FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

FIFA Weltmeisterschaft™

Queiroz: "Die IR Iran hat eine enorme Entwicklung durchgemacht"

© AFP
  • ​Am 27. und 28. Februar findet in Sotschi der Team-Workshop für die Teilnehmer der WM 2018 in Russland statt
  • Carlos Queiroz nimmt in seiner Eigenschaft als Trainer der IR Iran an der Veranstaltung teil
  • Der portugiesische Trainer spricht mit uns über die Herausforderungen, mit denen sein Team in Russland konfrontiert sein wird

Erstmalig in der Geschichte wird die Islamische Republik Iran zum zweiten Mal in Folge bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ vertreten sein, und ebenso wie 2014 in Brasilien wird Carlos Queiroz auf der Trainerbank sitzen. Der erfahrene portugiesische Coach hält sich derzeit anlässlich des Team-Workshops für die WM-Teilnehmer in Sotschi auf. Hier werden die letzten Details zur Turnierorganisation bekanntgegeben. "Für uns ist es fundamental, im Detail über die technischen Abläufe bei der WM informiert zu werden", erklärt er.

Vor vier Jahren war das Team Melli nach achtjähriger Abwesenheit auf die Weltbühne zurückgekehrt. Dieses Mal konnten die Iraner das Ticket für Russland als erste asiatische Mannschaft lösen, nachdem sie eine fast perfekte Qualifikation hingelegt hatten.

In diesem Exklusiv-Interview mit FIFA.com spricht der Trainer unter anderem über die neuen Herausforderungen, mit denen sein Team in der kniffligen Gruppe B konfrontiert sein wird. Außerdem geht es um das besondere Duell mit seinem Heimatland Portugal, das Queiroz 2010 in Südafrika trainierte.

Welches Ziel verfolgt Ihre Mannschaft in Russland? Wir können uns vorstellen, dass der Druck in der IR Iran nach der zweiten Qualifikation in Folge gestiegen ist.
Die IR Iran hat eine enorme Entwicklung durchgemacht. Mit der Erfahrung des Turniers in Brasilien im Rücken und dem anschließenden Wechsel mehrerer Spieler nach Europa sind wir noch stabiler und wettbewerbsstärker geworden. Es ist ein Unterschied, ob man in den asiatischen Ligen oder im internationalen Fussball aktiv ist. Auch als Kollektiv sind wir besser geworden. Die Qualifikation der FIFA haben wir als bestes Team Asiens ohne Niederlage und mit nur zwei Gegentoren abgeschlossen. Daher reisen wir mit einem ganz klaren Traum nach Russland.

Welcher Traum ist das?
Wir möchten in die zweite Runde einziehen. Natürlich wird das sehr schwer werden. Alle sind sich darin einig, dass wir bei dieser WM die schwerste Gruppe erwischt haben, in der wir mit zwei Titelanwärtern konfrontiert sind: Spanien und Portugal. Dennoch ist es unsere Pflicht zu versuchen, es besser zu machen als in der Vergangenheit und weiterhin Fortschritte zu erzielen. Das gilt nicht nur für das Turnier in Russland, sondern auch für die nächsten Wettbewerbe in Asien und die WM-Qualifikation. Unser Ziel ist es, eine Runde weiterzukommen. Allerdings müssen wir eine gute Vorbereitung absolvieren, um dieses Ziel zu erreichen.

Reaktionen von Carlos Queiroz nach der Endrundenauslosung, bei der die IR Iran gemeinsam mit Spanien, Portugal und Marokko in Gruppe B gelost wurde.

Kommt Ihnen der Satz "Portugal die Stirn bieten" schon ganz natürlich über die Lippen?
Ich spreche lieber davon, Spanien die Stirn zu bieten und gegen Portugal zu spielen [lacht]. Als portugiesischer Trainer glaube ich, dass ein Spiel gegen Portugal eine Chance und einen ganz besonderen Moment darstellt, und zwar nicht nur für mich, sondern auch für meine Spieler. Es wird interessant sein, gegen die Portugiesen anzutreten, ebenso wie gegen Spanien oder Marokko. Sie werden sehen, dass dies bei der bevorstehenden WM eine sehr attraktive Gruppe sein wird.

