FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Kalou: "Der Druck hat uns gehemmt"

JOHANNESBURG, SOUTH AFRICA - JUNE 20: Gilberto Silva of Brazil challenges Salomon Kalou of Ivory Coa
© Getty Images

Der ivorische Nationalspieler Salomon Kalou zieht für die FIFA nach den ersten zwei Gruppenspielen der Elfenbeinküste bei dieser FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ eine Zwischenbilanz. Seiner Meinung nach hatten die afrikanischen Mannschaften mit dem enormen Druck zu kämpfen, den Erwartungen eines ganzen Kontinents gerecht werden zu müssen.

Nachdem Kalou an der Seite seines Landmanns Didier Drogba beim FC Chelsea in der vergangenen Saison glänzende Leistungen zeigte, blieb er bei diesem WM-Turnier weit hinter den Erwartungen zurück. Weder in der Auftaktpartie gegen Portugal noch im zweiten Spiel gegen Brasilien konnte der von Sven-Göran Eriksson auf der linken Außenbahn eingesetzte Flügelstürmer in den Zweikämpfen überzeugen. Stets vermisste man bei ihm den nötigen Biss. Der ehemalige Publikumsliebling von Feyenoord Rotterdam sprach von dem "enormen Druck", mit dem er und seine afrikanischen Fussballkollegen bei diesem historischen Turnier zu kämpfen hatten.

In einem Exklusivinterview mit der FIFA sprach der derzeitige Premier League-Spieler über die beiden Gruppenspiele seiner Mannschaft, die Brasilianer, seinen Teamkollegen Didier Drogba und die afrikanischen WM-Teilnehmer.

Salomon Kalou, wenn Sie auf die beiden ersten Gruppenspiele zurückblicken, was hätte die ivorische Mannschaft besser machen können?
Gegen Portugal hätten wir sicherlich mehr Druck machen müssen. Wir haben nicht offensiv genug gespielt, auch wenn wir letztendlich noch ein paar gute Chancen herausspielen konnten. Gegen Brasilien haben wir einfach zu weit hinten verteidigt und den Brasilianern zu oft den Ball überlassen. Das rächt sich gegen eine solche Spitzenmannschaft schnell, denn es ist kaum möglich, den Ball von einem solchen Team zurückzuerobern. Dann rennst du nur noch hinter dem Ball her und bist irgendwann erschöpft – das macht der Gegner sich natürlich zunutze. Das ist bedauerlich, aber nur auf diese Weise kann man lernen.

Welche Lektionen ziehen Sie aus dem Spiel gegen die Seleçao?**
Unsere Strategie ist nicht wirklich aufgegangen. Wir wollten die Brasilianer kommen lassen und dann auf Konter spielen. Aber gut, so ist das nun einmal im Fussball. Das kann passieren. Man beginnt ein Spiel mit einer festen Strategie im Kopf und schafft es dann nicht, diese Strategie dem laufenden Spiel anzupassen. Oder es stellt sich heraus, dass die Strategie des Gegners einfach besser funktioniert, da seine Spieler vorteilhafter positioniert und abgeklärter sind. Unsere Mannschaft ist noch sehr jung, das darf man nicht vergessen. Wir verfügen zwar über talentierte Spieler in unseren Reihen, doch wir sind erst zum zweiten Mal bei einer WM dabei. Die Brasilianer haben einfach mehr Erfahrung als wir. Sie sind in solchen Spielen routinierter, waren geduldiger und hatten ihre Nerven besser im Griff.

Was war das für eine Erfahrung für Sie persönlich, im Soccer-City-Stadion gegen die legendären Brasilianer zu spielen?Das war eine fantastische und sicherlich unvergessliche Erfahrung für mich, auch wenn wir das Spiel verloren haben. Seit ich ein kleiner Junge war, habe ich davon geträumt, einmal bei einer WM gegen Brasilien anzutreten. Dieser Kindheitstraum ist nun wahr geworden und das ist schon ein tolles Gefühl. Wir konnten aus dieser Partie viel für uns mitnehmen. Wie gesagt, das gehört für uns alles zum Lernprozess. Wir haben gezeigt, dass wir eine gute, solide Mannschaft haben. Das werden wir auch im Spiel gegen die DVR Korea noch einmal unter Beweis stellen. Auch wenn wir ausscheiden sollten, wollen wir mit erhobenem Haupt vom Platz gehen.

Sie sprechen von einem stetigen Lernprozess. Allerdings könnte diese WM für den bereits 32-jährigen Didier Drogba die letzte sein...Bei der WM 2014 in Brasilien wird Didier 36 Jahre alt sein. Er wäre nicht der erste Spieler, der in diesem Alter noch an einer WM teilnimmt. Schauen Sie sich nur einmal den mexikanischen Spieler Cuauhtémoc Blanco an! Sollte Didier 2014 noch so gut in Form sein, ist er hoffentlich wieder mit von der Partie – vorausgesetzt wir können uns für die kommende WM qualifizieren. Er ist sehr zielstrebig und weiß genau, was er will. Didier gehört zu den besten Stürmern der Welt und hat bereits eine fabelhafte Fussballkarriere hinter sich. Man muss ihm Respekt zollen. Er besitzt natürliche Führungsqualitäten und ist eine große Bereicherung für unser Team.

Sind Sie vom bisherigen Abschneiden der afrikanischen Teams bei diesem Turnier enttäuscht?Ich denke, die afrikanischen Mannschaften haben sich selbst enorm unter Druck gesetzt, da sie zum ersten Mal bei einer WM auf dem eigenen Kontinent antreten konnten. Die Erwartungen waren extrem hoch und alle Mannschaften wollten unbedingt eine gute Leistung abliefern. Doch dieser Druck hat uns mehr gestresst als alles andere. Ich denke, er hat uns gehemmt, frei aufzuspielen. Es war nicht zu übersehen, dass viele Spieler den hohen Erwartungen bei diesem Turnier einfach nicht standhalten konnten. Der Druck lastete so schwer auf ihren Schultern, dass sie ihre Qualitäten gar nicht erst entfalten konnten.

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