FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™

14 Juni - 15 Juli

FIFA Fussball-WM 2018™

Griezmann: "Das war genau das, was ich brauchte: Titelgewinne"

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  • Griezmann zählt zu den Stars der "Équipe Tricolore", die in Russland Weltmeister geworden ist
  • Mit "Atleti" hat er 2018 die Europa League und den UEFA Super Cup gewonnen
  • Er ist unter den elf Nominierten für die Auszeichnung zum The Best – FIFA-Weltfussballer 2018

Antoine Griezmann ist sicherlich kein Durchschnittsfussballer. Er feiert seine Tore mit einem Tänzchen aus einem Videospiel; seine Entscheidung, bei Atlético Madrid zu bleiben und nicht zum FC Barcelona zu wechseln, verkündete er in einer Sondersendung im Fernsehen, in der er die Fans bis zum Schluss auf die Folter spannte; er liebt Basketball mindestens ebenso sehr wie Fussball, nimmt Selfies mit seinen Idolen aus der NBA auf oder schickt ihnen Nachrichten wie jeder andere Fan; er fühlt sich zu 100 Prozent als Franzose und Uruguayer.

Der Star des französischen Weltmeisterteams und der "Colchoneros" wusste im Jahr 2018 mit einer herausragenden Leistung zu beeindrucken. Nun könnte er dieses Erfolgsjahr mit der Auszeichnung The Best – FIFA-Weltfussballer zu einem krönenden Abschluss bringen.

Während der Saisonvorbereitung mit seinem Klub nahm Griezmann sich Zeit für ein Gespräch mit FIFA.com. Er verfolgt mit Atlético weiterhin große Ziele und hofft auf eine erfolgreiche neue Spielzeit. Wir sprachen mit ihm über die wirklich denkwürdigen letzten Monate.

Sie haben die WM mit Frankreich, die Europa League mit "Atleti" und dann kürzlich noch den UEFA Super Cup gewonnen. Nun sind Sie erneut für The Best nominiert. Welchen Stellenwert hat das Jahr 2018 für Sie?

Es ist das wichtigste Jahr meiner Karriere, weil ich drei Titel gewonnen habe. 2016 habe ich noch zwei Endspiele verloren, das der Champions League und das der Europameisterschaft. Das war genau das, was ich brauchte und wofür ich spiele: Titelgewinne. Ich bin sehr glücklich über das Jahr 2018 und sehr stolz. Außerdem bin ich zufrieden über die Nominierung für The Best. Dank meiner Teamkameraden in der Nationalmannschaft und im Klub kann ich unter den Besten sein.

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Bereits seit einiger Zeit ist die Rede vom Ende der Ära Messi und Ronaldo, doch Jahr für Jahr stehen die beiden wieder an der Spitze. Wird das noch einige Zeit so bleiben?

Ja, ich sehe sie noch lange an der Spitze. Sie arbeiten darauf hin, die Besten zu sein, und zwar bei den besten Teams. Es wird noch eine Zeit lang "Cristiano, Messi und der Rest" heißen. Alle, die sich dahinter einreihen, müssen versuchen, an sie heranzukommen. Aber das ist noch ein weiter Weg.

Die beiden geben unumwunden zu, dass sie durch die Existenz des anderen und die gegenseitige Konkurrenz besser geworden sind. Nun können Sie genau wie 2016 versuchen, den beiden den Thron streitig zu machen. Treibt Sie das auch zu noch besseren Leistungen an?

Ich versuche immer, mich gegenüber dem Vorjahr zu verbessern, weil es sehr schwer ist, an Messi und Cristiano heranzukommen, die 50 bis 60 Tore pro Jahr erzielen. Sie sind auf einem anderen Level. Vielleicht kannst du es in einem Jahr mit ihnen aufnehmen, aber im nächsten schon nicht mehr. Aber ich versuche, im Vergleich zu Neymar, [Robert] Lewandowski, [Kylian] Mbappé – der gerade in bester Torlaune ist – oder [Eden] Hazard besser zu sein und verfolge, was die anderen machen.

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Wie fühlt sich das an, wenn man morgens aufwacht und sagen kann: 'Ich bin Weltmeister'? Haben Sie die Ereignisse in Russland schon richtig verarbeitet?

