FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

12 Juni - 13 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™

Herrera: "Fühle mich in diesem Augenblick wie ein Fan"

Head coach Miguel Herrera of Mexico
© Getty Images

Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ sahen wir eine sehr offensiv eingestellte mexikanische Mannschaft, die ihre Gegner bereits in der eigenen Hälfte unter Druck setzte. Die Außenverteidiger schalteten sich immer mit in den Angriff ein und hatten das gegnerische Tor fest im Blick.

Wer sich die Auftritte der Mexikaner auf der Weltbühne angeschaut hat, konnte kaum glauben, dass El Tri sich erst im Rahmen der Playoff-Runde gegen Neuseeland als letztes Team für den Wettbewerb qualifiziert hatte.

Miguel Herreras Amtsantritt als neuer Nationaltrainer im Oktober 2013 brachte dem Team die erforderliche Wende und ließ die schlechten Leistungen in der Qualifikation für Brasilien in Vergessenheit geraten. Bei der Endrunde musste man sich im Achtelfinale erst in letzter Minute gegen die Niederlande geschlagen geben.

Nun nahm El Piojo am 11. und 12. September an der ersten einer Serie von vier technischen Konferenzen zum Weltturnier teil, um die Ereignisse dort noch einmal zu rekapitulieren. "Eine solche Veranstaltungsreihe, bei der man Gelegenheit hat, die Ereignisse einer fantastischen WM noch einmal zu rekapitulieren, scheint mir eine gute Sache zu sein", erklärt er im Exklusiv-Interview mit FIFA.com.

"Die WM war in allen Aspekten optimal, von der Organisation bis hin zu den hervorragenden Spielen. Man hatte erwartet, dass die für Brasilien typische Hitze die Spieler auslaugen würde, aber letztendlich haben wir die ganze Zeit sehr intensiv geführte Partien mit durchweg offensiver Ausrichtung gesehen", fügt er hinzu.

Bei der Konferenz, bei der die Technische Studien-Gruppe der FIFA (TSG) ihren Bericht präsentierte und Fragen wie die Torlinientechnologie, die Schiedsrichterleistung und medizinische Aspekte erörtert wurden, sprach Herrera in einer freien Minute mit FIFA.com. Herr Herrera, seit dem Ausscheiden Mexikos bei der WM in Brasilien sind mittlerweile zwei Monate vergangen. Welche Schlüsse ziehen Sie, nachdem sich die Aufregung gelegt hat?Die Jungs haben ihre Sache ziemlich gut gemacht. Sie haben einen sehr guten Spielrhythmus gefunden, die Partien kontrolliert und hatten in den meisten Spielen beim Ballbesitz die Nase vorn. Wir sind auch zu dem Schluss gekommen, dass wir nur sehr wenig Zeit hatten, mit dem Team zu arbeiten, aber im Großen und Ganzen haben wir unsere Sache gut gemacht.

Das meiste Kopfzerbrechen hatte der Fangemeinde im Vorfeld des Turniers die Besetzung der Torwartposition bereitet. Sie haben Ihr Vertrauen in Guillermo Ochoa gesetzt, obwohl er vereinslos war. Haben Sie erwartet, dass er seine Sache so gut machen würde?Tatsächlich hatte ich sehr viel Vertrauen zu allen drei Torhütern, die ich mitgenommen habe. Wir wussten, dass jeder von ihnen einen guten Auftritt hinlegen konnte, wenn es nötig war. Ich glaube, Memo hat die Verantwortung angenommen, die diese Aufgabe mit sich bringt. Gegen Brasilien ist er über sich hinausgewachsen, weil er sich auf eine solche Situation vorbereitet hatte.

Sie waren schon immer dafür bekannt, dass Sie Tore leidenschaftlich bejubeln. Davon konnte sich in Brasilien die ganze Welt überzeugen. Über welches mexikanische Tor haben Sie sich am meisten gefreut und warum?Wir haben uns besonders über das zweite Tor gegen Kroatien gefreut, weil wir damit sicher in der zweiten Runde standen und weil wir es gegen eine Mannschaft erzielt haben, die ihre Sache auf dem Platz sehr gut gemacht hat. Das war ein ziemlich starker Gegner.

Was geht beim Torjubel in Ihnen vor? Wie würden Sie das Gefühl beschreiben?Ich fühle mich in diesem Augenblick wie ein Fan, der ein Tor seines Teams feiert. Im modernen Fussball wird es immer schwieriger, ein Tor zu erzielen. Wenn es deiner Mannschaft dann gelingt, musst du das auf ganz natürliche Weise feiern. Ich sage immer, dass es für mich wie eine elektrische Ladung ist, die in den ganzen Körper fährt. In meinem Kopf gibt es nichts als Jubel.

