei der spanischen Nationalmannschaft?
Ich finde, Lopetegui macht seine Arbeit sehr, sehr gut. Er hat ganz klare Vorstellungen. Er hat es geschafft, seinen Spielern deutlich zu vermitteln, was er will, und das ist unabdinglich. Wenn dir das nicht gelingt, wirst du deine Ziele wahrscheinlich nicht erreichen. Das ist ein großes Plus für die Nationalmannschaft.

Sehen Sie Ähnlichkeiten zwischen der aktuellen spanischen Auswahl und dem Team, das die WM und zwei Europameisterschaften gewonnen hat?
Die Grundidee, das eigene Spiel durchzubringen, spielbestimmend zu sein, viel zu kombinieren und nicht so direkt zu spielen, ist noch immer deutlich zu erkennen. Unter Lopetegui setzt Spanien sehr auf die Stärken des spanischen Fussballs, der auf Intelligenz, der Fähigkeit, das Spiel zu lesen und technischer Qualität basiert. Dadurch unterscheidet sich das Team von anderen Mannschaften. Wichtig sind auch die taktischen Nuancen und die Flexibilität, die in unterschiedlichen Spielen erforderlich sind. Der Fussball wird immer komplexer, und man muss sich anpassen können. Die Grundidee ist, die Initiative zu ergreifen, aber es gibt Situationen, in denen eine andere Spielweise nötig ist und du weniger bestimmend auftreten musst.

Was war, einmal abgesehen vom Talent, das Erfolgsrezept der spanischen Mannschaft, die die großen Titel gewonnen hat?
Der Teamgeist, das Gefühl, dass alle gemeinsam für ein ganz wichtiges Ziel kämpfen, spielt eine entscheidende Rolle. Alle müssen sich gut verstehen, sonst reibt man sich auf. Das aktuelle Team scheint diesen Teamgeist aber auch zu haben. Außerdem ist die Mischung aus Routiniers, die bei diesen vergangenen Erfolgen dabei waren und noch immer sehr stark sind, und begeisterten Nachwuchsspielern sehr gut.

Hätten Sie's gewusst?

  • Xabi Alonsos Vater und älterer Bruder waren beide Fussballprofis.
  • Der Mann aus der Talentschmiede von Real Sociedad San Sebastián spielte auch für den FC Liverpool (2004-2009), Real Madrid (2009-2014) und den FC Bayern München (2014-2017).
  • Seit seinem Debüt im Jahr 2003 bestritt er 114 Partien im spanischen Nationaltrikot. Er trat nach der WM 2014 in Brasilien aus dem Nationalteam zurück.
  • Erfolgsbilanz: Außer dem Weltmeistertitel und zwei Europameistertiteln gewann er unter anderem zweimal die UEFA Champions League, wurde viermal Landesmeister (einmal in Spanien, dreimal in Deutschland), gewann vier Pokalwettbewerbe (einmal den FA Cup in England, einmal den spanischen Pokal und zweimal den DFB-Pokal) und zwei Titel im europäischen Superpokal.
  • Nach dem Abschluss der Trainerausbildung wird er ein Kinderteam von Real Madrid trainieren.

Der 23-köpfige Kader für die WM in Russland hat in Spanien weniger Diskussionen ausgelöst als viele andere in den letzten Jahren. Welche Varianten bietet er, um die gegnerische Abwehr zu knacken?
Es gibt Spieler, die es verstehen, zwischen den Linien zu agieren, andere, die stärker über die Außenbahnen kommen oder sehr gefährlich sind, wenn man ihnen genug Raum gibt, beispielsweise Diego Costa und Marco Asensio. Ich glaube, die aktuelle Mannschaft kann mehr Register ziehen als wir damals. Für uns war es schwieriger, Schaden anzurichten, wenn wir nicht in der Nähe des gegnerischen Strafraums waren.

Im Hinblick auf die Gruppenphase würde ich sagen, dass Spanien die Initiative ergreifen muss, selbst gegen Portugal, das wahrscheinlich abwartend agieren und [auf Kontermöglichkeiten] lauern wird. Doch manchmal erfordert das Spiel auch eine andere Herangehensweise, und daher ist es fundamental, Spieler zu haben, die über unterschiedliche Qualitäten verfügen.

Die Roja zählt zu den Titelfavoriten. Wie sehen Sie die Chancen für das Team, und welche anderen Mannschaften gehören für Sie zum Favoritenkreis?
Das ist immer leicht gesagt, aber ich würde Spanien schon unter den Favoriten einordnen, da es im Augenblick meiner Meinung nach keine bessere Mannschaft gibt. Was dann in den Spielen tatsächlich passieren wird, weiß ich natürlich nicht. Deutschland ist für mich ein weiterer großer Favorit. Das ist eine sehr starke Mannschaft. Außerdem sind die Deutschen immer vorn mit dabei. So wie sie spielen wäre es eine Riesenüberraschung, wenn sie nicht ins Halbfinale einziehen würden – weil sie amtierender Weltmeister sind und wegen der jungen Generation, die nachgerückt ist. Brasilien zählt ebenfalls zu den Titelanwärtern. Diese drei nehmen für mich eine Sonderstellung ein. Dann folgen Argentinien und Frankreich ...und vielleicht das eine oder andere Überraschungsteam.

Der Fussball entwickelt sich stetig weiter. Welche Art von Fussball werden wir in taktischer Hinsicht in Russland sehen?
Das ist eine schwierige Frage [lacht]. Immer mehr Teams spielen ein 4-4-2-System, bei dem in der Mitte keine große Dichte herrscht. Dafür bietet es viel Stabilität in der Offensive und eine gute Präsenz im Strafraum. Es ist nicht mein Lieblingssystem. Ich bevorzuge weiterhin mehr Spieler im Mittelfeld. Außerdem gibt es immer mehr Fünferketten in der Abwehr. Doch letztendlich ist die taktische Formation nur eine Momentaufnahme, und alles hängt von der Dynamik ab, die du ins Spiel bringst. Ein Beispiel: Eine Fünferketter kann sehr defensiv sein ... oder sehr offensiv. Warten wir ab, was passiert.

Seit vielen Jahren werden Sie zum ersten Mal wieder eine WM als Zuschauer erleben. Haben Sie diesbezüglich schon Pläne?
Die wichtigen Spiele möchte ich mir gerne mit den Leuten ansehen, mit denen ich normalerweise Fussball schaue. Und wahrscheinlich werde ich beim Finale im Stadion sein. Mein Ticket habe ich schon ... Jetzt muss Spanien nur noch so weit kommen! [lacht]

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