FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Frankreich 1938™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Frankreich 1938™

4 Juni - 19 Juni

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1938™

Italien verteidigt den Titel

  • ​Italien verteidigt als erste Nation den WM-Titel
  • Leonidas erzielt sieben Tore für Brasilien
  • Silvio Piola gelingt im Finale ein Doppelpack

Die dritte FIFA Fussball-WeltmeisterschaftTM fand in Frankreich statt. Über Europa zogen bereits die dunklen Wolken des Zweiten Weltkriegs herauf, und eine Reihe großer Fussballnationen war dem Turnier aus politischen Gründen ferngeblieben. So hatte sich Österreich zwar qualifiziert, zog jedoch seine Mannschaft zurück (einige seiner Spieler traten schließlich in den Farben Deutschlands an), während Spanien aufgrund des Bürgerkriegs keine Mannschaft entsandte. Auch Argentinien und Uruguay blieben dem Turnier fern.

In Straßburg zeigten Brasilien und Polen eines der größten Spiele aller Zeiten, bei dem sich schließlich die Südamerikaner mit 6:5 nach Verlängerung durchsetzten, dank vier Toren von Leonidas, der eine Zeitlang sogar barfuß spielte. Im Finale in Paris schlug Italien Ungarn mit 4:2.

Das Weltpokal-Turnier auf französischem Boden in modernen Stadien genoss große Popularität und bot die letzte Gelegenheit, sich gemeinsam auf internationaler Bühne zu zeigen, bevor im folgenden Jahr der Weltkrieg ausbrach.

In Spanien tobte der Bürgerkrieg, Deutschland hatte gerade Österreich annektiert und ein krisengeschütteltes Europa bereitete sich auf den Krieg vor, als die FIFA beschloss, dass das dritte Weltpokal-Turnier in Frankreich stattfinden sollte. Anlässlich dieses Ereignisses hatte man das "Stade de Colombes" vergrößert und die Stadien in Bordeaux und Marseille modernisiert. Zum ersten Mal waren die Gastgeber und der Titelverteidiger automatisch qualifiziert.

Der Wettbewerb wurde jedoch erneut von den Südamerikanern boykottiert, die der Ansicht waren, dass diesmal Argentinien an der Reihe war und nicht schon wieder der alte Kontinent. Brasilien nahm die weite Anreise auf sich und zeigte sich als eine der ganz großen Überraschungen des Turniers. Die Mannschaft spielte unvergleichbar schönen Fußball, erwischten einen tollen Start und besiegte dann wie erwähnt die Polen nach Verlängerung in einem unglaublichen Spiel mit 6:5, wobei Leonidas, der "schwarze Diamant" und Polens Willimowski jeweils vier Treffer erzielten! Leider endete das Viertelfinal-Spiel in Bordeaux zwischen Brasilien und der Tschechoslowakei in einer wüsten Rauferei, bei der drei Spieler vom Platz gestellt und fünf verletzt wurden. Zwei von ihnen mussten sogar mit Brüchen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Gastgeber Frankreich besiegte Belgien mit 3:1, dank seinem Rechtsaußen Fred Aston, dessen blitzschnelle Vorstöße entlang der Seitenlinie spielentscheidend waren. Zum Leidwesen der 58.455 Anhänger, die das Yves-du-Manoir-Stadion in Colombes, nahe Paris, bis auf den letzten Platz füllten, unterlag die französiche Equipe Team im Viertelfinale den Italienern mit 1:3. Im Gegensatz zu den beiden bisherigen Gastgeberländern, Uruguay und Italien, sollte es Frankreich also nicht gelingen, den Weltpokal auf eigenem Boden zu gewinnen.

Das Halbfinale zwischen Italien und Brasilien schien das vorweggenommene Endspiel zu sein, bis Brasiliens Coach Adheniar Pimenta einer groben Fehleinschätzung unterlag und beschloss, zwei seiner wichtigsten Spieler, unter anderem seinen Goalgetter Leonidas, aus dem Team zu nehmen. "Ich schone ihn für das Finale," erklärte Pimenta. Keineswegs eingeschüchtert erwies sich die Squadra Azzurra als das bessere Team, setzte sich mit 2:1 durch und erhielt damit die Möglichkeit, den Titel gegen Ungarn, das sich problemlos gegen Schweden durchsetzte, zu verteidigen.

Im Finale bestimmten Meazza und Ferrari, die beiden italienischen Strategen, das Spiel und die bereits legendäre italienische Effizienz tat das Übrige. Italien gewann - mit 4:2 - und ging mit zwei aufeinanderfolgenden Weltpokal-Triumphen als eine der großen Fußballnationen in die Geschichte ein. Dann jedoch kam der zweite Weltkrieg und mit ihm das vorläufige Ende des Weltfußballs. Die so talentierte Generation italienischer Fußballer war damit um weitere große Erfolge gebracht. Erst 12 Jahre später sollte wieder ein Weltpokal stattfinden.