FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Paraguay: Die einen gehen, die anderen bleiben

Das paraguayische Team mit Nationaltrainer Aníbal Maño Ruiz war mit großen Hoffnungen nach Deutschland gereist. Das erklärte Ziel lautete, zumindest die Leistung vom FIFA-Weltpokal France 98™ und von Korea/Japan 2002™, wo man das Achtelfinale erreicht hatte, zu wiederholen oder möglichst noch zu übertreffen. Doch jetzt muss die Albirroja mit der Bilanz von drei Punkten aus der Gruppe B, der noch England, Schweden sowie Trinidad und Tobago angehörten, schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten.

Zwei 0:1-Niederlagen gegen England und Schweden, wobei der Treffer im Spiel gegen die Engländer sogar ein Eigentor von Carlos Gamarra war und die Schweden erst unmittelbar vor Schluss durch Freddie Ljungberg zum Siegtreffer kamen, brachten den Traum schnell zum Platzen. Zum Abschluss gab es noch einen 2:0-Erfolg gegen den WM-Neuling Trinidad und Tobago.

"Ich übernehme die alleinige Verantwortung für das WM-Aus", so der paraguayische Nationaltrainer im Gespräch mit FIFAworldcup.com. Damit suchte er die Fehler, die zum Ausscheiden führten, in erster Linie bei sich selbst. Von welchen Fehlern dabei die Rede war? Vielleicht von der defensiven Taktik, die der Trainer ausgegeben hatte, und dessen "offensive" Komponente sich lediglich darin erschöpfte, über Konterangriffe für Torgefährlichkeit zu sorgen. In diesem Konzept konzentrierte sich im Angriff alles auf den Torinstinkt und die Kopfballstärke von Roque Santa Cruz und Nelson Valdez. Santa Cruz, der vor der WM monatelang von Schmerzen im rechten Knie geplagt worden war, befand sich noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte und kam lediglich im Spiel gegen England zum Einsatz. Valdez spielte zwar engagiert und mutig, hatte jedoch nicht die richtigen Nebenleute, die ihm die erforderliche Unterstützung hätten geben können.

Nach dem Sieg gegen Trinidad und Tobago im letzten Gruppenspiel kündigte Ruiz, vielleicht auch um dem Druck der paraguayischen Medien zuvorzukommen, unmissverständlich die Möglichkeit seines Rücktritts an, sobald die Mannschaft zurück in Asunción sei. Auch wenn dieser Schritt von den meisten Beobachtern als logische Konsequenz gewertet wurde, so gibt es bis zur Stunde noch keine offizielle Mitteilung dazu.

Schließlich hatte Ruiz noch nach der Gruppenauslosung im Dezember in Leipzig voller Zuversicht erklärt: "Das Beste, was uns passieren konnte ist, dass wir mit England in einer Gruppe spielen." Die Zeit sollte ihm indes nicht recht geben und kaum, dass Paraguay nach der zweiten Niederlage gegen Schweden aus dem Rennen war, holte er einen seiner bekannten Sprüche aus der Schublade. "Mit der Zeitung unter dem Arm verstehen wir alle etwas vom Fussball", wetterte er in klarer Anspielung auf die kritischen Pressestimmen aus Paraguay.

Tschüss Jungs

Die paraguayische Nationalmannschaft steht am Ende einer unvergesslichen Spielergeneration, die unter anderem von Topstars wie dem Torhüter José Luis Chilavert sowie den Stürmern José Cardozo und Celso Ayala geprägt war und die heute durch die erfahrenen Roberto Acuña und Carlos Gamarra verkörpert wird. Beide kündigten nach der Niederlage gegen Schweden ihren Abschied aus dem Nationalteam an, um den Weg für eine neue und zukunftsträchtige Generation frei zu machen.

Paraguay besitzt alle Voraussetzungen, um erneut ein Team zu formen, das zu ähnlichen Leistungen fähig ist wie die Mannschaft um Gamarra und Acuña. Ob es bereits einige Namen gibt, die man sich in diesem Zusammenhang vormerken sollte? Eindeutig ja, zum Beispiel Aldo Bobadilla im Tor, Innenverteidiger Julio César Cáceres, Edgar Barreto und Julio Dos Santos im Mittelfeld sowie Nelson Valdez, Roque Santa Cruz und Nelson Cuevas im Angriff. Sie alle werden mit Sicherheit die Mannschaft formen, die für Paraguay die Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 ermöglichen soll.