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21 November - 18 Dezember

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Ginter - Deutschlands neuer Rechtsverteidiger?

© Getty Images
  • Ginter lief gegen Frankreich überraschend als Rechtsverteidiger auf
  • Bissig in der Defensive, aktiv nach vorne
  • Ist das Model zukunftsfähig?

Das ist aufgefallen

Die Startaufstellung der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich dürfte viele Fans und Beobachter überrascht haben – auf Ginter als Rechtsverteidiger zum Beispiel hatte zuvor wohl niemand getippt, da diese Position durch Joshua Kimmich als besetzt galt. Da dieser aber ins defensive Mittelfeld rückte, war eine Planstelle rechts hinten frei.

Ein lupenreiner Rechtsverteidiger findet sich im DFB-Aufgebot für die Spiele gegen Frankreich und Peru nicht mehr, dafür aber jede Menge nominelle Innenverteidiger, die diese Position auch in der Vergangenheit schon gespielt haben. Ginter zum Beispiel vor allem 2015/16 beim BVB unter Thomas Tuchel, und das hatte er damals gar nicht schlecht gemacht.

Und so sah das auch gegen den neuen Weltmeister ganz gut aus, was der 24-jährige Gladbacher da auf der Außenbahn anbot. Solide nach vorne, hier fielen vor allem seine flachen Hereingaben auf, was Sinn machte, da Deutschland in vorderster Reihe mit dem nicht gerade als Kopfballungeheuer bekannten Marco Reus spielte. Ginter wäre sogar selbst fast per Kopf zum Torschützen geworden.

Aggressiv und zweikampfstark war er nach hinten, was Frankreichs linke Seite auch mal schmerzhaft zu spüren bekam. Offensichtlich war seine Marschroute, vor allem erst einmal hinten nichts zuzulassen – er stand im Schnitt ca. 20 Meter tiefer, als Kimmich das noch bei der WM tat.

Und nun?

Nominelle Innenverteidiger als Außenverteidiger aufzubieten ist ein bisschen "en vogue", um es in der Sprache des Weltmeisters zu sagen. Rechtsverteidiger bei Didier Deschamps' Team? Benjamin Pavard, Innenverteidiger des VfB Stuttgart.

Löw selbst hat es ja quasi vorgemacht, als er 2014 in Brasilien mit einer Abwehr in die WM startete, die aus vier Innenverteidigern bestand. Später dann wurde Philipp Lahm wieder in die Viererkette gezogen, in der er dann deutlich offensiver agierte, als Benedikt Höwedes auf der linken Seite. Diese Entscheidung galt vielen als entscheidendes Mosaiksteinchen auf dem Weg zum vierten Titel.

Fast ebenso wichtig wie die eigene gute Leistung dürfte es für Ginter gewesen sein, dass das Experiment mit Joshua Kimmich vor der Abwehr ebenfalls als geglückt bezeichnet werden darf. Der Bundestrainer deutete nach der Partie sanft an, dass seine Aufstellung durchaus auch von der Stärke des Gegners beeinflusst war und dass man nicht zwingend an diesem Modell festhalten müsse. Das WM-Modell 2014 mit einem Innenverteidiger absichernd (nur dieses Mal auf rechts) und einem offensiveren (auf links) könnte aber zukunftsträchtig sein.

Aufgeschnappt

"Es war klar, dass wir nicht auf Anhieb wieder die Sterne vom Himmel holen, wir wollten erst mal körperlich dagegen halten."
Ginter nach dem Frankreich-Spiel

"Vom Athletischen und Läuferischen sind es nicht so die weiten Strecken wie als Sechser, aber auch nicht die kurzen, schnellen Sachen wie als Innenverteidiger. Vom Spielerischen her ist es ähnlich wie als Innenverteidiger: man hat das ganze Spiel vor sich."
Ginter 2015 über die Position des Rechtsverteidigers

"Mit vier Innenverteidigern spielen. Das kann man sicher nicht gegen jeden Gegner machen, aber gegen Frankreich ist es eine gute Lösung gewesen."
Manuel Neuer

"Wir hatten zwei defensiv ausgerichtete Außenverteidiger, die trotzdem ihre Anteile im Angriffsspiel hatten. Zusätzlich hat Joshua Kimmich hinter Toni Kroos noch abgesichert. Das hat unserem Spiel gutgetan, und ich glaube, dass das in Zukunft gegen die großen Nationen so aussehen kann."
Mats Hummels

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