FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Keiner dieser Tage...

Wie oft hat man einen Spieler nach einer Begegnung, in der das eigene Team keinen Treffer erzielen konnte, nicht schon sagen hören, dass es "heute ein Tag war, an dem der Ball einfach nicht reingehen wollte"? Die Nordamerikaner hatte 91 Minuten lang Zeit, um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass dieser Mittwoch einer dieser Tage war. Doch dann kam Landon Donovan und bewies allen, dass er es von Anfang an gewusst hatte.

"Es gibt Spiele, in deren Verlauf man irgendwann merkt, dass der Ball einfach nicht reingehen wird – ganz gleich was man versucht. Das war heute aber nicht der Fall", so der Spieler mit der Rückennummer zehn im Interview gegenüber der FIFAkurznachdem er den 1:0-Siegtreffer gegen Algerien erzielt und seinem Team einen Platz im Achtelfinale gesichert hatte. "Ganz im Gegenteil: Ich war immer davon überzeugt, dass der Ball früher oder später reingehen würde", so Donovan wenige Minuten nachdem das Team den ehemaligen U.S.-Präsidenten Bill Clinton in der Kabine empfangen hatte.

Dabei hätte das Tor von Donovan keine Sekunde später fallen dürfen. Nachdem die USA bereits 21 Mal auf das gegnerische Gehäuse geschossen und während des gesamten Spiels unglaubliche Torchancen ausgelassen hatten, spielte Jozy Altidore in der 91. Spielminute einen flachen Ball vor das Tor, woraufhin der algerische Torhüter Rais M’Bolhi in höchster Not vor dem einschussbereiten Clint Dempsey retten musste. Der Ball landete bei Donovan, der ihn seelenruhig ins Tor einschieben konnte.

"Genau genommen weiß ich gar nicht, wie der Ball bei mir gelandet ist. Das ging alles so schnell. Das war auch ganz gut so, ich hatte schließlich nicht einmal Zeit nachzudenken. Es war folglich eher eine spontane Reaktion: Ich habe nur das gemacht, was jeder gemacht hätte", so der U.S.-amerikanische Mittelfeldakteur, der anscheinend die Fähigkeiten der meisten Menschen, vor einem entscheidenden Tor einen kühlen Kopf zu bewahren, überschätzt.

War das Fussball?
Am Ende stand es zwar nur 1:0, doch die Begegnung im Loftus-Versfeld-Stadion von Tshwane/Pretoria war bisher eine der emotionsreichsten Partien dieser WM. Nicht nur wegen des hollywoodreifen Ausgangs, sondern insbesondere aufgrund der vielen klaren Torchancen, die beide Mannschaften – insbesondere die USA – ausgelassen hatten. Der Sieg der Engländer gegen Slowenien im Nelson-Mandela-Bay-Stadion von Port Elizabeth bedeutete, dass bei einem Unentschieden sowohl die U.S.-Amerikaner als auch die Algerier ausgeschieden wären. Das Ergebnis war ein offener Schlagabtausch und ein Spielgeschehen, das sich selten im Mittelfeld abspielte.

"Beide Seiten standen unter Druck. Insbesondere in der zweiten Halbzeit war das eigentlich kein Fussballspiel mehr", scherzt der U.S.-amerikanische Schlussmann Tim Howard im Interview gegenüber FIFA.com. "Das war ein riesiges Festival, bei dem jeder rannte, kämpfte und versuchte, ein Tor zu schießen. In diesen Fällen ist es immer gut, wenn man als erstes trifft, schließlich hatten beide Mannschaften schon lange die Visiere hochgeklappt."

Der Druck, auf den sich Howard bezieht, war gewaltig und lastete auf jedem einzelnen der 22 Akteure auf dem Feld. Größer war sicherlich der mentale Druck, dem sich die U.S.-amerikanischen Angreifer ausgesetzt sahen, da trotz zahlreicher guter Chancen die vorzeitige Heimreise drohte. "Das will ich gar nicht wissen! Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es mir gehen würde. Daran habe ich keinen Gedanken verschwendet, da ich wusste, dass wir am Ende treffen würden", so ein lachender Jozy Altidore nach dem Spiel gegenüber FIFA.com. "Ich glaube, dass ich an nichts anderes hätte denken können. Ich hätte schlaflose Nächte. Ich würde mich nicht gerne daran schuldig fühlen, aus diesem Grund ausgeschieden zu sein", so ein gut gelaunter Angreifer.

Das Drama hat letztendlich dem U.S.-amerikanischen Achtelfinaleinzug zusätzlichen Glanz und Glamour verpasst. Darüber hinaus ist die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ um einen weiteren sehenswerten Treffer reicher geworden. Ein Treffer, den Donovan einzuordnen weiß: "Da besteht kein Zweifel. Das ist der schönste Moment meiner Karriere."

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