FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Korea/Japan 2002™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Korea/Japan 2002™

31 Mai - 30 Juni

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2002™

Ronaldo sichert Brasilien den Titel

Ronaldo, flanked by Rivaldo and Cafu, kisses the FIFA World Cup™ Trophy following Brazil’s 2-0 win over Germany in the Korea/Japan 2002 Final
© Getty Images

Am 14. November 2001 verspürte Ronaldo große Angst. Es war der letzte Spieltag der Südamerika-Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2002™ in Korea/Japan, und die Brasilianer waren eine von vier Mannschaften, die um die noch verbleibenden zwei WM-Tickets kämpften. Der 25-jährige Stürmer war zum einen zum Zusehen verdammt, weil er sich erneut eine Knieverletzung zugezogen hatte, die seine Karriere zu beenden drohte. Zum anderen wusste er, dass mit einem Scheitern der Seleção auch der stolze Rekord seines Landes enden würde, das bislang noch an jeder WM teilgenommen hatte.

Zum Glück für Brasilien trug ein Doppelpack von Luizao zum 3:0-Sieg gegen Venezuela bei und auch die anderen Spiele liefen wie erhofft. Und dann folgte die überraschende Genesung Ronaldos, der – obwohl er in den zweieinhalb Jahren zuvor kaum auf dem Platz gestanden hatte – in Luiz Felipe Scolaris Kader für die 17. Auflage der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ berufen wurde.

Allgemein herrschte dennoch das Gefühl vor, dass Brasilien nicht wirklich eine Chance hatte, Titelverteidiger Frankreich, das mit Stars gespickte Argentinien sowie die starke italienische Mannschaft als Titelanwärter ernsthaft zu gefährden. Einig waren sich alle auch darin, dass Ronaldo bei dieser Weltmeisterschaft sicherlich keine große Rolle spielen würde.

Die Mannschaft in den kanariengelben Trikots und der Spieler mit der Nummer neun ließen sich von derartigen Prognosen jedoch nicht beeindrucken. Und so traf Ronaldo in den drei Gruppenspielen vier Mal ins Schwarze und trug mit zu den Siegen gegen die Türkei (2:1), die VR China (4:0) und Costa Rica (5:2) bei, dank derer man in Gruppe C den ersten Platz holte. Auch beim 2:0-Achtelfinalsieg gegen die Belgier erzielte er einen Treffer. Im Viertelfinale gegen England wurde Ronaldo in enge Manndeckung genommen. Die Tore zum 2:1-Sieg der Brasilianer schossen dann andere. Der goldene Treffer beim Halbfinalsieg gegen die Türkei ging allerdings erneut auf sein Konto.

Es ist am heutigen Samstag genau zehn Jahre her, dass Brasilien im Endspiel auf Deutschland traf. Rudi Völlers Schützlinge dominierten zwar die erste Halbzeit, doch keiner der Mannschaften gelang ein Tor. In der 67. Minute ging Ronaldo beim Kampf um den Ball mit zwei Gegenspielern zu Boden, rappelte sich jedoch wieder auf, um dem scheinbar verlorenen Ball nachzusetzen. Tatsächlich gelang es dem aus Rio de Janeiro stammenden Stürmer, Dietmar Hamman den Ball abzuluchsen und ihn rasch weiter zu Rivaldo zu spielen. Dessen Schuss aus 25 Metern wurde von Oliver Kahn nur abgeklatscht und Ronaldo, der bei Rivaldos Torversuch auf einer Höhe mit zwei deutschen Abwehrspielern, aber gut vier Meter hinter Carsten Ramelow stand, erreichte als erster den Ball und setzte ihn zur umjubelten brasilianischen Führung ins Netz.

Daraufhin drängte die deutsche Nationalelf* *auf den Ausgleich, doch 12 Minuten vor dem Ende fiel die Entscheidung. Kléberson war auf der rechten Seite durchgebrochen und spielte in die Mitte zu Rivaldo. Der ließ den Ball mit einer Körpertäuschung durchlaufen, Ronaldo stoppte ihn mit viel Gefühl und ließ Oliver Kahn mit einem gezielten Schuss ins rechte untere Eck keine Chance.

"Sie haben mir gesagt, dass ich ihn nicht mitnehmen sollte [nach Korea/Japan], dass er auf keinen Fall rechtzeitig fit werden und seine Form finden würde", so Scolari. "Aber Ronaldo hätte auch mit geschlossenen Augen ins Tor getroffen. Er hat eine außerordentliche Weltmeisterschaft gespielt und war der entscheidende Spieler im Finale, als der Druck besonders groß war."

Mario Zagallo fügte noch hinzu: "Sie hatten Ronaldo doch schon abgeschrieben, gesagt, dass er nie mehr spielen würde. Er hat sie alle auf eine wunderbare Weise eines Besseren belehrt. Ich hatte das Glück 1958 in einer Mannschaft mit Pelé zu spielen und 1970 sein Trainer zu sein. 1962 habe ich auch mit Garrincha bei der WM gespielt. Ronaldos Leistung 2002 zählt zu den besten Einzelleistungen, die man jemals bei einer WM gesehen hat."

Mehr zu diesem Thema erfahren