FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

"Los Ticos" - Eine brasilianische Liebesgeschichte

© Getty Images

Costa Ricas Spieler lieben ihre Anhänger, und diese wiederum erwidern diese Liebe ganz unübersehbar. Denn wenn die Ticos auf ihre sie anhimmelnden Fans treffen, dann haben sie nicht ihre Köpfe gesenkt oder den Blick auf ihre Handys gerichtet, wie es beim gelangweilten, modernen Fussballprofi allzu oft vorkommt. Sie winken nicht kurz aus unenthusiastischem Pflichtgefühl oder bahnen sich schnell ihren Weg durch die Menge, sondern nehmen sich Zeit für ihre Anhänger.

"Wir lieben sie, und sie lieben uns", erklärt der quirlige Sturmstar Joel Campbell im Gespräch mit FIFA.com"Die Liebe, die wir von Seiten der Fans bekommen, ist so gewaltig. Wir nehmen diese Leidenschaft und Freude mit aufs Spielfeld. Das gibt uns einen zusätzlichen Kick."

Die Liebe, die Campbell - eine der Entdeckungen des Turniers - beschreibt, ist deutlich zu sehen. Etwa 4.000 costaricanische Fans sind bislang aus dem zentralamerikanischen Land nach Brasilien gereist. Einige von ihnen begleiten das Team von Spielort zu Spielort und legen dabei Tausende von Kilometern zurück.

Andere bleiben in einer Stadt. Sie stellen ihre Sonnenschirme und Liegestühle auf und warten auf die Ankunft ihrer geliebten Ticos. Bis dahin pflegen sie Kontakt zu den Einwohnern, schwenken ihre rotweißblauen Fahnen und machen in Brasilien die beste Werbung für Pura Vida - ein Ausdruck in Costa Rica, der soviel wie "Lebensfreude" bedeutet.

Positive Belagerung durch Fans
Ein Rückblick: Als die Mannschaft in Recife an der Nordküste eintrifft - vor dem historischen Triumph gegen den viermaligen Weltmeister Italien -, ist das Hotel regelrecht von Anhängern belagert. "Wir sind hier, um bei der Mannschaft zu sein. Wir unterstützen sie, und sie erfüllen uns mit Freude und Stolz auf unser Land", sagt Rodrigo, der zusammen mit seiner Familie aus Costa Ricas Hauptstadt San José angereist ist. Er hat sich extra Urlaub genommen, um dieses einzigartige Erlebnis auszukosten.

Als die Spieler aus dem Bus aussteigen, bricht ein gewaltiger Jubel los – doch nicht wie man ihn von Fans gegenüber ihren Idolen kennt. Es klingt vielmehr wie in einer großen Familie, wenn man seine Liebsten nach einer langen Trennung wiedersieht. Keylor Navas, der herausragende Torhüter des Teams, nimmt eine ältere Dame aus der Menge in den Arm – ganz so als ob sie seine eigene Mutter wäre. "Bravo, Keylor", jubelt die Menge, als er sich zu der viel kleineren Frau hinunterbeugt. Der Schlussmann von UD Levante lächelt und schießt Fotos von der Menge.

"Sie sind bei uns in den guten wie in den schlechten Zeiten", so Mittelfeldakteur Christian Bolanos, der älteste Spieler des Teams. Und schlechte Zeiten gab es in der Vergangenheit sehr wohl. Bolanos stand schon in der Mannschaft, die alle ihre Spiele bei der WM 2006 in Deutschland verlor, und die in letzter Sekunde die Qualifikation für die WM Südafrika 2010 verpasste. "Diese Fans haben eine lange Reise hinter sich. Wir sind hier weit weg von unserer Heimat, doch hier fühlen wir uns mit ihnen verbunden."

Ein gemeinsamer Moment
Die jungen WM-Debütanten Cristian Gamboa und Giancarlo Gonzalez laufen an der Fan-Schar vorbei und filmen mit ihren Handys ihre Anhänger und Landsleute – welche ihrerseits zurückfilmen. Die Außenseiter aus Mittelamerika sind dabei, in Brasilien Geschichte zu schreiben. Obwohl noch die Vorrundenpartie gegen England aussteht, haben sie sich bereits für das Achtelfinale qualifiziert – der bislang größte Moment in der Geschichte des costaricanischen Fussballs.

"Bryan! Bryan! Capitan!" Die Menge schreit auf, als Bryan Ruiz, der Mannschaftskapitän und Siegtorschütze gegen Italien, zwischen den Anhängern hindurch schreitet und schüchtern lächelt. Aufgrund seiner Größe ragt er aus der Menge heraus, und seine freundlichen Augen saugen diesen Moment auf. Er hält inne, um einen Ball zu signieren und einem kleinen Jungen den Kopf zu tätscheln.

"Costa Rica ist ein fussballverrücktes Land, das aber auch nach dem Leben verrückt ist und nach allem, was es lebenswert macht", fügt der umgängliche Flügelspieler Junior Diaz an, der ein fulminantes WM-Debüt feiert. "Wir können mit unserem Spiel etwas zurückgeben. Wir spüren die Leidenschaft, die sie auf das Spielfeld und ins Hotel bringen. Sie macht uns stärker."

Mit jedem Spiel, das die Ticos in Brasilien bestreiten, wächst die Zahl ihrer Anhänger. Und dazu zählen nicht nur die Landsleute, die aus der Heimat eingeflogen sind. Auch die Einwohner vor Ort stimmen bei der Feier mit ein. Es sind Brasilianer, die sich in Costa Ricas schnellen Fussball und das spürbare Gefühl von Zusammengehörigkeit und Zusammenhalt verliebt haben, und davon stark inspiriert werden.

"Die brasilianische Bevölkerung hat uns ihre Herzen geöffnet", so der sichtlich bewegte Bolanos. Der Mann hat in seiner langen Karriere schon vieles gesehen, aber noch nichts wie das hier. "Sie haben uns wirklich bei sich aufgenommen." Wohl auch deshalb wollen die "Ticos" offenbar gar nicht mehr nach Hause fliegen.

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