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12 Juni - 13 Juli

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Lahm: Die Anfänge des Weltmeister-Kapitäns

© FIFA.com

Er war der erste deutsche Kapitän seit 24 Jahren, der den FIFA WM-Pokal in die Höhe stemmen durfte: Philipp Lahm war damit endgültig zu einem der erfolgreichsten Fussballer aufgestiegen. Nun beendet der Weltmeister, Champions-League-Sieger, FIFA Klub-Weltmeister und achtfache deutscher Meister seine Karriere.

Dass Pokale sein Ding sind, sieht man auch bei ihm zuhause. "Er hat einen eigenen Raum für seine Trophäen und Medaillen", schwärmt Emanuel Jozic im Gespräch mit FIFA.com. "Und der Raum ist nicht klein", fügt Lahms Freund aus gemeinsamen Kindheitstagen noch an. 

Den Grundstein für diese Erfolge legte der Spielführer des FC Bayern München beim FT Gern, einem sympathischen Stadtteilverein aus dem Münchner Westen, unweit von seinem Elternhaus entfernt. Hier begann Lahm im Alter von fünf Jahren mit dem Fussball und lernte dort auch schnell Jozic kennen. "Er war unser Mann im Mittelfeld und ist bis heute ein super Freund", so Lahm zu FIFA.com. Schnell wurde klar, dass der junge Philipp mit außergewöhnlichem Talent gesegnet war. Er sei schon damals viel besser gewesen als seine Mit- und Gegenspieler.

Immer für das TeamDies ließ er sich jedoch nicht anmerken. Er sei laut Jozic immer ein Teamplayer gewesen und stellte sich in den Dienst der Mannschaft. "Das Umfeld in Gern ist sehr bodenständig und geerdet, und so hat auch Philipp gespielt", erklärt Andreas Theilacker, der Lahm in seinem letzten Jahr beim FT Gern als Zwölfjährigen in der D-Jugend trainierte, gegenüber FIFA.com.

"Das ist ein familiärer Verein. Alle Beteiligten sind schon ewig dort", erklärt Karl Kessler. Er war einer von Lahms Jugendtrainern und ist nach Lahms Aussage bis heute ein guter Freund der Familie. Diese gehört ebenfalls seit Jahrzehnten zum Verein - Lahms Mutter Daniela beispielsweise ist noch heute Jugendleiterin. Vater Roland spielte lange in der ersten Mannschaft, auch zusammen mit Kessler, der sich sicher ist, dass der Vater vieles an seinen Sohn weitergegeben habe.

"Das Talent kommt definitiv von seinem Vater." Der hätte nach Aussagen von Kessler ebenfalls viel höher spielen können, wollte dies jedoch nicht, auch aus Verbundenheit zum Verein. Eine weitere Eigenschaft, die er an seinen Sohn weitergab. Denn das Talent des Sohnes ist auch den großen Münchner Vereinen nicht verborgen geblieben. Scouts seien beinahe bei jedem Spiel vor Ort gewesen und hätten die Nummer zehn des FT Gern beobachtet, erinnerte sich Theilacker.

Kein Druck der Eltern

Doch Lahm wollte nicht gehen. "Er wollte bei seinen Freunden bleiben, bei seiner Heimat", sagt Sebastian Königsbauer, ehemaliger Mitspieler von Lahm in Gern,zu FIFA.com. Doch sowohl der FC Bayern als auch der TSV 1860 München ließen nicht locker und brachten den Rechtsfuß zum Nachdenken - die Entscheidung war nicht leicht.

Er war nämlich kein uneingeschränkter Bayern-Fan. Wie uns unsere Gesprächspartner bestätigten, hegte er auch Sympathien für die *Löwen *des Lokalrivalen TSV 1860 München. Sein Vater hingegen war Bayern-Fan, wollte seinen Sohn jedoch nicht beeinflussen. Die Eltern hätten ihm generell nie Druck gemacht, ihren Sohn jedoch bei jeder Entscheidung unterstützt.

Ausschlaggebend für die Entscheidung pro Bayern sei dann auch ein besonderes Spiel gewesen, das Jozic noch genau in Erinnerung hat. Die Gerner Jugend hatte ein Spiel am Vereinsgelände des TSV 1860 und Lahm hätte sich anschließend über "zu viele Löcher im Zaun" und einen Platz in "zu schlechtem Zustand" beschwert. Als er dann im Olympiastadion bei einem Bayern-Spiel Balljunge sein durfte, sei die Wahl gefallen und er wechselte mit zwölf Jahren an die Säbener Straße.

