FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

Hidalgo: "Schönen Fussball zu spielen reicht nicht aus"

Michel Platini of France with coach Michel Hidalgo
© Getty Images

Als Frankreich 1982 in der berühmten Nacht von Sevilla zum zweiten Mal in der Fussballgeschichte bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ auf Deutschland traf, war Michel Hidalgo der Trainer der Equipe Tricolore. Seit seinem Amtsantritt als Cheftrainer der französischen Nationalmannschaft 1976 hatte er aus einer erfolglosen und schwachen Mannschaft Schritt für Schritt ein nahezu unüberwindbares und international äußerst selbstbewusst auftretendes Team geformt.

Der ehemalige Fussballprofi, der 1984 als Trainer der Bleus den Europameistertitel gewann, hatte dabei die Weiterentwicklung und das Heranreifen einer Goldenen Generation gefördert, die auf höchstem Niveau spielte und Spieler wie Michel Platini, Alain Giresse und Maxime Bossis hervorbrachte. Während sich die Schützlinge von Didier Deschamps auf das Viertelfinalspiel der WM 2014 in Brasilien gegen Deutschland vorbereiten, hat sich Hidalgo zu einem Gespräch mit FIFA.com bereit erklärt. Darin analysiert er die Stärken der derzeitigen Spieler und erinnert sich an die schmerzhafte Niederlage seiner Mannschaft im Halbfinale der WM 1982 in Spanien gegen die Mannschaft mit Manfred Kaltz, Pierre Littbarski und natürlich Torhüter Harald "Toni" Schumacher.

Welche Erinnerungen haben Sie heute an die Niederlage gegen Deutschland im WM-Halbfinale am 8. Juli 1982?
Diese Begegnung bleibt uns zwangsläufig in schlechter Erinnerung. Wir waren froh, eine so gute Leistung gezeigt zu haben, und Deutschland war ein ernstzunehmender Gegner. Und es war in jeder Hinsicht ein gutes Spiel. Es war unterhaltsam und spannend und beide Mannschaften haben toll gekämpft. Unglücklicherweise ist dann die Sache mit dem deutschen Torhüter passiert, der Battiston voll getroffen hat. Platini hat Battiston begleitet und seine Hand gehalten als er mit der Bahre vom Spielfeld getragen wurde. Man hat gesehen wie sein Arm zitterte, und dass er das nicht abstellen konnte. Leider wurde unsere Mannschaft dadurch bestraft. Der deutsche Torhüter kam jedoch ohne Ahndung des Fouls davon, und er hat nicht einmal Anstalten gemacht, nach dem Verletzten zu sehen. Er blieb einfach da stehen, als hätte er nichts getan, als wäre er nicht verantwortlich. Für uns war es unerklärlich weshalb der Schiedsrichter dieses brutale Foul nicht geahndet hat.

Wie verlief das Spiel im Weiteren?
Es stand 1:1, und der Vorfall wirkte sich deutlich auf unsere Spielweise aus, auch wenn wir es schließlich schafften, in der Verlängerung mit 3:1 in Führung zu gehen, bevor Deutschland wieder ausgleichen konnte. Leider haben wir dann im Elfmeterschießen verloren und es nicht geschafft, ins WM-Finale einzuziehen, so wie wir es uns alle gewünscht hatten. Das ist sehr schwer zu verkraften. Ich habe noch nie erlebt, dass eine Mannschaft aus Männern nach einem Spiel derartig niedergeschlagen war. Es gab viele Tränen, aber auch ein Gefühl der Empörung in Bezug auf das, was auf dem Platz passiert war, insbesondere bei Michel Platini. Und sie hatten Recht. Die deutschen Spieler haben das getan, was sie tun mussten, bis zum Schluss. Ihnen ist keine Schuld zuzuweisen, abgesehen vom deutschen Torhüter, der Battiston sehr brutal gefoult hatte. Mehrere Zähne waren abgebrochen und er wurde direkt ins Krankenhaus gefahren.

Erinnern Sie sich noch an das, was Sie in der Kabine gesagt haben?
Oh, bei einem solch wichtigen Halbfinalspiel gegen Deutschland muss man vor der Begegnung gar nicht viel sagen. Wir spielten gegen eine sehr gute Mannschaft und es war eine große Herausforderung für uns. Doch auch wenn man weiß, dass man gegen eine erstklassige Mannschaft verloren hat, ist es immer schwer, eine Niederlage zu akzeptieren. Besonders wenn man sich sicher ist, dass die Mannschaft über die Qualitäten verfügt, ins Finale einzuziehen.

