FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Kroatien: Der Stachel der Enttäuschung sitzt tief

"Katastrophe", "Weltuntergang", "Angsthasenfußball" - Die kroatischen Medien übertrafen sich nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der FIFA WM 2006™ gegenseitig mit Superlativen. Der Stachel der Enttäuschung sitzt tief im Land an der Adriaküste und pumpt dicke Tränen in die Euphorie. Nach der erfolgreichen Qualifikation und dem beeindruckenden Auftaktmatch gegen Brasilien kannten die Erwartungen bei Spielern, Medien und Fans keine Grenzen. Experten sahen die Vatreni, die Feurigen, bereits vor dem ersten Anstoß im Achtelfinale. Man diskutierte über die potenzielle Aufstellung gegen Italien und machte sich Gedanken über ein Viertelfinale. Vor dem ersten Schritt auf dem Weg zum WM-Marathon philosophierte man schon über den Zieleinlauf.

Und die erste Begegnung in der Gruppe F gab allen Anlass zum Optimismus. Gegen den fünffachen Weltmeister Brasilien zeigte die Elf von Trainer Zlatko Kranjcar eine überragende Leistung und hätte sich ein Remis verdient gehabt. "Wir können mit den Ballzauberern aus Südamerika mithalten", titulierten unisono die Tageszeitungen nach der unglücklichen 0:1-Niederlage und forderten für die kommenden Partien gegen Japan und Australien zwei Siege. Man ging sogar soweit und verglich die Mannschaft mit dem legendären Team von 1998. Dass es gegen die Kicker aus dem Land der untergehenden Sonne nur zu einem mühsamen 0:0 reichte, hätte einige Aktive und Funktionäre stutzig machen müssen. Doch das Gegenteil war der Fall. Man sah das Unentschieden als Betriebsunfall an und war überzeugt von dem Erreichen der zweiten Runde. "Es ist nichts verloren. Natürlich wäre ein Sieg gegen Japan wichtig gewesen, aber wir haben gegen Australien noch alle Trümpfe in der Hand", äußerte sich Robert Kovac nach dem unerwarteten Punktverlust.

Spätestens nach diesem mühsamen Remis hätte man bemerken müssen, dass Anspruch und Wirklichkeit beim WM-Dritten von 1998 weit auseinanderklaffen. Die Generation der Kovac, Kranjcar und Prso besitzt nicht die Qualität der "goldenen Generation" um Boban, Prosinecki oder Suker. Die Mannschaft der WM in Frankreich war gespickt mit Spielern, die in europäischen Topteams wie dem AC Mailand oder Real Madrid zu den Leistungsträgern gehörten. Acht Jahre später setzte sich der Kader aus Kickern zusammen, die in ihren Klubs oft nur die zweite Geige spielen. So haben beispielsweise von den fünf Bundesliga-Profis nur Ivan Klasnic und Josip Simunic sichere Stammplätze. Die permanenten Vergleiche mit den kroatischen Fußballidolen haben das Team von 2006 zusätzlich unter Druck gesetzt, dem sie zu keinem Zeitpunkt standhalten konnten.

Im "Finale" um den Einzug ins Achtelfinale gegen Australien kam diese Tatsache besonders offensichtlich zum Ausdruck. Trotz zweimaliger Führung gelang es der Elf um Kapitän Niko Kovac nie, das Spiel in den Griff zu bekommen und den notwendigen Sieg einzufahren. Die Mannschaft zog sich nach den Führungstreffern aus unerklärlichen Gründen in den eigenen Strafraum zurück und ließ die Socceroos kommen. Die Konsequenz dieser Taktik: Australien glich zweimal aus, qualifizierte sich verdient für das Achtelfinale und riss die Kroaten aus allen WM-Träumen. "Wir sind hoch geflogen und tief gefallen. Wir konnten unseren eigenen Ansprüchen nie gerecht werden", fasste Trainer Kranjcar die Niederlage gegen die Aussies und das Ausscheiden zusammen. Und für die Zukunft sehen die "Fussball-Auguren" schwarz. Prominente Kommentatoren wie Zvonimir Boban sehen den kroatischen Fußball "in einem Meer voller Probleme" und prophezeien eine lange sportliche Durststrecke.

Doch bei aller Kritik und Enttäuschung sollte man nicht vergessen, das Positive heraus zu streichen. Und dazu gehörten neben dem engagierten Spiel gegen Brasilien vor allem die fantastischen kroatischen Fans. Sie sorgten in Berlin, Nürnberg und Stuttgart für eine Gänsehaut-Atmosphere und feuerten ihr Team fanatsievoll und emotional an. Selbst nach der Niederlage gegen die Elf aus "Down Under" verabschiedeten sie ihre Lieblinge mit Standing Ovations. "Unsere Anhänger waren einfach sensationell. Ich bin stolz auf solche Fans und werde ihre heißblütige, aber friedliche Unterstützung bei dieser WM mein Leben lang nicht vergessen", lobte Robert Kovac zum Abschied die treuen kroatischen Fans.