FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Frankreich 1998™

10 Juni - 12 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1998™

Historischer Erfolg für "Les Bleus"

  • ​Frankreich gewinnt gegen Brasilien zum ersten Mal die WM
  • Ronaldo gewinnt den Goldenen Ball von adidas, Davor Suker den adidas Goldenen Schuh
  • Debütant Kroatien bezwingt Deutschland und holt Bronze

Die 16. FIFA Fussball-Weltmeisterschaft ™ war das größte derartige Turnier aller Zeiten: Insgesamt nahmen Mannschaften aus 32 Ländern teil, und es wurden 64 Begegnungen ausgetragen. In der Vorrunde spielten die acht Gruppen zu je vier Mannschaften über ganz Frankreich verteilt in zehn teils brandneuen, teils modernisierten Stadien. Das Eröffnungsspiel und auch das Finale fanden im großartigen neuen "Stade de France" im Pariser Norden statt.

Da 32 Länder teilnehmen konnten, waren 30 Qualifikationsplätze zu vergeben, was den Ländern aus Afrika und Asien zu Gute kam. Die Gruppen wurden dem Anspruch einer Weltmeisterschaft in idealer Weise gerecht, denn mit Ausnahme einer Gruppe bestanden alle aus je zwei europäischen, einer amerikanischen und einer afrikanischen oder asiatischen Mannschaft.

Wie so oft bei FIFA Fussball-Weltmeisterschaften gab es auch diesmal in der ersten Runde einige Überraschungen, und einige der als Favoriten gehandelten Mannschaften mussten vorzeitig abreisen. In der zweiten Runde fanden sich somit einige Teams, denen man dies eher nicht zugetraut hatte. Spanien fiel erneut dem Fluch zum Opfer, der bei Weltmeisterschaften auf der Mannschaft zu liegen scheint. Nach einem verpatzten Start konnten die Iberer trotz ihres starken Endspurts die Runde der letzten 16 nicht erreichen. Nachdem die Mannschaft von Javier Clemente in ihrem ersten Spiel gegen Nigeria 2:3 unterlegen war und gegen Paraguay nicht über ein 0:0 hinaus kam, half auch der 6:1-Kantersieg über Bulgarien nicht mehr, da Paraguay völlig überraschend gegen den Gruppenersten Nigeria gewann und sich damit auf Spaniens Kosten für das Achtelfinale qualifizierte.

Auch Kolumbien gelang das Weiterkommen nicht. In der Gruppe stand am Ende Rumänien auf Platz 1, nachdem die Mannschaft überraschend England mit 2:1 geschlagen hatte. Schottland war in der Gruppe A mit Brasilien ebenso chancenlos, wie Jamaika in der Gruppe H mit Argentinien. Die Fans dieser Mannschaften jedoch verbreiteten in den ersten zwei Wochen des Turniers in ganz Frankreich ihre Begeisterung und Freude. Für Marokko hatte das Ausscheiden aus dem Turnier einen etwas bitteren Beigeschmack, kam es doch nur dazu, da Norwegen durch einen Elfmeter in der letzten Minute gegen die starken Brasilianer gewann und so den Nordafrikanern den zweiten Gruppenplatz wegschnappte.

Im Achtelfinale kam es zu einem wahrhaft historischen Spiel zwischen England und Argentinien. Die erste Halbzeit ist als Klassiker in die Annalen des Fußballs eingegangen: Bereits in den ersten zehn Minuten gab es für beide Mannschaften jeweils einen Strafstoß, Michael Owen erzielte eines der schönsten Tore des Turniers und sorgte damit für die Führung der Briten, und unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff gelang Javier Zanetti ein perfektes Freistoßtor zum 2:2-Ausgleich. Nach der Pause gab es keine Treffer mehr, dafür aber dramatische Situationen im Überfluss: David Beckham wurde wegen Nachtretens gegen Diego Simeone des Feldes verwiesen, ein Treffer von Sol Campbell wurde wegen eines Fouls am argentinischen Torhüter nicht anerkannt, Verlängerung, Elfmeterschießen... Carlos Roa hielt den fünften und letzten Elfmeter für England, getreten von David Batty, und sicherte so seiner Mannschaft das Weiterkommen.

Derweil setzte Gastgeber Frankreich seinen Weg unbeirrbar fort und kam mit jedem Sieg dem Finale einen Schritt näher. Nach einer makellosen Serie in der Vorrunde traf Frankreich im Achtelfinale auf Paraguay. Die Südamerikaner leisteten erbitterten Widerstand und so brauchte Frankreich zum Weiterkommen das erste (und bislang einzige) "Golden Goal" bei einer Fußball-WM, erzielt von Laurent Blanc in der 113. Minute. Der nächste Gegner Frankreichs war im Viertelfinale Italien. Dieses Mal half den Franzosen das Gebälk. Roberto Baggio verfehlte in den letzten Minuten der Verlängerung mit einem Kopfball das Tor nur um Haaresbreite, und der letzte und entscheidende Elfmeter im anschließenden Elfmeterschießen wurde von Luigi di Biagio mit Wucht an die Querlatte gesetzt.

Im Halbfinale traf der Gastgeber auf die Überraschungsmannschaft des Turniers, auf Kroatien. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme nach der Teilung des ehemaligen Jugoslawiens in mehrere Staaten hatten die Mannen von Trainer Miroslav Blazevic in den karierten Trikots bereits großen Eindruck hinterlassen. Unter anderem hatte die Mannschaft im Viertelfinale Deutschland mit 3:0 abgefertigt und nach Hause geschickt. Im Halbfinale ging Kroatien zum Entsetzen der Zuschauer unmittelbar nach dem Wiederanpfiff durch einen Treffer von Davor Suker, Gewinner des Goldenen Fußballschuhs, in Führung. Dann schlug die Stunde des Lilian Thuram, der im direkten Gegenzug ausglich und kurz darauf seinen zweiten Treffer erzielte und damit ein Traumfinale perfekt machte: Gastgeber Frankreich gegen Titelverteidiger Brasilien, das sich gegen Chile, Dänemark und die Niederlande durchgesetzt hatte.

Der 12. Juli sollte für Frankreich ein Tag des Ruhmes werden, wie es in der Nationalhymne "La Marseillaise" heißt. Durch einen Kopfballtreffer in der 27. Minute und einen zweiten in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit fegte der französische Spielmacher und Superstar Zinedine Zidane Brasilien quasi im Alleingang vom Thron. Zwar wurde in der 68. Minute Marcel Desailly des Feldes verwiesen, aber das französische Abwehrbollwerk überstand nicht nur die heftige Schlussoffensive der Brasilianer, sondern es gelang den verbliebenen Spielern sogar in der letzten Minute durch einen mustergültigen Konter und einen ebenso mustergültigen Abschluss durch Emmanuel Petit noch ein weiterer Treffer zum 3:0-Triumph. Der Schlusspfiff des marokkanischen Schiedsrichters Belqola, des ersten Afrikaners, der je bei einem WM-Endspiel als Offizieller eingesetzt wurde, schickte das gesamte Land in einen kollektiven Freudentaumel. Allein auf dem Champs Elysées tanzten und feierten mehr als eine Million überglücklicher Franzosen die ganze Nacht durch.