Und was geht später in Ihnen vor, wenn Sie sich den eigenen Torjubel im Fernsehen anschauen?Dann sage ich mir plötzlich: 'Was ist denn da in mich gefahren?' Man macht schon verrückte Dinge [lacht]. Aber ich freue mich dann auch immer ein zweites Mal über den Auftritt meiner Jungs.

Wo wir gerade beim erneuten Anschauen von Aufzeichnungen sind: Haben Sie sich die Partie gegen die Niederlande noch einmal angeschaut? Glauben Sie, dass es ein Fehler war, sich in die Defensive zurückzuziehen?Wir haben uns die Aufzeichnung schon mehrmals angeschaut. Wir haben uns nicht zurückgezogen, wir waren nur nicht mehr im Ballbesitz. Und sie haben uns auch nicht mit überragendem Ballbesitz unter Druck gesetzt. Stattdessen haben sie einfach lange Bälle nach vorn geschlagen. Aber ich glaube schon, dass wir in den letzten Minuten einige wichtige Dinge unterlassen haben, wie den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Wir haben einem Gegner die Initiative überlassen, der eigentlich schon geschlagen war.

Welche Rolle spielt die mentale Seite in solchen Situationen? Glauben Sie, dass die wohlbekannte Tatsache, dass Mexiko zuletzt immer wieder am Erreichen des Viertelfinales gescheitert ist, die Spieler am Ende beeinflusst hat?Nein, das glaube ich nicht. Wir wollten es bis ins Finale schaffen. Ich glaube, dass es in den letzten Minuten einfach Unkonzentriertheiten gegeben hat. Der Ausgleichstreffer war eine Unkonzentriertheit in der Deckung. Und ich spreche hier nicht von demjenigen, der den Ball per Kopf heruntergeholt hat, sondern von demjenigen, der sich den freien Ball gesichert hat. Wir haben das zugelassen. Das hat den Spielverlauf geändert. Was die mentale Seite angeht, so war das Team gut eingestellt, weil wir den Niederländern 75 Minuten lang deutlich überlegen waren. Wir haben ihnen den Ball abgenommen und sie in die eigene Hälfte zurückgedrängt. Sie waren mehr mit Verteidigen als mit Angreifen beschäftigt. Das ist außer uns niemandem gelungen.

*Spanien hatTiki-Takagespielt, Brasilien hat seinJogo bonitoaufgezogen, Deutschland hat seinen charakteristischen Powerfussball geboten. Hat Mexiko sich jetzt auch einen ganz eigenen Stil zugelegt? *Ja. Ich wünsche mir eine dynamische Mannschaft, die gut mit dem Ball umgehen kann, gleichzeitig jedoch bei der Balleroberung und beim Umschaltspiel auf ihre physische Stärke setzt, um schnell zum gegnerischen Tor vorzustoßen. Ich glaube, wir können unsere eigene Spielweise und unseren Stil finden.

Werfen wir einmal einen Blick in die Zukunft. Im Vorfeld von Russland 2018 haben Sie nun vier Jahre Zeit, mit der Nationalmannschaft zu arbeiten. Vor der WM in Brasilien waren es gerade einmal sechs Monate, in denen es viele dringende Aufgaben zu erledigen gab. Wie gehen Sie den neuen Zyklus an?Ich werde mehr arbeiten und habe mehr Zeit, die Spieler mit dem System und meiner Spielphilosophie vertraut zu machen. Wir werden besser vorbereitet und auf einem höheren Entwicklungsstand sein. Es wird nicht mehr darum gehen, in letzter Minute noch solche Entscheidungen zu treffen wie: Wer wird Stammtorhüter sein? Wen stelle ich in die Startelf? Das Kernteam wird bereits im Vorfeld feststehen.

Letzte Frage: Carlos Salcido hat seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt gegeben und Rafael Márquez wird die Fussballschuhe sicher auch bald an den Nagel hängen. Wie gehen Sie den Generationswechsel an?Wir haben sehr guten Nachwuchs. Mexiko hat mit den Jugendteams bessere Arbeit geleistet als jede andere Mannschaft der Region. Wir haben zwei U-17-Weltmeisterschaften gewonnen und bei einer weiteren den zweiten Platz belegt. Mit der U-20-Auswahl sind wir Dritter geworden und dann haben wir 2012 in London noch olympisches Gold geholt. All das haben wir seit 2005 erreicht! Wir verfügen über eine sehr talentierte Generation, die bereits viel internationale Erfahrung sammeln konnte. Die jungen Spieler werden den Herausforderungen gewachsen sein.

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