FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

Pogba: "Bin ein Gewinnertyp"

French midfielder Paul Pogba (C) celebrates scoring
© AFP

Wenn über Paul Pogba gesprochen oder geschrieben wird, steht am Ende meist: "dabei ist er erst 21 Jahre alt". Und der talentierte Mittelfeldspieler von Juventus Turin und der französischen Nationalmannschaft hört gar nicht mehr auf, für Gesprächsstoff zu sorgen und weckt die verrücktesten Hoffnungen. Neben seinen körperlichen und technischen Voraussetzungen verfügt der Ausnahme-Athlet (1,91 Meter) über einen sehr großen Ehrgeiz und viel Selbstbewusstsein, die ihn die höchsten Ziele anstreben lassen. Erinnert sei daran, dass es ihm nicht ausreichte, im Alter von 18 Jahren an die Tür der ersten Mannschaft bei Manchester United zu klopfen. Voller Ungeduld, endlich eine Hauptrolle zu spielen, schlug er Sir Alex Ferguson die Tür vor der Nase zu und unterschrieb bei Juventus Turin.

Zwei italienische Meistertitel später ist er bei der Alten Dame mehr denn je unverzichtbar und arbeitet unermüdlich daran, zwischen Konstanz und Geniestreichen das richtige Maß zu finden. Auch in der Nationalmannschaft verlief seine Karriere bisher beeindruckend. Nachdem er 2013 mit den französischen Junioren den Titel bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft holte, stehen ihm in der A-Nationalmannschaft alle Türen offen. In Rekordzeit setzte er sich als Stammspieler durch.

Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ wurde sein Beitrag für die Bleus, die bis ins Viertelfinale vorstießen, mit der Auszeichnung Hyundai Bester Junger Spieler belohnt. Bei der Entgegennahme dieser Auszeichnung in Paris stand Pogba für ein Exklusivinterview zur Verfügung, in dem er über seinen Stolz, seine bisherige Karriere und seine Ziele sprach.

Seit mehreren Jahren bereits wird Ihnen von allen Seiten eine grandiose Zukunft vorhergesagt. Ist diese Trophäe die Bestätigung dafür, dass Sie sich auf dem richtigen Weg befinden?Es ist jedenfalls der Weg, den man gehen muss. Der Fussball, das ist die Konstanz. Man kann sehr schnell den Gipfel erreichen und genauso schnell wieder unten sein. Dieser Preis ist eine gute Sache, doch man muss sich immer weiterentwickeln und in jedem Spiel aufs Neue seine Leistung bringen. Ich kann die Zukunft zwar nicht vorhersagen, aber ich werde alles dafür tun, um noch viele Trophäen zu gewinnen. Ich werde weiter hart arbeiten. Mein Ziel ist es, der beste Spieler der Welt zu werden.

Mit dieser Auszeichnung gesellen Sie sich zu Spielern wie Michael Owen, Thomas Müller, Enzo Scifo, Pelé oder Beckenbauer. Was für ein Gefühl ist das, seinen Namen in derselben Klasse wie diese großen Spieler zu sehen?Es ist nicht so, dass ich mich in derselben Klasse fühle, sondern das Verlangen habe, noch besser als sie zu werden. (lächelt) Das ist ein Ziel, und die Auszeichnung mit diesem Preis ist das Erreichen einer Etappe. Wie gesagt, das ist erst der Anfang. Und das einzige, was mich daran hindern kann, mehr zu erreichen, bin ich selbst. Ich muss mich weiter verbessern und immer mehr wollen.

Wer steht auf Ihrer Position zurzeit noch über Ihnen?Ich denke, dass es viele gibt, die noch über mir stehen, doch mich kümmern solche Vergleiche nicht. Ich versuche, meine Arbeit zu machen und so gut wie möglich zu sein. Es gibt viele Mittelfeldspieler, die ich bewundere. Sie zu beobachten hilft mir dabei, mich zu verbessern. Ich kann zum Beispiel Yaya Touré nennen, der in etwa meine Größe und körperlichen Voraussetzungen, aber viel mehr Erfahrung hat. Wir haben ungefähr den gleichen Stil, auch wenn er etwas offensiver ist als ich.

Haben Sie nicht manchmal das Bedürfnis, auf die Pause-Taste zu drücken, um das zu genießen, was Ihnen Ihre Karriere bisher schon gebracht hat?Nein, im Gegenteil! Wenn ich Trophäen wie diese hier erhalte oder Titel gewinne, dann genieße ich es. Ich bin so, ich will immer mehr. Es ist nie genug, man muss immer weitermachen! Ich bin ein Gewinnertyp, ich verliere nicht gerne. Ich stelle mir immer neue Herausforderungen und Ziele. Auf diese Weise komme ich vorwärts, und ich muss diese Mentalität beibehalten. Ich bin einfach so.