Sehen Sie Ähnlichkeiten zwischen den Mannschaften von Frankreich und Deutschland von damals und den Mannschaften, die am 4. Juli aufeinander treffen?
Nein. Damals waren beide Mannschaften bekannt, beide hatten Spieler mit großen Namen, sowohl die Deutschen wie auch die Franzosen. Momentan sind es die Deutschen, die gute Ergebnisse präsentieren können und deren Qualitäten man kennt. Frankreich hingegen hat ein noch sehr junges Team. Noch weiß man nicht genau, zu was sie imstande sind, aber sie bringen viel Talent mit.

Frankreich hat einen sehr erfahrenen Trainer…
Ja, die Spieler stehen unter der Obhut von Didier Deschamps, der eine großartige Karriere vorzuweisen hat und der ganz genau weiß, wie er mit diesen jungen Spielern umgehen muss. Er sagt ihnen nicht "Ihr seid die Besten und die Stärksten". Wenn einige Spieler irgendwann verlauten lassen, dass sie es ins Finale schaffen wollen, ist er da, um sie daran zu erinnern, dass man ein Spiel nach dem anderen gewinnen muss. Kurz gesagt, er hat sie gut im Griff.

Mit welchen Ambitionen könnte eine solch junge Mannschaft in das Viertelfinale gehen?
Es gab Zeiten, da hätte man ihnen gesagt, dass man gegen Deutschland kaum eine Chance hat, weil die deutschen Spieler sehr erfahren sind und über großartige spielerische Qualitäten verfügen. Bei dieser WM kann man das nicht wirklich behaupten. Die deutsche Mannschaft wirkt ein wenig erschöpft. Sie hat Schwächen gezeigt. Unsere Spieler sind kein bisschen erschöpft, weil sie bisher noch keine wirklich harten Spiele absolvieren mussten. Und zusätzlich zu ihren spielerischen Qualitäten treibt sie der große Wille, den Titel zu holen. Das ist verständlich, zumal sie bis hierher alle sehr erfolgreich waren. Sie sind noch frisch, und das wird in dem bevorstehenden Spiel ein wichtiger Faktor sein.

Wie weit geht ihr Optimismus?
Wenn man sich den bisherigen Verlauf ansieht, dann kommt schon die Frage auf, weshalb Frankreich es eigentlich nicht bis ins Finale schaffen sollte. Wie 1998... Sie sind körperlich stark und können dank ihrer technischen Stärken auch für überlegene Mannschaften gefährlich werden. Zugegeben, Deutschland ist immer noch ein erstklassiger Gegner, aber unsere Nationalmannschaft ist derzeit nahezu perfekt und die jungen Spieler der Bleus sind in einer optimalen Verfassung. Wir sind nicht verrückt. Wir wissen, dass wir nicht vor einer Niederlage gefeit sind. Aber ich persönlich glaube nicht daran, dass wir verlieren. Ich bin überzeugt, dass wir eine Chance haben, das Spiel für uns zu entscheiden. Schönen Fussball zu spielen reicht nicht aus, wenn man den Titel holen will.

Gibt es Spieler in der Equipe Tricolore, die Ihnen besonders gut gefallen?Es gibt welche, die ich besser kenne als andere. Mathieu Valbuena von Marseille, zum Beispiel, sehe ich öfter. Er gehört zu den erfahrensten Spielern der Mannschaft. Er hat keine gute Saison gespielt bei seinem Verein, aber kurioserweise liefert er bei der Nationalmannschaft eine sehr gute Leistung ab. Er hat ein Auge dafür, die jungen Spieler optimal einzusetzen, und ist somit sehr wichtig für die Mannschaft. Zu den anderen Spielern will ich gar nicht zu viel sagen, aber ich bin überzeugt, dass sie sich und ihren Wert für die Mannschaft auf dem Platz beweisen werden.

Bemerkenswert ist, dass bei dieser Mannschaft zwei enorm erfahrene Spieler fehlen, und die Leistungen trotzdem so gut sind. Franck Ribéry ist mit Abstand einer der wichtigsten und besten Spieler, wenn man bedenkt, was er im Laufe seiner Karriere schon erreicht und welch großartige Saison er mit dem FC Bayern München in Deutschland gespielt hat. Der zweite ist Steve Mandanda. Sie sind beide nicht dabei, und man spricht auch nicht über sie. Das zeigt, dass die jungen Spieler alles getan haben, was in ihrer Macht steht, um diese beiden Leistungsträger zu ersetzen. Wer nach dem Spiel zwischen Frankreich und Deutschland als Sieger vom Platz gehen wird, das kann niemand, und ich meine wirklich niemand, voraussehen. Aber es wird mit Sicherheit ein erstklassiges Spiel werden.

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