FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

Mondragón schreibt Geschichte

Goalkeeper Faryd Mondragon of Colombia acknowledges the fans
© Getty Images

Auf den Tribünen der Arena Pantanal herrscht derselbe Lärmpegel wie in den Straßen von Bogotá, als Kolumbien den Einzug ins Achtelfinale feiert. In die Freude mischt sich aber auch noch eine gehörige Portion Nationalstolz, denn einem Vertreter des Landes ist es gelungen, einen Rekord zu brechen, der 20 Jahre Bestand hatte.

Wenn ein Torhüter ausgewechselt wird, obwohl er nicht verletzt ist, dann ist das in der Regel ein Zeichen dafür, dass ein Team sich auf einem absoluten Tiefpunkt befindet. Als in der Partie gegen Japan beim Spielstand von 3:1 David Ospinas Nummer auf der elektronischen Auswechseltafel erschien, wurde der eingewechselte Ersatztorhüter jedoch ausgiebig gefeiert. Faryd Mondragón avancierte damit nämlich zum ältesten Spieler, der je bei einer Weltmeisterschaft angetreten ist.

Mit dem Erreichen der K.-o.-Runde knüpft das Team an die bisher beste Leistung der Kolumbianer bei einer WM im Jahr 1990 an. Dass Mondragón nun Roger Milla als ältesten Spieler der WM-Geschichte ablöst, stellt einen weiteren Meilenstein dar. Milla war 1994 in den USA 42 Jahre alt gewesen. Es war ein bewegender Augenblick, als Mondragón das Spielfeld betrat, um für die letzten fünf Spielminuten zwischen den Pfosten zu stehen. Er umarmte die aktuelle Nummer eins der Cafeteros, als er sich für seinen vermutlich letzten Auftritt im Nationaltrikot bereitmachte.

Der genau 43 Jahre und drei Tage alte Torwartroutinier gehörte 1990 gemeinsam mit Ikonen wie Carlos Valderrama und Freddy Rincon bei seiner ersten Weltmeisterschaft zur kolumbianischen Auswahl, die den Erfolg von vier Jahren knapp verpasste. Acht Jahre später, bei der WM 1998 in Frankreich, verließ er das Spielfeld in Tränen aufgelöst, als ihm die Chance erneut verweigert wurde. 16 Jahre später gab es für ihn eine kleine Wiedergutmachung. Voller Stolz stand er zwischen den Pfosten und genoss den Applaus, denn dieses Mal hatte seine Mannschaft es geschafft, und er war noch immer dabei.

Er hatte ganz offensichtlich das Bedürfnis, sich bei allen zu bedanken, von den Mannschaftskameraden und dem Trainerstab bis hin zum Schiedsrichtergespann. Das breite Grinsen, das er auf dem Gesicht hatte, seit er in der letzten Sekunde der Partie mit einer schönen Parade dafür gesorgt hatte, dass es beim Spielstand von 4:1 blieb, wollte auch nicht weichen, als er vor den Kameras der FIFA stand. "Es ist eine Ehre für mich, hier zu sein", so der neue Rekordhalter begeistert. "Mit diesem Rekord werde ich zu einem Aushängeschild des kolumbianischen Fussballs und gehe in die Geschichte des kolumbianischen Fussballs ein."

Bereits im Vorfeld gab es Anzeichen dafür, dass dies der Abend werden könnte, an dem der treue Keeper zu seinem historischen Auftritt kommen und sich noch einmal auf der Weltbühne präsentieren könnte. Schließlich hatte Kolumbien den Einzug ins Achtelfinale bereits mit dem Sieg gegen die Elfenbeinküste perfekt gemacht. Nachdem es zur Halbzeit zwei Auswechselungen gegeben hatte, stand jedoch noch zu befürchten, dass verletzungsbedingt oder durch einen Platzverweis eine dritte erforderlich werden könnte. Damit wäre ihm sein geschichtsträchtiger Auftritt verwehrt geblieben.

Als er dann jedoch an die Seitenlinie trat und der vierte Offizielle die elektronische Auswechseltafel mit seiner Nummer hochhob, brach auf den Rängen lauter Jubel aus. "Das war einfach unglaublich. Ich glaube, alle haben auf diesen Augenblick gewartet", meint er in Erinnerung an seine fünf Minuten im Rampenlicht. "Ich möchte mich bei José Pekerman und dem Rest der Mannschaft sowie bei meinen Freunden dafür bedanken, dass dieser Traum für mich wahr werden konnte."

Ihm kommt in diesem Team, in dem mittlerweile einige Stars aktiv sind, die durchaus seine Söhne sein könnten, eine Vorbildfunktion zu. Für sie ist er eine Inspiration, und es erfüllt sie mit Stolz, an der Seite eines solch legendären Nationalspielers zu trainieren. "Das ist eine Belohnung für all die harte Arbeit, die er im Laufe seiner Karriere geleistet hat, und ich freue mich sehr über den Rekord, den er heute erreicht hat", meint Carlos Carbonero im Gespräch mit der FIFA**.

"Ich finde, für den kolumbianischen Fussball ist es großartig, jemanden wie Faryd zu haben – und nicht nur für den kolumbianischen Fussball, sondern für die gesamte Fussballwelt. Ich finde, er ist ein toller Mensch, und ich freue mich darüber, dass er Kolumbianer ist."

Nachdem der Routinier seinen Namen durch die Ablösung von Roger Milla in Stein gemeißelt hat, ist er nun der Ansicht, dass auch sein Team in der Lage sein wird, Großes zu erreichen. "Wenn ich mir so anschaue, wie wir derzeit als Team spielen und auftreten, schreiben wir ebenfalls Geschichte", erklärt er.

Da liegt er sicherlich nicht falsch. Schließlich ist seine Mannschaft mit neun Treffern in der Gruppenphase der WM 2014 so gut wie nie zuvor und hat das Gefühl, auf einer Welle des Erfolgs zu schwimmen. "Die Tatsache, dass wir diese Runde mit neun Punkten abschließen, gibt uns enormen Auftrieb für die anstehenden Aufgaben."

Mondragón ist ein wahrer Fussball-Globetrotter und war im Laufe seiner Karriere in sieben Ländern und bei elf Klubs aktiv. Als wir ihn bitten, das aktuelle Team mit der "Goldenen Generation" der 1990er Jahre zu vergleichen, erklärt er, die Auslandserfahrung mache die aktuelle Generation sogar noch besser. "Wir haben jetzt den Vorteil, dass 95 Prozent unserer Spieler in Europa aktiv sind und daher bereits persönliche Erfahrungen in diesem hochklassigen Fussball sammeln konnten. Hinzu kommt, dass sie schon sehr reif sind", erklärt er. "Bei der WM 1994 spielten noch 95 Prozent von uns in Kolumbien und die restlichen fünf Prozent im Ausland. Das Ganze hat sich also ins Gegenteil verkehrt."

Eine denkwürdige Gruppenphase liegt hinter den Cafeteros, die nun danach streben, das Achtelfinale im legendären Maracanã-Stadion für sich zu entscheiden und zum ersten Mal in der Geschichte ins Viertelfinale des Turniers einzuziehen. "Unsere nächsten Gegner stellen uns vor eine sehr große Herausforderung. Ab morgen müssen wir uns daher ganz auf Uruguay konzentrieren." Zumindest bis morgen früh kann Faryd Mondragón aber noch in Erinnerungen schwelgen und sich darüber freuen, dass er nun der älteste Spieler in der WM-Geschichte ist.

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