FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Schweden 1958™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Schweden 1958™

8 Juni - 29 Juni

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1958™

Peter McParland: Erinnerungen an Schweden 1958

Northern Ireland at the 1958 FIFA World Cup
© Getty Images

Die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1958™ steht für Just Fontaines Torrekord von 13 Treffern, einen 17-jährigen Pelé, der der Fussballwelt sein Können präsentiert, und Brasiliens allerersten Weltmeistertitel. Oftmals übersehen wird die Geschichte des Außenseiters Nordirland, der sich in der Qualifikation gegen die Giganten Italien und Portugal durchsetzte und sich als damals kleinstes Land für Schweden 1958 qualifizierte. Bei der WM selbst übertraf das Team dann weiterhin alle Erwartungen.

Niemand erwartete viel von den Schützlingen von Peter Doherty. Da die Nordiren mit dem Schwergewicht Tschechoslowakei, der damaligen südamerikanischen Supermacht Argentinien sowie dem amtierenden Weltmeister Bundesrepublik Deutschland in einer Gruppe antraten, war es sicher nachvollziehbar, dass die Ulstermen zunächst als bloße Punktelieferanten galten. Doch entgegen aller Erwartungen zogen sie ins Viertelfinale ein, wo sie auf Just Fontaines Frankreich trafen und nur 90 Minuten von einem Duell mit Garrinchas Brasilien entfernt waren.

Der Nordire Peter McParland zählte zu den besten Torschützen des Turniers. Am Ende landete er mit fünf Treffern hinter Pelé und Helmut Rahn, den beiden Gewinnern des Silbernen Schuhs, auf Platz vier. Der ehemalige Star von Aston Villa war kürzlich bei einer Vorstellung von Spirit of '58, einem Dokumentarfilm über Nordirlands WM-Abenteuer, zugegen. FIFA.com nutzte die Gelegenheit, um mit ihm über den unerwarteten Erfolg, frühe Gerüchte über ein Wunderkind namens Pelé, seine beiden Treffer gegen den amtierenden Weltmeister Westdeutschland und weitere Themen zu sprechen.

FIFA.com: Peter, blicken wir einmal zurück auf die Qualifikation für die WM 1958. Es war eine Riesenüberraschung, dass sie Italien und Portugal geschlagen und sich einen Startplatz beim Weltturnier gesichert haben. Bis heute ist dies die einzige WM-Auflage, für die Italien sich nicht qualifizieren konnte. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit diesem Turnier?*
Peter McParland:
* Nordirland musste sich normalerweise über die British Championship qualifizieren. Das war für Wales und uns nicht besonders gut, weil in der Regel Schottland und England gewannen. Aber das Qualifikationsverfahren für Schweden 1958 war anders. Wir konnten jetzt gegen europäische Teams antreten. Zuerst dachten wir: 'Perfekt. Wir wollen zur WM, und das ist eine gute Chance.' Doch dann sind wir Portugal und Italien zugelost worden, und das war alles andere als hilfreich! Das war ein sehr hartes Los. Am Ende standen wir Italien in einem Playoff-Spiel für einen Startplatz in Schweden gegenüber. Bis dahin waren wir schon ein eingespieltes Team und ich hatte das Gefühl, dass wir es gegen die Italiener schaffen könnten. Und so war es dann auch. Ich hatte das immer in meinem Werdegang stehen und habe den Leuten erzählt, dass Nordirland es als einziges Team geschafft hat, Italien von der WM-Qualifikation abzuhalten.

Was war das für ein Gefühl, sich mit Nordirland zum ersten Mal für eine WM zu qualifizieren?
Es war eine ganz neue Erfahrung für uns, gegen die 16 besten Mannschaften der Welt anzutreten. Es fühlte sich an wie ein neues Abenteuer. Nachdem wir uns qualifiziert hatten, haben wir uns alle darauf gefreut. Und dann gab es ein Problem mit den Leuten von Lord's Day Observance in Nordirland. Einige unserer WM-Spiele waren auf einen Sonntag angesetzt, und damals war es in Nordirland eine ganz große Sache, dass an diesem Tag kein Fussball gespielt werden durfte. Kurz nachdem wir uns qualifiziert hatten, bekamen wir alle Briefe von dieser Gruppe, die gegen Fussballspiele am Sabbat war. Einige führende Politiker hatten sie unterschrieben. Doch die WM-Teilnahme war die Chance unseres Lebens, da waren wir uns alle einig. Es war eine Gelegenheit, die wir nicht aufgeben wollten.

