FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

FIFA Fussball-WM 2018™

Lahm: "Wir geben den Stolz an den Sieger weiter"

© Getty Images

Er war der erste deutsche Kapitän seit 24 Jahren, der in Brasilien 2014 den FIFA WM-Pokal in die Höhe stemmen durfte: Philipp Lahm. Er war damit endgültig zu einem der erfolgreichsten Fussballer aufgestiegen. Ob Deutscher Meister, Pokalsieger, UEFA Champions-League-Sieger, FIFA Klub-Weltmeister oder eben FIFA-Weltmeister – nur wenige Spieler in der Historie des runden Leders können einen solche Trophäensammlung vorweisen. Nach dem Triumph von 2014 gab der Außenverteidiger seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt, 2017 hängte der inzwischen 34-Jährige seine Fussballschuhe endgültig an den Nagel.

Am kommenden Sonntag kehrt Lahm noch einmal zurück auf die ganz große Fussballbühne, wenn er dem ausverkauften Moskauer Luschniki-Stadion, wenige Minuten bevor die Teams den grünen Rasen betreten, die FIFA WM-Original-Trophäe präsentieren wird. "Ich gebe den Stolz, den der deutsche Fussball vier Jahre lang hatte, weiter. Für uns und für Deutschland ist es Wehmut und damit dann eine Aufforderung an uns, den Pokal zurückzuerobern" so der 113-malige Nationalspieler gegenüber FIFA.com.

Wir sprachen mit ihm über das bevorstehende Endspiel zwischen Frankreich und Kroatien, seine Vorfreude auf das ganz besondere Wiedersehen mit dem Pokal sowie das bittere Aus des deutschen Titelverteidiger.

Herr Lahm, Sie werden die Trophäe nach vier Jahren nun an den neuen Weltmeister weiterreichen. Wie fühlen Sie sich dabei bzw. wie wird Ihr Zusammentreffen mit der WM-Trophäe sein?
Ich mache das stellvertretend für die deutsche Nationalmannschaft und für Deutschland. Man übergibt den Stolz, den unser Land vier Jahre lang innehatte, dieses große und besondere Fest damals als Weltmeister zu beenden. Wir geben den Stolz an den Sieger weiter.

Was wird Ihnen bei der Übergabe durch den Kopf gehen?
Das ist schon ein herausragender Moment, weil es ja das Original ist. Und das hat man ja tatsächlich nur ganz kurz in der Hand, und als Kapitän denkt man da unweigerlich an die Spieler, die diesen Pokal in den Händen gehalten haben und dann wieder abgegeben haben– an die deutschen Kapitäne wie Fritz Walter, Franz Beckenbauer und Lothar Matthäus; und an die internationalen Kapitäne wie Bobby Moore, Carlos Alberto, Daniel Passarella, Dino Zoff, Diego Maradona, Carlos Dunga, Didier Deschamps, Cafu, Fabio Cannavaro und Iker Casillas.

Welche Erinnerungen kommen bei Ihnen hoch, wenn Sie an Brasilien 2014 denken?
An den Schlusspfiff im Finale. Vom Tor von Mario Götze bis zum Abpfiff, das waren die längsten Minuten meines Fussballlebens. Da dachte ich nur: 'Bitte, bitte, pfeif endlich ab!' Ich weiß noch, kurz vor Schluss gab es noch einen Freistoß für Argentinien, den Lionel Messi drüber geschossen hat. Dann hat Manuel Neuer einen Abstoß gemacht - und dann wurde abgepfiffen. Diese letzten Minuten und die ein, zwei Stunden danach, daran werde ich immer als Erstes denken.

Im Maracana übergab Carles Puyol die Trophäe an Sie. Wer wird die Trophäe am Sonntag in Moskau gen Himmel strecken?
Das wird das Spiel entscheiden. Dem will ich keineswegs vorweg greifen. Natürlich kann ich mir sehr gut Hugo Lloris vorstellen und was es für Frankreich und vor allem die Spieler bedeutet, der Generation von Deschamps und Zidane zu folgen. Das gilt auch für Luka Modric und Kroatien, das zum ersten Mal in seiner Geschichte in einem Finale einer Fussball-Weltmeisterschaft steht.

Sind Sie überrascht, dass vier europäische Teams im Halbfinale standen?
Ich bin schon etwas überrascht, denn eigentlich erwarte ich immer Südamerikaner unter den letzten vier Mannschaften. In Südamerika – sei es in Brasilien, Argentinien oder Uruguay – gibt es immer Spieler, die mit Talent gesegnet sind. Wir in Europa haben die beste Infrastruktur, die Ligen in Deutschland, England, Spanien, Italien und Frankreich sind die finanzstärksten und attraktivsten Ligen. Hier tummeln sich die besten Spieler, wir führen den intensivsten Wettbewerb, und das macht die Nationalmannschaften auf dem europäischen Kontinent stark – und davon profitieren auch kleinere Länder wie Belgien und Kroatien.

Und was sagen Sie zu den Leistungen der Deutschen?
Die Zusammenstellung, das Entstehen einer Mannschaft, die Europameister und Weltmeister werden kann, ist immer ein Prozess und ein kleines Kunstwerk. Was wir in Deutschland gesehen haben, war sicher kein Kunstwerk. Ich bin aber überzeugt davon, dass Deutschland die Kraft hat, sich zu erneuern und eine neue Generation zu entwickeln, die dem Spruch von Gary Lineker 'Fussball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen die Deutschen' Wahrheit verschaffen wird.

Unabhängig vom frühen Ausscheiden der DFB-Auswahl werden Sie beim Finale die deutschen Farben vertreten. Was sind Ihre Abschiedsworte an die Trophäe?
Ich gebe den Stolz, den der deutsche Fussball vier Jahre lang hatte, weiter. Der Stolz geht dann eben auf den Sieger über und das ist sicher ein starkes Bild für die Fussballwelt. Für uns und für Deutschland ist es Wehmut und damit dann eine Aufforderung an uns, den Pokal zurückzuerobern. Daraus kann man Kraft für die nächste Weltmeisterschaft und unsere Bewerbung für die UEFA EURO 2024 sammeln, dass wir dann wieder ein großes Fussballfest feiern

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