FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Rostom: "Wenn es nur eine Halbzeit gäbe, wäre Tunesien Weltmeister"

© AFP

Hichem Rostom wurde am 26. Mai 1947 in La Marsa in Tunesien geboren und begann seine Schauspielkarriere im Alter von 17 Jahren. Er diplomierte am Centre d'Etudes Audiovisuelles (Hochschule für Medienwissenschaften) und am IDHEC. Zusätzlich machte er einen Abschluss in der Fachrichtung Theatergeschichte an der Sorbonne in Paris und unterrichtete in Paris mehr als zehn Jahre das Fach Schauspiel. Bis heute hat er in 40 Filmen und 60 Theaterstücken mitgewirkt.

Sind Sie wegen des Ausscheidens traurig?
Ja, natürlich. Alle Tunesier sind heute traurig. Aber letztlich war das Ausscheiden folgerichtig. Sie hätten unbedingt das Spiel gegen Saudiarabien gewinnen müssen. Ich kenne die Mannschaft sehr gut. Sie hatte Höhen und Tiefen. Ich bin nicht überrascht, wenn man ihre Leistungen nimmt. Es fehlte einiges: die erforderliche Reife für ein Turnier dieses Kalibers, Mannschaftsgeist und dann war da noch eine gewisse Zerrissenheit im Spiel, die trotz ihrer technischen, sportlichen und individuellen Qualitäten, ein entscheidendes Manko war. Ich muss auch gestehen, dass ich die Spieltaktik von Trainer Roger Lemerre nicht verstanden habe. Es ist schon erstaunlich, mit nur einer Sturmspitze ein 4-5-1-System zu spielen und gleichzeitig viele andere Stürmer im Mittelfeld einzusetzen. Und dann noch der Schicksalsschlag, der den Einsatz von Santos verhinderte.
Obwohl die Mannschaft gut vorbereitet war, hat das nicht gereicht. Spanien gegen Tunesien war ein schönes Spiel mit vielen herrlichen Szenen und Emotionen. Vor ein paar Tagen haben wir mit Freunden noch gesagt, wenn es im Fussball nur eine Halbzeit gäbe, wäre Tunesien Weltmeister. Oft führen sie in der ersten Halbzeit und brechen dann in der zweiten ein.

Dennoch hat die Mannschaft den Afrikanischen Nationen-Pokal gewonnen.
Ja, das stimmt. Das ist allerdings nicht mehr dieselbe Mannschaft, die meiner Meinung nach damals besser harmonierte. Auf den Spielern lastete mehr Stress und Druck. Aber ich bin natürlich nur ein Fussballfan und kein Spezialist. Ich finde, dass die Mannschaft besser war, die den Afrikanischen Nationen-Pokal gewann. Und ich bin nicht der einzige Tunesier, der so denkt.

Welche Spiele haben Ihnen bisher besonders gefallen?
Ich habe praktisch alle Spiele der Argentinier und Brasilianer gesehen, die beide exzellenten Fussball spielen. Der attraktive Fussball der Lateinamerikaner hat mir schon immer gefallen.
Spanien hat mich ebenfalls sehr beeindruckt. Dagegen bin ich von den Franzosen sehr enttäuscht. Es war dennoch eine große Erleichterung, dass sich Frankreich gestern qualifizieren konnte! Mit so vielen großartigen Spielern in der Mannschaft, wäre es sehr schade gewesen, wenn sie ausgeschieden wären. Ich bin jedoch etwas enttäuscht von der Leistung von Zidane, der nicht in Topform ist. Ich hatte von einem Achtelfinale zwischen Frankreich und Tunesien geträumt. Von jetzt an bin ich für die Equipe Tricolore.

Ein paar abschließende Worte?
Ich möchte mich bei der FIFA bedanken, dass sie uns die Möglichkeit gibt, uns auf der offiziellen Website der Weltmeisterschaft zu Wort zu melden und dass sie uns bei unserer Förderung karitativer Organisationen unterstützt. Eine Weltmeisterschaft bietet den Kleinen außerdem die Möglichkeit, Großes zu erreichen.

Beruf
Schauspieler und Regisseur

Fan von
Tunesien und Frankreich

Eine Botschaft oder Website, für die Sie werben möchten
Ich hoffe, dass dieser sportliche Wettbewerb dazu beiträgt, den Menschen zu zeigen, dass Liebe und Toleranz den Frieden bringen können. Dieser Friede ist nur vorstellbar, wenn die Menschen in der ganzen Welt ihre Regierungen zur Vernunft bringen. Der Sport im Allgemeinen und der Fussball als weltweit populärste Sportart müssen dazu beitragen, die Menschen über alle sprachlichen und kulturellen Unterschiede hinweg miteinander zu vereinen.

Ihre offizielle Website
www.hichem-rostom.com/

Aktuelle Projekte
Während der Weltmeisterschaft bin ich fürs Kino tätig. Vom 5. Juni bis Ende August drehe ich für das tunesische Fernsehen eine Serie mit dem Titel "Familiengeheimnisse".
Anschließend werde ich im Théâtre de la Ville de Tunis für das Stück ART von Yasmina Reza proben, dass im November 2006 aufgeführt werden soll.
Weitere Projekte sind noch in der Vorbereitung. Dazu werde ich demnächst mehr sagen können.

Welches war das schönste WM-Spiel, das sie je gesehen haben?
Eindeutig das WM-Finale 1998 zwischen Frankreich und Brasilien (3:0).

Die erste Weltmeisterschaft, an die Sie sich erinnern und Ihr erstes Idol?
Interessanterweise waren Theater und Fussball in meiner Karriere häufig eng miteinander verknüpft. 1974 habe ich die erste Weltmeisterschaft verfolgt, als ich auf dem Festival d'Avignon mein erstes Praktikum als Schauspieler absolvierte und ich werde nie die Spiele von England, Italien und Deutschland vergessen. Meine Idole hießen damals: Beckenbauer und Fachetti.

Ihr Tipp für das Endspiel
Ich träume davon, dass Frankreich das Finale erreicht. Der Gegner ist nicht so wichtig. Aber natürlich wäre es schön, wenn Frankreich gegen Deutschland spielen würde. Einen Tipp für das Ergebnis möchte ich lieber nicht abgeben. Entschuldigung, aber dafür bin ich zu abergläubisch!