FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Gamarra: "Unser Ziel ist das Viertelfinale"

"Ich bin bereits seit einiger Zeit innerlich recht ruhig" - so beschreibt der 35-jährige Verteidiger Carlos Alberto Gamarra Pavón seine entspannte Haltung als Leistungsträger in der Nationalmannschaft Paraguays. Gamarra ist ein "alter Hase", schließlich repräsentierte er sein Land bereits bei zwei FIFA Weltpokal™-Turnieren (Frankreich 1998 und Korea/Japan 2002) und zwei Olympischen Fussballturnieren – nur um einige Beispiele zu nennen. Der paraguayische Fussball durchlebte in dieser Zeit einige seiner größten Momente und genoss weltweit hohes Ansehen.

Der schüchterne und in seinen Antworten eher wortkarge Abwehrspieler wurde am 17. Februar 1971 in Yparacaí geboren. Als Verteidiger hat er sich einen Ruf als disziplinierter und fairer Spieler erarbeitet. Stets mit gesenktem Blick, aber auch einem Lächeln auf den Lippen sprach Gamarra mit FIFAworldcup.com über die Erwartungen, die er an seine dritte WM-Teilnahme hat.

Zur Mannschaftsseite von Paraguay

Sie sind einer der Routiniers, die bereits 1998 und 2002 in der Auswahl Paraguays standen. Was unterscheidet die damaligen Mannschaften von dem Team, das zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ reisen wird?

Das ist ein Riesenunterschied. 1998 hatte Paraguay eine Mannschaft, die nicht gerade einen ihrer besten Momente durchmachte und deshalb die hoch gesteckten Ziele nicht erreicht hat. Wir schossen damals zwar oft auf das gegnerische Tor, es kam aber kein richtiger Spielfluss zustande, da wir keinen kreativen Spieler im Sturm hatten. Wenn aus Standardsituation heraus ein Tor fiel, gewannen wir. Wenn uns das nicht gelang, kassierten wir oft einen Gegentreffer und verloren damit die Begegnung. Das war also ganz anders. Heute steht eine komplett andere Mannschaft auf dem Platz. Wir haben einen starken Angriff und zahlreiche herausragende Akteure, wie die Offensivkräfte Roque Santa Cruz und Júlio dos Santos, die beide beim FC Bayern München unter Vertrag stehen. Wir haben praktisch eine neue Mannschaft geformt, mit fünf oder sechs Spielern, die bereits WM-Erfahrung haben, und einigen jungen Spielern, die vor kurzem erst den Weg in die Mannschaft gefunden haben. Paraguay hat folglich ein stärkeres Team, mit dem zu rechnen sein wird.

Paraguays Nationaltrainer Maño Ruiz hat in einem Interview gesagt, dass das Aufeinandertreffen mit England gleich in der ersten Partie der Gruppenphase das Beste sei, was der Mannschaft passieren konnte. Sehen Sie das genauso?

Natürlich. Würde England im letzten Gruppenspiel auf uns warten, hätten wir es weitaus schwerer, auf Ergebnis zu spielen. Wenn wir aber bereits im ersten Gruppenspiel gegen England eine gute Leistung abrufen, gehen wir sicherlich gestärkt in die anderen Partien.

Paraguay ist 1998 gegen den späteren Weltmeister Frankreich ausgeschieden. 2002 verlor das Team gegen Deutschland, das anschließend bis ins Endspiel vorstieß. Und nun treffen Sie bei der FIFA WM 2006™ gleich in der ersten Begegnung auf England. Sind aller guten Dinge drei?

(Lächelt) Es bleibt uns ja nichts anderes übrig, wenn wir die gesteckten Ziele erreichen wollen. Wir haben jetzt eine stärkere, erfahrenere Mannschaft, mit einigen Akteuren, die bereits seit zwei, drei Jahren in Europa spielen. Ich denke, dass uns das hilft, die Gruppenphase zu überstehen. Unser Ziel ist es, das Viertelfinale zu erreichen, was uns bei den zwei Weltmeisterschaften zuvor versagt blieb. Und die Chancen dazu stehen besser denn je, da wir mit einer viel besseren Mannschaft auflaufen werden.

Welche Stürmer würden Sie in der Gruppe B hervorheben?

Da gäbe es viele. Die Engländer und Schweden kenne ich. Zu Trinidad und Tobago kann ich allerdings nichts sagen. England hat einen hochkarätigen Sturm. Sie haben Angreifer in ihren Reihen, die richtige Stars sind: Owen, Rooney...

Wie ist es für Paraguay, auf zwei europäische Mannschaften zu treffen?

Gegen Mannschaften aus Europa ist das immer so eine Sache. Gegen europäische Teams spielt es sich schwerer als gegen Mannschaften aus Asien oder Afrika.

Für Brasilien und Argentinien zählt nur der Titelgewinn, alles andere wäre ein Fiasko. Wie sieht es mit Paraguay aus?

Wir legen unsere Ziele Runde für Runde fest. Unser erstes Ziel ist das Erreichen des Viertelfinales. Und dann muss man halt sehen, auf welchen Gegner man trifft.

Wie würden Sie ihre Rolle als Spielführer und erfahrenster Akteur innerhalb der Mannschaft definieren?

Innerhalb des Teams erfülle ich die Rolle des Fussballspielers! (lacht) Die Spieler sind äußerst diszipliniert und tanzen selten aus der Reihe, so dass ich keine besondere Führungspersönlichkeit entfalten muss. Meine Aufgabe besteht darin, etwas Ordnung in das Team zu bringen und für eine gute Stimmung innerhalb der Mannschaft zu sorgen. Das ist sozusagen eine kleine Hilfestellung, die ich der neuen Fussballergeneration mit auf den Weg gebe. Danach sind sie es, die für den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe sorgen müssen.

Was möchten Sie mit der Nationalmannschaft noch erreichen?

Ich habe unser primäres Ziel ja bereits angesprochen: Wir wollen das WM-Viertelfinale erreichen. Ich würde gerne die Gruppenphase überstehen, im Achtelfinale ein gutes Spiel hinlegen und die nächste Runde erreichen. Das wäre schon nicht schlecht. Das größte Ziel habe ich aber bereits mit meinem Land erreicht: dies wird meine dritte WM-Teilnahme, ich war bereits bei zwei Olympischen Fussballturnieren dabei...Ich bin innerlich also bereits seit geraumer Zeit recht ruhig. Ich stelle mich immer in den Dienst der Mannschaft. Ich denke, da kann keiner schlecht über mich reden.