FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Niederländisches Trainerquartett mit beeindruckendem Auftakt

Auf dem Spielfeld stehen die Niederländer in dem Ruf, "Fussball total" zu spielen. Abseits des Fussballplatzes gelten sie als entspannt und locker. Die Mischung dieser beiden Eigenschaften scheint erfolgreiche Trainer hervorzubringen. Bei der WM 2006 in Deutschland sind gleich vier von ihnen vertreten: Dick Advocaat , Leo Beenhakker , Guus Hiddink und Marco van Basten . Alle vier haben bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ einen guten Start hingelegt. Das ist wohl vor allem auf eine gelungene Mischung aus taktischem Know-how und guter Menschenführung zurückzuführen.

Noch beeindruckender ist, dass diese Trainer aus einem Land stammen, das lediglich 16,5 Millionen Einwohner hat. Alle vier vertreten jedoch die Ideale von Rinus Michels , dem Mann, der die Niederlande vor 32 Jahren bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft in der Bundesrepublik Deutschland ins Finale geführt hat. Die Schlüsselphilosophien von Michels, die da lauten Teamarbeit, Motivation, Verständnis, Bewegung und Fitness, waren alle in den Auftaktspielen derjenigen wiederzufinden, die unter seinem Einfluss standen.

Leo hat Professionalität und Organisation ins Team gebracht

Der erste der niederländischen Trainer, der hier beeindruckte, war der 63-jährige Leo Beenhakker. Von seiner Mannschaft, Trinidad und Tobago, erwartete man gemeinhin eine Niederlage gegen die Schweden im Auftaktspiel. Dann erarbeiteten die "Trinis" sich jedoch ein torloses Unentschieden , und das, obwohl sie den größten Teil der zweiten Halbzeit mit zehn Mann überstehen mussten. Die "Soca Warriors" spielten motiviert und energiegeladen, besonders konnten Mannschaftskapitän Dwight Yorke und Torhüter Shaka Hislop beeindrucken. Sicherlich war die bisher größte Überraschung in diesem Turnier nicht nur ein Glücksfall, sondern vielmehr auf den Fleiß und bedingungslosen Einsatz von "Don Leo" zurückzuführen.

Unter Van Basten gab es eine wahre Revolution

Obwohl die Niederländer allgemein als locker gelten, hat die Nationalmannschaft des Landes in den vergangenen zehn Jahren bei großen Turnieren scheinbar immer unter internen Querelen gelitten, die grundsätzlich zum ungünstigsten Zeitpunkt kamen. Mit der Ernennung des ehemaligen Europameisters Van Basten zum neuen Nationaltrainer scheinen diese Zeiten nun der Vergangenheit anzugehören. Er hat ein ausgeglichenes Oranje-Team zusammengeschweißt, das erfolgshungrig und lauffreudig ist und bei seinem 1:0-Sieg gegen Serbien und Montenegro in Leipzig viel Charakter gezeigt hat. Mit dem formstarken Chelsea-Mittelfeldspieler Arjen Robben sowie der guten Bilanz der Niederländer auf deutschem Boden (Europameister 1988) könnte dieses Turnier für die Mannschaft durchaus ein denkwürdiges werden.

Geniestreich gegen Japan

Hiddinks Ruf scheint mit jeder FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ besser zu werden. Nachdem er 1998 in Frankreich mit den Niederlanden das Halbfinale erreicht hatte, kam er mit der Republik Korea vier Jahre später genauso weit. Als er Frank Farina im Juli 2005 als australischer Nationalcoach ablöste, glaubte kaum jemand daran, dass er mit den Socceroos einen Sieg schaffen könnte, vom Erreichen der nächsten Runde gar nicht zu reden. Nachdem sie nun verfolgt haben, wie dieses Team das Spiel nach anfänglichem Rückstand noch einmal drehen und Japan mit 3:1 ´schlagen konnte, wurden einige Leute dazu veranlasst, ihre ursprünglichen Prognosen noch einmal zu überdenken. Im Spielverlauf hat Hiddink drei neue Spieler eingewechselt: John Aloisi, Tim Cahill und Josh Kennedy. Sein mutiger Entschluss zahlte sich aus, denn das Trio war maßgeblich an Australiens drei Toren beteiligt. Danach hatte der ehemalige Trainer des PSV Eindhoven allen Grund, an der Seitenlinie zu feiern, und in der Heimat brachen Millionen von Australiern in Begeisterungsstürme aus.

Advokaats taktische Züge

Der letzte Trainer dieses vierblättrigen Kleeblatts ist Dick Advocaat, der es mit seiner Mannschaft in Frankfurt genau wie Hiddink schaffte, das Spiel zu drehen. Die Republik Korea hatte gegen Togo bereits mit 0:1 zurückgelegen und die Partie am Ende noch mit 2:1 gewonnen. Genau wie bei seinem Kollegen Hiddink war auch hier eine effektive Auswechselung der Schlüssel zum Erfolg. Seine Entscheidung, Ahn ins Spiel zu bringen, machte sich mehr als bezahlt, als der 30-jährige Stürmer den Siegtreffer erzielte. Nach dem Spiel gab Advocaat seinen Spielern zwei Tage frei, damit sie Zeit mit ihren Familien verbringen konnten.

Ob seine Mannschaft sich für seine Gutmütigkeit mit weiteren Erfolgen bedanken kann, bleibt abzuwarten. Bisher scheint es jedoch, als könnten Advocaat und seine niederländischen Trainerkollegen ihre Mannschaften 2006 in Deutschland auf Kurs halten.

Da jetzt in Gestalt von England, Elfenbeinküste, Brasilien und Frankreich stärkere Gegner auf dem Programm stehen, haben die Niederländer ein hartes Stück Arbeit vor sich, wenn sie ähnliche Ergebnisse erzielen wollen. Aber wie wir bei diesem Turnier bereits sehen konnten, sollte man diese Möglichkeit keinesfalls von der Hand weisen.