Wo wir gerade von besonderen Momenten sprechen: Was bedeutet es für Sie, dass Cristiano Ronaldo ihnen in der gegnerischen Hälfte gegenüberstehen wird?
Das wird schon etwas Besonderes sein, wie immer, wenn man gegen große Spieler antritt. In diesem Fall ist es der beste Spieler der Welt. Doch wenn der Ball erst einmal rollt, stehen sich einfach nur zwei Mannschaften gegenüber, die beide gewinnen wollen. Am Ende ist entscheidend, welches Team auf dem Platz das bessere ist, und der Fussball fällt das Urteil.

Welche Erinnerungen haben Sie an Cristiano? Sie hatten ja bereits mehrmals miteinander zu tun.
Die Erinnerungen bleiben natürlich, das ist klar. Insbesondere von gemeinsamen Projekten wie bei Manchester [United] und in der portugiesischen Nationalmannschaft. Doch seither ist bereits viel Zeit vergangen, und die WM in Südafrika ist in weite Ferne gerückt. Die Zeiten haben sich geändert, und jetzt bin ich für andere Ronaldos zuständig. Sie sind es, die heute wichtig sind: Jahan Bakhsh, [Reza] Goochannejad, [Ali] Karimi und Co. Das sind die Ronaldos, um die ich mich jetzt kümmern und denen ich meine Aufmerksamkeit schenken muss, damit wir die Erfolge feiern können, die wir uns alle wünschen.

Sie sprechen davon, gegen große Spieler anzutreten, wie beispielsweise bei der WM 2014 in Brasilien gegen Lionel Messi. Man kann noch so sehr auf sie aufpassen, es reicht ein Moment der Unaufmerksamkeit und...
[Unterbricht] _Ich habe immer gesagt, dass Messi ein außerordentlicher Spieler ist. Er ist nicht von dieser Welt! Wäre er von dieser Welt, dann hätte es damals diesen magischen Moment nicht gegeben (_Anm. d. Red.: Argentinien setzte sich in der Gruppenphase dank eines Treffers von Messi gegen die IR Iran durch). Ich tue mich normalerweise schwer mit Niederlagen, aber die damalige hat bei mir keine negativen Gefühle oder Bilder hinterlassen. In so magischen Momenten wissen wir, dass der Fussball lebt. Genau deshalb handelt es sich auch um eine der attraktivsten Sportarten der Welt. Dies gilt umso mehr, wenn solche Momente von einem Spieler herbeigeführt werden, der von der FIFA keine Spielgenehmigung erhalten sollte, solange er nicht bewiesen hat, dass er tatsächlich von dieser Welt ist.

Zum Abschluss eine Frage mit Bezug zu Russland. Wie wichtig ist es, dass es in Ihrem Kader Spieler gibt, die in der hiesigen Liga aktiv sind? [Anm. d. Red.: Sardar Azmoun, Saeid Ezatolahi und Milad Mohammadi]
Das spielt zweifellos eine wichtige Rolle. Es ist Bestandteil des Reifungsprozesses iranischer Spieler. 2011 hatten wir gerade einmal einen Spieler, der in Spanien aktiv war. Heute spielen fast 60 Prozent unserer Stammspieler in Europa, und drei von ihnen sind zufällig in der russischen Liga aktiv. Das dürfte wichtig für das Team sein, denn dadurch bekommen wir mehr Informationen und ein persönlicheres Verhältnis zu den Russen. Diese Entwicklung macht deutlich, dass der iranische Fussball in den letzten acht Jahren in unterschiedlichen Szenarien Fortschritte gemacht hat.

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