FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

Haghighi: Der neue "Adler Asiens"

© Others

Der 29. November 1997 war für einen zehnjährigen Iraner kein Tag wie jeder andere. Um 12:45 Uhr klebte Alireza Haghighi wie all seine Landsleute vor dem TV-Bildschirm und erwartete mit Spannung den Anpfiff des Rückspiels der interkontinentalen Playoff-Runde zwischen Iran und Australien in der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Frankreich 1998™.

Nach dem Schlusspfiff rannte Haghighi auf die Straße, um wie das ganze Volk die Qualifikation der Nationalmannschaft nach 20 Jahren Abwesenheit vom weltweit prestigereichsten Wettbewerb zu feiern. Dieses Erlebnis markierte einen Wendepunkt im Leben des Jungen, der wenige Jahre später als Torhüter zu einem Star des iranischen Fussballs werden sollte.

Haghighi genoss beim Traditionsklub Persepolis in Teheran seine fussballerische Ausbildung und legte einen kometenhaften Aufstieg hin. Bereits im Alter von 16 Jahren stand er erstmalig in der Startelf der ersten Mannschaft. Letztes Jahr unterschrieb er einen Vertrag beim russischen Klub Rubin Kasan.

Der inzwischen 24 Jahre alte Schlussmann zog im Exklusiv-Interview mit FIFA.com eine erste Bilanz seiner noch jungen Karriere. "Ich hatte das Glück, meine Laufbahn bei einem der größten und populärsten iranischen Klubs beginnen zu können. Mein Wechsel zu Rubin Kasan in Russland ist für mich ein großer Schritt nach vorne."

Eine großartige Gelegenheit
Als er noch Ali Daei und seinen Mitstreitern dabei zusah, wie sie Iran in Frankreich 1998 den ersten Sieg bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ bescherten, hätte Haghighi sich nie träumen lassen, dass er bei seinem Debüt für Persepolis am 17. Oktober 2006 eben diesen Daei daran hindern sollte, ein Tor zu erzielen. An jenem Tag gelang es ihm, einen Strafstoß des nationalen Superstars, der damals für Saipa spielte, zu parieren.

Haghighi erinnerte sich an jene Partie, in der er nach dem Platzverweis für Stammtorhüter Farshad Karimi als Einwechselspieler zum Zuge kam: "Ich war damals erst 16 Jahre alt und überglücklich, mein erstes Spiel für Persepolis machen zu dürfen. Meine Parade beim Elfmeter einer solchen Legende wie Ali Daei hat meine Motivation enorm gesteigert."

Der Torhüter wusste seine Chance auch zu nutzen, als er in der Saison 2008/09 aufgrund der Verletzungen von Misagh Memarzadeh und Mahdi Faizy zum Stammtorhüter aufstieg. Zwei Spielzeiten später wurde ihm sogar die Kapitänsbinde anvertraut, wodurch er zum jüngsten Spielführer in der Geschichte des Teheraner Traditionsklubs aufstieg.

Im Rückblick sagte er: "Am Ende geben die kleinen Details den Ausschlag. In der deutschen Mannschaft erhielt Manuel Neuer seine Chance in Südafrika 2010 nach der Verletzung von René Adler. Heute ist er immer noch der Stammtorhüter der Mannschaft. Was mich betrifft, sehe ich das als mein Schicksal und göttlichen Willen an."

"Ich war sehr stolz darauf, der jüngste Kapitän von Persepolis zu sein und mehreren großen Namen vorgezogen zu werden. Dies hat mich im Verlauf meiner weiteren Karriere erheblich motiviert."

Auf den Spuren von Abedzadeh
Haghighi ist der erste iranische Torhüter, der bei einem europäischen Klub spielt. Am 14. Januar 2012 unterschrieb er einen Vertrag für vier Jahre. Und auch wenn er noch kein Pflichtspiel für den zweifachen russischen Meister bestritten hat, bewahrt der 1,95 Meter große Schlussmann die Ruhe.

"Ich wollte für einen großen europäischen Klub spielen, und angesichts meines jungen Alters bin ich sehr glücklich darüber, dass ich einen solchen Verein gefunden habe. Ich habe eine tolle Zeit mit der Mannschaft und profitiere enorm vom Training, das intensiver als in Asien ist. Ich brauche einfach nur ein wenig Zeit und eine Gelegenheit. Ich bin mir sicher, dass ich meinen Platz in der Mannschaft finde, wenn der Moment gekommen ist."

Der Bewunderer von Iker Casillas ergänzte: "Russland ist die weltweit größte Talentschmiede für Torhüter. Ich hoffe, dass ich meiner Verantwortung gerecht werde und mein Land würdig vertrete. Dadurch werde ich auch anderen Torhütern, die den Wunsch haben, in Europa zu spielen, den Weg bereiten können."

Haghighi verdankt vor allem einem Mann sehr viel: Ahmad Reza Abedzadeh, ehemalige Nummer eins und Kapitän der Nationalmannschaft in Frankreich 1998. Der einst Adler Asiens genannte Torhüter war zu Beginn von Haghighis Karriere sein Trainer in Persepolis. Der aufstrebende Keeper berichtete voller Dankbarkeit, in welchem Maße sein berühmter Vorgänger zu seiner Entwicklung beigetragen hat.

"Außer auf den gehaltenen Elfmeter von Ali Daei bin ich sehr stolz darauf, mit Ahmad Reza Abedzadeh zusammengearbeitet zu haben. Er ist ein großartiger Mensch. Ich habe viel von ihm gelernt, und das setze ich in Russland in die Praxis um. Er hat mich stets angetrieben und ist nicht nur ein Trainer, sondern auch ein Vater für mich."

Haghighi verriet uns auch seine Ziele: "Ich strebe die Qualifikation zur Weltmeisterschaft an, um den Traum jeden Fussballers zu verwirklichen. Man kann nie wissen, was in der Zukunft geschieht, doch ich hoffe, eines Tages in die Fußstapfen von Abedzadeh treten zu können und seine Erfolge zu erreichen."

Wenn es Haghighi gelingen sollte, bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ zwischen den Pfosten zu stehen und die Nachfolge des legendären Adlers anzutreten, ist ihm zweifellos ein Platz unter den besten Spielern in der Geschichte des iranischen Fussballs sicher.

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