Es wird einem gar nicht richtig bewusst, weil alles ohne Unterbrechung weitergeht. Du spielst und trainierst die ganze Zeit ... der UEFA Super Cup, die Liga, jetzt geht es mit der Nationalmannschaft weiter. Es sind kleine Details, die es dir bewusst machen, zum Beispiel der zweite Stern auf dem Frankreich-Trikot, aber sonst ... Im Fall der französischen Nationalmannschaft müssen wir weiter arbeiten wie bisher. In zwei Jahren steht eine Europameisterschaft an, die wir gewinnen wollen. Und später dann die WM in Katar. Wir werden sehen, was dort passiert. Wir haben ein sehr junges Team, ich glaube, eines von den jüngsten, die in Russland dabei waren. Das wird sich als hilfreich erweisen.

Frankreich zählte in Russland zu den Titelanwärtern und ist tatsächlich Weltmeister geworden. Andere Mannschaften, die auf dem Papier unter den Favoriten waren, sind bereits früh ausgeschieden. Welcher Fall hat sie am meisten überrascht?

Am meisten überrascht hat mich das Ausscheiden Brasiliens [im Viertelfinale], denn das Team hat vorher einen sehr starken Eindruck gemacht. Ich glaube, die Brasilianer hatten in der Qualifikation nur ein Spiel verloren, und die südamerikanische Vorrunde ist sehr schwierig.

Das Ausscheiden Brasiliens führte zu einem rein europäischen Halbfinale. War das eine einmalige Angelegenheit oder glauben Sie, dass die Lücke zwischen Europa und dem Rest der Welt größer wird?

Ich glaube, dass wir in Europa taktisch besser vorbereitet sind. Wir haben Trainer, die Taktik mögen und viel daran arbeiten. Darin lag meiner Meinung nach der Unterschied bei dieser WM.

Frankreich ist zwei Jahre nach der Niederlage im Finale der EURO Weltmeister geworden. Was hatte die Mannschaft in Russland – abgesehen von kleinen Details, die solche Spiele häufig entscheiden – das sie 2016 noch nicht hatte?

Wir hatten etwas Glück. Am Ende brauchst du ein Quäntchen Glück, um zu gewinnen. Und dann hatten wir auch ein anderes Team. Bei dieser WM hatten wir mehr Potenzial in der Offensive als bei der Europameisterschaft, und unsere Abwehr war sehr schwer zu überwinden.

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Es gab während der WM Kritik an der Spielweise Frankreichs. Diese Situation kennen Sie bereits von "Atleti". Sehen Sie ein Problem darin, mit einer Spielweise zu gewinnen, die nicht auf Ballbesitz ausgerichtet ist?

Daran sind Guardiola und sein Barcelona Schuld [lacht]. Alle wollten mit einem 4-3-3-System und "Tiki-Taka" spielen, weil Barcelona damit alles gewonnen hat. Allerdings brauchst du dazu auch die richtigen Spieler und eine Philosophie, die auf diese Spielweise ausgerichtet ist – wie bei "Barça", wo sie schon in der Nachwuchsabteilung damit arbeiten. Für Frankreich funktioniert der Fussball, den wir bei der WM gespielt haben. Gleiches gilt für "Atleti", und wir werden nichts daran ändern.

Von allen Spielen, die Frankreich in Russland bestritten hat ...

Peru [lacht]. Sie wollten mich fragen, welches das schwerste war, oder? Ja, das war das Spiel gegen Peru. Das war auch das Spiel, das uns vom 4-4-2-System und von der Spielweise überzeugt hat, die wir dann bis zum Finale durchgezogen haben [Anm. d. Red.: Frankreich war mit einem 4-3-3 ins Turnier gestartet und hatte ab dem Spiel gegen die Peruaner das System umgestellt]. Fast alle Fans im Stadion waren Peruaner, und es fühlte sich an wie ein Auswärtsspiel [lacht]. Es war sehr schwer, aber wir waren in der Abwehr und als Mannschaft stark. Peru hat in Russland gut gespielt, aber vielleicht hat dem Team etwas Erfahrung gefehlt.

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