Welche Unterschiede gibt es zwischen dem Paul Pogba vor und nach der WM?Der Unterschied ist ein Paul Pogba, der gereift ist. Ein Paul Pogba, der nicht nur eine WM, sondern einen Kindheitstraum erlebt hat. Die Niederlage gegen Deutschland hat mein Verlangen danach, mit dieser französischen Nationalmannschaft, mit meinem Land einen Titel zu gewinnen, noch mehr verstärkt. Ich habe das Gefühl, reifer geworden zu sein, und habe nun neue Ziele und noch mehr Ehrgeiz.

Sie spielen auf einer Position mit großer Verantwortung, auf der von Ihnen sowohl in der französischen Nationalmannschaft wie auch im Verein sehr viel erwartet wird. Beeinflusst das Wissen, im Alter von 20 Jahren so viel Verantwortung zu haben, Ihre Spielweise?Um der Beste zu werden, braucht man zwangsläufig Druck. Spieler wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi stehen heutzutage immer unter Druck. Manchmal sieht man ihnen an, dass sie sich nicht einmal freuen, wenn sie ein Tor erzielen. Es ist diese Einstellung, die es einem ermöglicht, sein Spielniveau und seine Ambitionen zu steigern.

*Die französische Nationalmannschaft hat noch viel Steigerungspotenzial. Kann sie zur UEFA EURO 2016 ihr bestes Niveau erreichen und das Turnier gewinnen? *Ich hoffe, dass wir in zwei Jahren in Topform sein werden. Momentan haben wir einen sehr guten Lauf. Wir kommen gut voran und müssen mit dem gleichen Schwung weitermachen. Man muss immer mehr wollen. Vorläufig ist es uns gelungen, die Herzen der Franzosen zurückzuerobern. Diese Liebe wieder zu erlangen, die wir ein wenig verloren hatten, wird uns in der Folge sehr viel helfen.

Was sind die Schlüsselmomente, die dazu beigetragen haben, der Pogba zu werden, der Sie heute sind?Jeder Klubwechsel war wichtig. Zuerst Le Havre, dann Manchester, dann Juventus. Den Spitzenfussball entdeckt zu haben und die Kabine mit großen Spielern zu teilen, war der Auslöser. Es gab mir das Verlangen, ein Großer zu werden.

Welche Qualitäten und Schwächen haben dazu geführt, dass Sie heute diese Position einnehmen?Meine Schwächen jedenfalls kenne ich. Ich gehe manchmal Risiken ein, die ich nicht eingehen sollte. Ich muss auch daran arbeiten, mir mein Spiel über 90 Minuten einzuteilen. Ich darf nicht nur nach Instinkt spielen. Das sind die Dinge, auf die ich auf meiner Position achten muss. Denn im Mittelfeld kontrolliert man das Spiel, hat viele Ballkontakte und kann den Rhythmus eines Spiels verändern. Man ist ein wenig der Motor der Mannschaft und darf es nicht vermasseln.

Sowohl Antonio Conte bei Juve wie auch Didier Deschamps bei den Bleus sind Trainer, die früher Mittelfeldspieler waren und ebenfalls bei Juventus gespielt haben, also auf der gleichen Position und im selben Klub wie Sie. Haben Sie eine besondere Beziehung zu ihnen? Gibt es besondere Ansprüche ihrerseits?Ja, sicher. Ich habe unter ihnen große Fortschritte gemacht. Didier Deschamps kennt mich sehr gut und weiß, wie er mit mir umgehen muss. Bei ihm lerne ich jeden Tag dazu, ob im Training oder im Spiel. Er weckt in mir das Verlangen, mein Bestes zu geben. Er gibt mir immer gute Ratschläge und zeigt mir gegenüber eine große Offenheit. Es ist sehr schätzenswert, als Spieler das Vertrauen und die Unterstützung seines Trainers zu haben. Am häufigsten sagt er zu mir, dass ich "konzentriert und einfach" bleiben soll, so wie er es selbst so gut konnte. (lächelt)

*Gibt es etwas, das man über Ihren Charakter nicht weiß? *Die Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich gerne scherze, Blödsinn mache und das Leben genieße. Wir haben ein schönes Leben und eine wunderbare Arbeit. Wir können uns bewegen, haben genügend zu essen und zu trinken - das ist nicht überall auf der Welt der Fall. Wir können uns nicht beschweren! Ich bin einfach froh und glücklich über alles, was mir widerfährt.

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