FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

FIFA Fussball-WM 2018™

Kubas Kapitän und die großen Stars

© AFP

Kubas Teamkapitän fand sich kürzlich zwischen zwei absoluten Fussball-Legenden wieder. Vor einem Freundschaftsspiel seiner Nationalmannschaft gegen New York Cosmos in Havanna saß der Abwehrroutinier direkt zwischen zwei Männern, die so berühmt sind, dass sie mit der Kurzform ihres Namens vorgestellt werden können: Pelé und Raúl.

"Es war mir ein großes Vergnügen", erklärt er später im Gespräch mit FIFA.com mit der in der kubanischen Hauptstadt üblichen Bescheidenheit. "Ich habe zwei großen Persönlichkeiten die Hände geschüttelt. Als Kapitän der kubanischen Mannschaft fühle ich mich unglaublich gut, und zwar nicht nur im Hinblick auf den Fussball, sondern auch auf das Leben an sich. Das ist eine sehr schöne Sache."

Der 36-Jährige Márquez spielt zwar nicht ganz in einer Liga mit den beiden Megastars, genießt im kubanischen Nationalteam jedoch großes Ansehen. Dies ist bereits das 16. Jahr, in dem er das Trikot der* Leones del Caribe *trägt. Wenn man die Jugendzeit mitzählt, ist er bereits seit vollen zwei Jahrzehnten in das kubanische Fussballsystem integriert. 

Sein Lebenslauf ist auf der Insel einzigartig. Márquez nimmt derzeit mit der Qualifikation für Russland 2018 bereits an der fünften WM-Qualifikation in Folge teil. Er erinnert sich noch gut an seinen ersten Auftritt im Qualifikationswettbewerb im Vorfeld von Korea/Japan 2002. Wenn der Verteidiger nächsten Monat in den USA im Aufgebot der Kubaner steht, ist er außerdem zum achten Mal in Folge beim CONCACAF Gold Cup dabei.

Perfektes TimingMárquez hat seit seinem Debüt im Jahr 2000 bereits 114 Länderspieleinsätze zu verzeichnen und 13 Tore für Kuba erzielt. Er spielt auf Vereinsebene für den FC Villa Clara in der heimischen Liga und hat in nächster Zeit nicht die Absicht, seine Fussballschuhe an den Nagel zu hängen.

"Ich fühle mich für mein Alter körperlich sehr fit", so Márquez, der beim kürzlichen torlosen Remis gegen Curaçao in der Qualifikation für Russland 2018 als Abwehrchef einen ausgesprochen starken und selbstbewussten Eindruck machte. "So lange ich mich mental so gut fühle wie jetzt, bin ich fest davon überzeugt, dass ich noch einige Jahre spielen werde."

Auch bei Kubas 1:4-Niederlage gegen New York Cosmos, das in der NASL – der zweiten Profiliga der USA und Kanadas – antritt, hinterließ der Kapitän einen guten Eindruck. Die Gastgeber aus Kuba mussten sich zwar geschlagen geben, für Márquez war die Partie jedoch eine ideale Vorbereitung für die WM-Qualifikation, bei der er und seine Teamkameraden möglichst lange dabei sein wollen.

"Das Timing war perfekt", meint er und fügt hinzu, die Kubaner wären das Freundschaftsspiel gegen Raúl und Co. angegangen, als handele es sich dabei um "das erste Qualifikationsspiel". Im eigentlichen ersten Vorrundenspiel der WM erzielten die Mannen von der Karibikinsel dann ein wesentlich solideres Ergebnis: Sie erkämpften auswärts gegen das vom ehemaligen Barça- und Holland-Star Patrick Kluivert trainierte Curaçao ein torloses Unentschieden. Am Sonntag findet das Rückspiel in Havanna statt.

Nicht viele ausländische Klubs gastieren in der Karibiknation, weshalb der Besuch von Cosmos ein besonderer Leckerbissen war. Tatsächlich war dies der erste Besuch eines Teams aus den USA seit der Stippvisite des längst aufgelösten Chicago Sting im Jahre 1978.

Die Cosmos-Spieler waren in der Hoffnung angereist, mit ihrem Besuch auf der Karibikinsel, die sich so lange in einer politischen und diplomatischen Sackgasse mit der U.S.-Regierung befunden hatte, die Tür für andere amerikanische Mannschaften aufstoßen zu können. Márquez hofft nun, dass kubanische Spieler in Zukunft die Chance bekommen werden, ihr Glück im Ausland zu versuchen. Für ihn und die meisten seiner Teamkameraden aus den vergangenen Jahren war dies sehr unwahrscheinlich.

An jeder Ecke wird Fussball gespielt"Es gibt schon eine gewisse Erwartungshaltung, was unsere Möglichkeiten angeht, in anderen Ländern zu spielen", so Márquez.

Kuba hat sich einen Ruf als Baseball-Land aufgebaut, da viele Spieler in den großen Ligen Amerikas aktiv waren. Seit Márquez vor 20 Jahren sein Profidebüt gab, hat der Fussball auf der Insel jedoch große Fortschritte gemacht. "Er wird auf jeden Fall populärer", meint er. "Das erkennt man auch daran, dass die Kinder heute an jeder Straßenecke Fussball spielen. Das kann nur positiv für uns sein."

Hier in Havanna trifft man in den Straßen überall auf Fans, die das Trikot ihrer Lieblingsmannschaft tragen. Dabei gibt es eine Verbindung zu Real Madrid, die mehr als ein Jahrhundert zurückreicht. Mit den Brüdern Armando, Mario und José Giralt sowie Antonio Sánchez Neyra spielten im Jahre 1902 nämlich vier Kubaner in der allerersten Mannschaft von Real Madrid.

"Am Tag des Clásico kommt das Leben auf Kuba zum Erliegen. Ich schwöre!", meint Márquez lachend mit Blick auf den neben ihm auf dem Podium sitzenden Raúl, einen der großen ehemaligen Star des spanischen Spitzenklubs. "Ich selbst bin Fan von Real Madrid, aber ich handhabe das sehr locker."

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