Verlieren ausgeschlossenUnd dort setzte sich Lahm durch, obwohl er immer einer der kleineren war. Sein Biss, sein Ehrgeiz, seine Disziplin und seine Intelligenz seien neben seinem großen Talent Gründe dafür gewesen, wie die vier einstimmig zusammenfassten. Biss und Ehrgeiz seien dazu Charakterzüge, die er nicht nur beim Fussball zeigt, sondern überall. Sei es beim Basketball, Billard, Dart, an der PlayStation oder beim Kartenspielen: Philipp Lahm hasse es, zu verlieren.

"Das langweilt ihn dann total. Das merkt man sofort an seiner Gestik", lacht Jozic. "Beim Schafkopf oder Watten [bayerische Kartenspiele, Anm. d. Red.] hat er immer einen Schuldigen gesucht. Das wurde dann schon ausdiskutiert", ergänzt Kessler. "Wenn wir verloren haben, dann war er richtig sauer und schlecht drauf", so Königsbauer.

Dass dies nicht zu oft passierte, dafür arbeitete der spätere Weltmeister hart. Mit viel Einsatz und starken Auftritten auf höchstem Niveau beeindruckte er seine ganze Karriere lang. Hermann Gerland, der ihn bei den Bayern-Amateuren coachte, sagte kürzlich am FIFA.com-Mikrofon: "Er war der beste 17-Jährige, den ich je gesehen habe. Er machte einfach keine Fehler und kein schlechtes Spiel." 

Öfter aufgestanden als hingefallenWas das betrifft, muss Theilacker ihn korrigieren, der sich an eine Partie erinnert, in der Lahm keinen Stich machte. Damals spielte ein Mädchen in der gegnerischen Mannschaft, die aufgrund ihrer Schnelligkeit als Lahms Gegenspielerin zugeteilt wurde. "Mit dieser Situation konnte er nicht umgehen. Er wusste nicht, wie er gegen das Mädel spielen sollte", schmunzelt Theilacker.

Doch trotz seines kometenhaften Aufstiegs hatte Lahm auch viele Rückschläge zu verzeichnen, als er oftmals kurz vor dem Ziel aufgehalten wurde: Niederlagen im Finale der UEFA EURO 2008, im Halbfinale der FIFA WM 2010 und der EURO 2012 sowie das verlorene Champions-League-Finale 2012 in München. Doch Lahm habe nie aufgegeben und sei aus diesen Situationen gestärkt herausgegangen.

Vor allem nach der Enttäuschung im Finale Dahoam 2012 habe Jozic gemerkt, "dass er es noch mehr wollte und alles noch mehr forcierte". Es zahlte sich aus und vielleicht waren es genau diese Rückschläge, die einem der weltbesten Außenverteidiger so viele Titel einbrachten.

"Mehr geht fast nicht. Ich nenne ihn nur noch Weltmeister, wenn wir uns sehen", so Jozic. Für alle vier war der Triumph vom Maracana auch eine Gelegenheit, an spezielle Situationen zurückzudenken, die sie mit dem Mann erlebten, der den WM-Pokal als erstes in den Himmel von Rio reckte.

Familienglück zur kompletten ZufriedenheitKönigsbauer  erzählt von einer gemeinsamen Radtour in Kindertagen, bei der Lahms Rad kaputt gewesen sei und er sich viel mehr anstrengen musste als alle anderen. Mithalten konnte er dennoch ohne Probleme. "Ich glaube, das haben die Eltern extra gemacht, um ihn zu trainieren," sagt er scherzhaft.

Bei Kessler war es die Erinnerung an einen Ski-Ausflug, den sie traditionell, bis zur Geburt von Lahms Sohn vor wenigen Jahren, an Heilig Abend unternahmen. Als Lahm 13 Jahre alt war, regnete es jedoch so kräftig, dass Kessler entschloss umzudrehen - womit Lahm nicht einverstanden war. "Da war er richtig sauer und hat mich sogar als Weichei beschimpft", lacht Kessler.

Wenn sie von diesen Geschichten berichten, ist ihnen anzumerken, wie stolz sie auf ihren ehemaligen Mitspieler, Schützling und Freund sind. Nun, nach dem Ende seiner aktiven Zeit kann er sich mehr Zeit für seine Frau und seinen kleinen Sohn nehmen. "Er geht in seiner Vaterrolle sehr auf, er nimmt das super an und ist total glücklich. Er ist auch reifer geworden", meint Jozic.

Doch Spaß könne man mit ihm haben "wie früher". Jedes Mal, wenn einer der Vier Lahm begegne, falle ihnen immer wieder auf, dass er weiterhin der gleiche Junge geblieben sei, der er damals in Gern im Münchner Westen war.

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