FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Rocheteau: "Die Mannschaft, die das erste Tor macht..."

Dominique Rocheteau erzählt über die Begegnungen zwischen Frankreich und Italien, bei denen er dabei war, und schildert seine Einschätzung zum bevorstehenden Finale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™.

Dominique Rocheteau, welche Erinnerungen haben Sie an das erste Aufeinandertreffen zwischen Frankreich und Italien bei der WM 1978 in Argentinien, bei dem Sie dabei waren?

Ich habe damals die Partie von der Ersatzbank aus verfolgt. Es war die erste WM-Endrunde unserer Generation, und wir waren mit Italien und Argentinien in einer sehr schwierigen Gruppe. Bei unserem ersten Spiel gegen die Italiener hatten wir durch das Tor von Bernard Lacombe einen sehr guten Start erwischt. Aber der Erfahrung und der Abgeklärtheit der Italiener waren wir nicht gewachsen. Zum Ergebnis gibt es überhaupt nichts zu sagen. Die Niederlage gegen die Azzurri war gerechtfertigt.

Bei der WM 1986 in Mexiko war dann die Stunde der Vergeltung gekommen, und Sie konnten sich mit 2:0 durchsetzen

Ja. In Mexiko traten wir mit einer viel erfahreneren Mannschaft an. Durch den Titelgewinn bei der EURO 1984 und der Halbfinalteilnahme bei der WM 1982 hatten wir eine Menge Selbstvertrauen gewonnen, und die Mannschaft war insgesamt viel reifer. Wir wussten, dass wir es mit den weltbesten Teams aufnehmen konnten. Aber dennoch wollten wir es in der Gruppenphase eigentlich auf jeden Fall vermeiden, Zweiter zu werden, um im Achtelfinale nicht auf die Italiener und im Viertelfinale nicht auf die Brasilianer zu treffen. Letztlich haben wir es trotzdem bis ins Halbfinale geschafft. Man erinnert sich nicht so sehr an dieses Spiel gegen Italien, weil danach ja das unvergessliche Spiel gegen Brasilien folgte, das viel stärker im kollektiven Bewusstsein geblieben ist. Doch die Partie gegen Italien war wohl unser überzeugendstes Spiel. Wir haben mit 2:0 gewonnen, und persönlich kann ich mich noch daran erinnern, dass ich einen entscheidenden Pass auf Michel Platini gespielt habe, der mir oft vorgehalten hatte, ihn nicht häufig genug mit brauchbaren Pässen zu bedienen (lacht)!

Lassen Sie uns jetzt über das Endspiel der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ am Sonntagabend sprechen.

Das sind die beiden besten Teams des Turniers. Ich würde vielleicht auch die Argentinier dazurechnen, die in der ersten Runde einen sehr schönen Fussball gezeigt haben. Aber vor allem stehen sich in diesem Finale die beiden Mannschaften gegenüber, die sich bei diesem Turnier die Kräfte am besten aufgeteilt und mit der cleversten Taktik aufgewartet haben. Das wird ein Spiel auf Messers Schneide. Es wird ein ganz enges Ding. Und ich denke, dass die Mannschaft, die das erste Tor erzielt, einen ganz großen Schritt in Richtung Titelgewinn machen wird. Es wird eine Partie werden, die von der Taktik geprägt sein wird. Die Schachzüge der Trainer werden von entscheidender Bedeutung sein. Ich hoffe sehr, dass die Franzosen schnell den Führungstreffer erzielen werden und sich am Ende mit 1:0 durchsetzen, bevor es eventuell doch noch zu einer möglichen Verlängerung kommt.

Hat Frankreich vor dem Hintergrund der vergangenen Duelle gegen Italien zumindest auf psychologischer Ebene einen Vorteil?

Bei dieser Partie werden die beiden besten Hintermannschaften aufeinandertreffen, die mit Weltklasseabwehrspielern besetzt sind. Aber die Italiener haben weder einen Zidane noch einen Henry in ihrem Kader. Und der Werdegang der Franzosen bei dieser WM-Endrunde erinnert mich sehr stark an den der Italiener bei der WM 1982. Sie hatten zu Beginn des Turniers sehr viel Mühe, überhaupt die Gruppenphase zu überstehen und haben sich anschließend jedoch kontinuierlich gesteigert. Die Italiener haben ein enormes Potenzial an Offensivkräften, das sie jedoch nicht nutzen. Lippi zieht es eher vor, zunächst aus einer sicheren Defensive heraus zu agieren und schickt seine Stürmer erst gegen Ende der Begegnungen in die Schlacht, um die Entscheidung herbeizuführen. Dank dieser Taktik sind sie jedoch übrigens zwei Mal in allerletzter Minute noch eine Runde weiter gekommen.

Wer ist Ihrer Meinung nach der Spieler, der heute Dominique Rocheteau am nächsten kommen würde?

Im Kader von Raymond Domenech gibt es praktisch keinen Spieler, der mein Profil vorzuweisen hätte. Ich würde sagen, dass Robert Pires eventuell am ehesten mit mir vergleichbar wäre, weil wir praktisch die gleiche Spielanlage haben. Und in der aktuellen Nationalelf wäre es wahrscheinlich Ribéry, wenngleich er in punkto Temperament eher ein neuer Jean-Pierre Papin ist.

Eine letzte Frage: woran erinnert Sie der Name Marco Tardelli?

Wir sind bei einem Länderspiel nie direkt aufeinandergetroffen. 1978 war er in der italienischen Elf, und ich saß auf der Bank. 1986 war es umgekehrt. Er ist ein großartiger Spieler. Er hat auf Klubebene und mit der Nationalmannschaft alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Wie alle erinnere ich mich am besten an seinen Jubel nach seinem Treffer im Finale der WM 1982 in Spanien. Und außerdem war er auch Weltmeister. Ich hingegen war es nie...