Sie hatten eine sehr schwierige Qualifikationsgruppe und beim Turnier selbst standen sie sogar vor einer noch größeren Herkulesaufgabe. In Ihrer Gruppe waren mit der Tschechoslowakei, Südamerikameister Argentinien und Deutschland, dem WM-Sieger von 1954, drei Schwergewichte vertreten…*
*
Die Tschechen galten als Geheimfavoriten, und die Mannschaft zog 1962 mit denselben Spielern ins Finale ein. Sie zu schlagen, war daher eine große Leistung. Die Argentinier gehörten zu den Favoriten auf den WM-Sieg. Uns war zwar bekannt, dass sie Südamerikameister waren, aber über ihr Team wussten wir nicht wirklich viel. Wir kannten natürlich alle Deutschen. Einige der Spieler, die 1954 den Titel gewonnen hatten, waren dabei. Ich erzielte beim 2:2-Unentschieden gegen sie zwei Treffer und setzte noch einen Schuss an die Latte. Ich hätte also einen Hattrick gegen den amtierenden Weltmeister erzielen können! Es war eine fantastische Leistung für ein Land unserer Größe, in dieser Gruppe weiterzukommen.

Die WM 1958 wird mit dem damals 17-jährigen Pelé assoziiert. Was haben Sie über ihn gehört, als sie in Schweden waren?
Vor Turnierbeginn hatten wir noch nichts von Pelé gehört. Erst nachdem sich einer der brasilianischen Stürmer verletzt hatte, kam Pelé ins Spiel und erzielte ein Tor – und später ließ er dann natürlich weitere folgen. Zu diesem Zeitpunkt ist er wirklich in den Vordergrund getreten und hat all sein Talent gezeigt und wie fantastisch er war, obwohl er noch ein ganz junger Bursche war. Er hat beim Turnier sechs Tore erzielt, ich fünf – ich kann jetzt immer sagen, dass ich beim ersten Turnier nur ein Tor weniger auf dem Konto hatte als Pelé. Als klar war, dass wir im Viertelfinale auf Frankreich treffen würden, sagte unser Trainer Peter Doherty: 'Lasst uns diese Franzosen aus dem Weg schaffen, und dann spielen wir im Halbfinale gegen die Zirkustruppe!' Er nannte die Brasilianer die 'Jungs vom Zirkus', wegen der Art, wie sie mit dem Ball jonglierten und den tollen Tricks und Ballfertigkeiten, die sie draufhatten. Und was für ein Zirkusteam die waren!

Sie waren in der Torjägerliste der WM unter den ersten Fünf. Just Fontaine hat am Ende den Goldenen Schuh gewonnen. Wie war das, im Viertelfinale gegen ihn anzutreten?
Just Fontaine und ich hatten vor dem Viertelfinale jeder fünf Tore auf dem Konto und führten die Torjägerliste des Wettbewerbs an. Vor dem Turnier wussten wir nicht besonders viel über Fontaine. Wir wussten, dass die Franzosen eine hervorragende Mannschaft hatten, und kannten Spieler wie Raymond Kopa und Jean Vincent und die guten Verteidiger, die sie hatten. Bedauerlich für uns war, dass die Franzosen vor dem Spiel fünf Tage Pause hatten und wir bereits zwei Tage nach unserem letzten Spiel gegen sie antreten mussten. Außerdem legten wir ziemlich große Distanzen per Bus und Bahn zurück. Wenn uns jemand gesagt hätte, dass wir aufgrund der langen Reisewege zu den Spielen fliegen könnten, wäre das sicher hilfreich gewesen. Ich glaube, wir hätten gegen Frankreich auch eine bessere Chance gehabt, wenn wir die Füße vor dem Spiel fünf Tage hochgelegt hätten. Viele der damaligen Spieler sind derselben Ansicht wie ich.

Es ist 30 Jahre her, dass Nordirland sich zum letzten Mal für eine Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Der Auftritt des Teams bei der UEFA EURO 2016 sorgt jedoch im Vorfeld des aktuellen Qualifikationswettbewerbs für Optimismus. Glauben Sie, dass das Team sich für Russland 2018 qualifizieren kann?
Nordirland hat das Zeug zu einer guten Mannschaft. Es war klasse, dass wir uns für die EURO 2016 qualifizieren konnten. 1958 sind wir in Schweden von 50 Fans unterstützt worden, aber die Unterstützung in Frankreich war gigantisch. Die Nordirland-Fans haben den anderen die Show gestohlen. Sie waren wie auf Knopfdruck immer zur Stelle, um die Spieler anzufeuern. Das war wirklich eine gewaltige Unterstützung. Wir haben jetzt eine Basis, und es ist wichtig, dass wir darauf aufbauen und versuchen, uns für Russland zu qualifizieren. Das Team hatte einige schwierige Spiele, aber es hat sich bei der EURO gegen große Mannschaften tapfer geschlagen. Jetzt bietet sich der Mannschaft erneut die Chance, zu zeigen, wie gut sie ist.

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