FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Hitzfeld vermisste die Präzision

© Getty Images

Es gehört zu den grundsätzlichen Regeln des Fussballs, dass ein Team, das keine Tore schießt, auch kein Spiel gewinnen kann. Am Freitagabend in Bloemfontein musste die Schweiz diese Weisheit schmerzlich am eigenen Leib erfahren. Zwar kombinierten die Eidgenossen gefällig, doch vor dem gegnerischen Gehäuse ließen sie die notwendige Effizienz vermissen. Dies und nichts anderes war der ausschlaggebende Punkt, warum das Alpenland nicht über ein torloses Remis gegen Honduras hinaus kam und es damit verpasste, sich in der bis zum Schluss spannenden Gruppe H der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ für das zum Greifen nahe Achtelfinale zu qualifizieren.

Hitzfeld vermisst die Genauigkeit"Was gefehlt hat? Die Tore! Bis zum gegnerischen 16-Meter-Raum war alles perfekt, doch wir haben ganz einfach die Kaltschnäuzigkeit vermissen lassen", erklärte Offensiv-Routinier Hakan Yakin nach der Partie in den Katakomben des Free-State-Stadions im Gespräch mit der FIFA. "Die Enttäuschung bei uns ist jetzt natürlich groß, denn wir waren gewillt, mit mindestens zwei Treffern Unterschied zu gewinnen, um die K.o.-Phase zu erreichen. Doch wir hatten kein Glück!"

Ob das Grundproblem der Schweizer einfach nur mit Pech zu erklären ist, bleibt fraglich. Trainer Ottmar Hitzfeld wollte das gegenüber FIFA.com nicht so gelten lassen: "Wir haben generell in der letzten Zeit Probleme mit dem Toreschießen. Es fehlt an Präzision", so der deutsche Erfolgscoach, der in seiner Karriere bereits die UEFA Champions League mit Borussia Dortmund und Bayern München gewinnen konnte.

Ein Traumstart, der zum Boomerang wurdeIn der Tat: Den im Angriff von Beginn an stürmenden Blaise Nkufo und Eren Derdiyok boten sich gleich reihenweise gute Einschussmöglichkeiten, die in exzellenter Manier von Flügelspieler Tranquillo Barnetta kreiert wurden. Und auch der später eingewechselte Alexander Frei hatte die Führung für die Schweizer auf dem Fuß. Meistens resultierten die Torchancen des Hitzfeld-Ensembles jedoch aus Flanken, während man sich im Zentrum schwer tat, die Offensivabteilung in Szene zu setzen. "Der finale Pass hat gefehlt, und deshalb haben wir es auch nicht verdient, weiterzukommen", so Barnetta offen und ehrlich auf FIFA-Nachfrage.

Dennoch muss das Grundproblem der Schweizer bei dieser WM-Endrunde tiefer gesucht werden. Zum einen konnte sich in den Wochen vor der Südafrika-Reise keine Sturmreihe einspielen, da mit Marco Streller ein unter Hitzfeld eigentlich fest eingeplanter Angreifer verletzungsbedingt ausfiel und mit dem Torjäger vom Dienst, Frei, ein zweiter ebenfalls verletzungsbedingt nicht in Topform war. Und zweitens hatte man mit einem Umstand zu kämpfen, der sich zunächst als ein Traum darstellte, am Ende aber zum Boomerang wurde.

Übersteigerte Erwartungen
Gemeint ist natürlich der sensationelle 1:0-Auftaktsieg gegen Europameister Spanien, mit dem die Fussballwelt in keinster Weise gerechnet hatte und der das Schweizer Team bei dieser WM fortan auf einer trügerischen Welle reiten ließ. Auch wenn Barnetta sagt, der dreifache Punktgewinn gegen die Iberer habe sie "nicht geblendet", so führte er dennoch dazu, dass man im zweiten Gruppenspiel gegen Chile mit übersteigerten Erwartungen zu kämpfen hatte. "Gegen Chile, das war ein blödes Spiel", so der dynamische Offensivmann von Bayer Leverkusen. Man verlor prompt, und hatte danach mehr damit zu kämpfen, gegen Honduras wieder zu mentaler Stärke zurückzufinden, als an seiner Abschlussschwäche zu arbeiten.

Dabei war der Turnierverlauf aus Sicht der Schweizer gar nicht so unlogisch. Gegen Spanien musste man nicht das Spiel machen und profitierte von den eigenen Konterqualitäten. Das Reagieren fällt ihnen nun mal einfacher als das Agieren. Und im Duell mit Honduras, in dem die Hitzfeld-Truppe schließlich Dominanz ausstrahlen musste, wurde man fast sogar mit den eigenen Waffen geschlagen. Am Ende steht ein Südafrika-Auftritt, bei dem man in drei Spielen lediglich einen Gegentreffer hinnehmen musste. Aber halt auch nur ein Tor schoss. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist alles. Fussball kann so einfach sein.

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