FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Lionel Messis kurzes und trauriges Debüt

Die Umstände schienen ideal: Dem Argentinier Lionel Messi, Weltmeister und überragender Spieler seiner Elf bei der FIFA Junioren-Weltmeisterschaft Niederlande 2005, bot sich die Chance, in der A-Nationalelf gegen die Mannschaft Ungarns zu debütieren - übrigens der gleiche Gegner, gegen den auch ein gewisser Diego Armando Maradona 1977 sein erstes Länderspiel bestritt. Was jedoch wie ein Traum begann, entwickelte sich sehr schnell zum Albtraum. Der gerade erst siebzehnjährige Spieler aus Rosario wurde in der zweiten Halbzeit eingewechselt, berührte zwei Mal den Ball … und flog vom Platz!

Siehe Interessante Spieler: Lionel Messi

Es dauerte nur 44 Sekunden. In Budapest war die 64. Minute angebrochen, als José Pekerman sich für die unerwartete Einwechslung von Messi für Lisandro López entschied, der zuvor ebenfalls sein erstes Spiel im Trikot der Albiceleste bestritten hatte. Die argentinischen Spieler suchten sogleich das große Talent des FC Barcelona, der bei seinem ersten Ballkontakt von Vilmos Vanczak am Trikot gerissen wurde. Daraufhin kam es zu der Szene, die für so viele Diskussionen sorgen sollte: Der Argentinier traf bei seinem Bemühen, den Abwehrspieler abzuschütteln, diesen am Hals. Schiedsrichter Markus Merk entschied auf Platzverweis, ungeachtet der Bitten der Südamerikaner, den kleinen Spieler doch auf dem Platz zu belassen.

"Mit dem wenigen Deutsch, das ich kann, habe ich versucht, dem Schiedsrichter zu erklären, dass es Lionels Debüt war und dass ein Platzverweis auf keinen Fall gerechtfertigt war. Schließlich war er ja gefoult worden. Aber so ist es nun einmal im Fussball", erklärte Andrés D'Alessandro nach der Partie. Juan Pablo Sorin, Spielführer der argentinischen Elf, fand auch keine Erklärungen für den raschen Abgang Messis: "Der Schiedsrichter hätte ihn doch ermahnen können, und damit wäre alles erledigt gewesen. Stattdessen beschloss er ungerechtfertigter Weise, ihn vom Platz zu stellen. Wir haben nachher noch viel mit Messi in der Kabine gesprochen und ihn gebeten, sich zu beruhigen. Schließlich wird er noch viele Jahre für die Nationalelf spielen können."

Ähnliche Worte waren auch von anderen zu hören. Roberto Ayala, einer der erfahrensten Spieler im Team, meinte zu Messi: "Er muss noch lernen, dass man ihn als trickreichen Spieler noch oft foulen wird. Er darf jedoch nicht auf diese Weise darauf reagieren. Ich möchte jetzt nicht in seiner Haut stecken. Wir konnten alle sehen, wie niedergeschlagen er war, als er den Platz verlassen musste."

"Ich bin immer noch wütend"

Traurig, überrascht und niedergeschlagen - diesen Eindruck bot Messi nach der Partie, die Argentinien im Übrigen mit 2:1 gewann. "Ich bin immer noch wütend. Ich wollte den Spieler nur loswerden, um meinen Lauf fortzusetzen, aber der Schiedsrichter sah das ganz anders und stellte mich vom Platz. Es ist so schade!", wiederholte er immer wieder auf jede Frage. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass kaum ein Länderspieldebüt in den letzten Jahren von den argentinischen Fans so herbeigesehnt wurde wie dieses.

Messi, der eiskalte, schnelle und geniale Linksfuß, war Argentiniens Schlüsselspieler und im Übrigen auch erfolgreichster Torschütze seines Teams bei der jüngst beendeten FIFA Junioren-Weltmeisterschaft Niederlande 2005. Seitdem ging es mit seiner Karriere weiter steil aufwärts, denn auch beim FC Barcelona, wo nicht einmal Javier Saviola einen Stammplatz erringen konnte, gehört er nun zum Stamm. Danach wurde er von Pekerman in den Kader berufen und fand sich unter den Spielern wieder, die er bis dahin nur im Fernsehen bewundern konnte. All dies erklärt die große Enttäuschung auch der Medien, die so viele Hoffnungen in das Debüt des neuen Idols gesetzt hatten. "Messi blieb nur eine Minute zum Träumen und Leiden", titelte etwa die Zeitung Clarín. "Ungerechtigkeit" war in der Morgenzeitung Olé zu lesen, und La Nación sprach von einem "Debüt wie es keiner gewünscht hatte".

Und was denkt José Pekerman, der als der Trainer in die Geschichte eingehen wird, unter dem Messi in der A-Nationalelf debütierte? "Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung der Mannschaft, jedoch traurig über das, was Lionel geschehen ist. Es war sehr schade und absolut ungerecht. Wir freuen uns darüber, dass dieser Junge nun bei uns ist. Die Mannschaft hat ihn sehr gut aufgenommen und er wird noch große Dinge für uns leisten." Ähnlich äußerte sich Hernán Crespo, der versicherte, dass der junge Spieler "ganz sicher sehr bald eine neue Gelegenheit erhalten wird".

Die kommt bereits am 3., September, wenn Argentinien in der Südamerika-Qualifikation auf Paraguay trifft. Denn auch für diese Partie ist Messi nominiert und er freut sich darauf seine Unbeherrschtheit wieder ausbügeln zu können. „Ich freue mich, dass ich eine neue Chance bekomme, nachdem was gegen Ungarn passiert ist", so Messi, „die Rote Karte war übertrieben und ich hoffe, dass passiert mir nie wieder."