FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 1974™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 1974™

13 Juni - 7 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1974™

Australien als letztes Puzzleteil

Australia line-up ahead of their match against West Germany at the 1974 FIFA World Cup
© imago images
  • Australien feierte vor 46 Jahren als erster Vertreter Ozeaniens WM-Premiere
  • Die Socceroos mussten eine lange und mühsame Qualifikation überstehen
  • 1974 begann die beständige Fussballbeziehung zwischen Australien und Deutschland

Als genau heute vor 46 Jahren die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1974™ eröffnet wurde, nahm zum ersten Mal in der WM-Geschichte eine Mannschaft aus Ozeanien am wichtigsten Turnier des Weltfussballs teil. Mit der erfolgreichen Qualifikation Australiens, dem Vertreter der ozeanischen Fussballkonföderation (OFC), waren fortan alle sechs Kontinentalzonen bei einer Weltmeisterschaft vertreten.

Als mit Angreifer Ray Baartz der wahrscheinlich beste Spieler der Socceroos kurz vor Turnierbeginn verletzt ausfiel, befürchtete manch ein Beobachter bereits das Schlimmste. Doch trotz dieses herben Verlusts schlug sich das australische Team beim WM-Turnier in Deutschland durchaus achtbar. Die Australier, die keinen einzigen Profi in ihren Reihen hatten, mussten gegen die DDR (0:2) und den späteren Weltmeister aus der BR Deutschland (0:3) zwar zwei Niederlagen hinnehmen, konnten sich dann im dritten Gruppenspiel gegen Chile allerdings ein beachtliches 0:0-Unentschieden erkämpfen.

Australien schickte 1974 eine illustre Truppe ins Rennen, die hauptsächlich aus Arbeitern bestand. So gehörten zum australischen WM-Aufgebot ein Bergmann, Elektriker, Lohnarbeiter und sogar ein Milchmann, von dem man seinerzeit sagte, er sei wahrscheinlich der letzte Milchmann, der je bei einer WM gespielt habe. Vor diesem Hintergrund waren die Ergebnisse der Socceroos durchaus bemerkenswert.

Ein langer und steiniger Weg

Doch die wahre Story begann schon mit der Qualifikation für die Weltmeisterschaft, die dem Team vom fünften Kontinent im dritten Anlauf endlich gelingen sollte. Zuvor musste Australien bei seiner Premiere in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1966™ zwei heftige Niederlagen gegen das nordkoreanische Team einstecken, das bald darauf in aller Munde sein sollte. Die beiden Begegnungen wurden seinerzeit auf neutralem Boden in Kambodscha ausgetragen.

Vier Jahre später legten die Australier außergewöhnlich weite Strecken auf dem Weg zur erhofften WM-Qualifikation zurück. Nach Auswärtsspielen gegen Südkorea, Japan, Rhodesien (heute Simbabwe) und Israel durften die Socceroos erst das neunte und damit letzte WM-Qualifikationsspiel auf heimischem Boden austragen. Nach einem 0:1 in Israel musste sich Australien im Rückspiel mit einem 1:1 begnügen, sodass sich die [Israelis letztlich] mit 2:1 nach Hin- und Rückspiel für die WM 1970 qualifizierten.

Auch 1973 stand für die Socceroos mit elf Spielen ein wahrer Qualifikationsmarathon auf dem Programm, der letztlich durch zwei K.-o.-Runden entschieden wurde: Nachdem sich Australien durch einem 3:2-Gesamterfolg nach Hin- und Rückspiel gegen Iran durchsetzen konnte, sollte in zwei weiteren Entscheidungsspielen gegen Südkorea schließlich der WM-Teilnehmer ermittelt werden. Nach einem 0:0 in Australien stand im Rückspiel in Seoul ein 2:2 auf der Anzeigetafel. Dem damaligen Reglement entsprechend war somit ein drittes Entscheidungsspiel erforderlich, das auf neutralem Platz in Hongkong ausgetragen wurde.

Bis weit in die zweite Spielhälfte hinein stand es unentschieden und ein viertes Entscheidungsspiel drohte. Dann fasste sich 20 Minuten vor Abpfiff Mittelfeldspieler Jimmy Mackay ein Herz und trug sich mit einem fulminanten Distanzschuss in den oberen Torwinkel in die Geschichtsbücher seines Heimatlandes ein.

Gerd Mueller (R) scores a header past Australian goalkeeper Jack Reilly
© AFP

### Enge Verbindung zu Deutschland

Der Treffer von Mackay ebnete den Weg für eine enge Verbindung zwischen dem australischen und dem deutschen Fussball. Bereits 1974 erlangten die Socceroos beim WM-Gastgeber einen gewissen Kultstatus, da sie in der Vorrunde auf beide deutsche Mannschaften trafen. Zudem hatten sie mit Verteidiger Manfred Schaefer einen in Deutschland geborenen Spieler in ihren Reihen.

32 Jahre nach der WM-Premiere kehrte Australien nach langer Durststrecke wieder auf die Weltbühne des Fussballs zurück – und erneut war Deutschland Gastgeber des Turniers. Zu jener Zeit erhielt Torhüter Mark Schwarzer, dessen Eltern einst aus Deutschland nach Australien auswanderten und der selbst schon in der Bundesliga spielte, mediale Aufmerksamkeit. Den Sprung in die höchste deutsche Spielklasse schafften im Anschluss auch einige seiner Teamkollegen.

Zum WM-Auftakt 2006 gegen Japan erzielte Tim Cahill die ersten beiden australischen WM-Treffer überhaupt. Durch den 3:1-Erfolg legten die Socceroos den Grundstein für den Einzug ins Achtelfinale. Dort verloren sie in letzter Minute äußerst unglücklich gegen den späteren Weltmeister Italien. Ein denkwürdiges Turnier für die stark aufspielenden Australier. Genauso wie seinerzeit für die WM-Pioniere des Landes, die 1974 Geschichte schrieben – und die gesamte ozeanische Konföderation.

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