FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™

11 Juni - 11 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™

Französischer Schiffbruch

BLOEMFONTEIN, SOUTH AFRICA - JUNE 22: Andre Pierre Gignac of France looks frustrated as he lies on t
© Getty Images

Die Ausgangslage in Bloemfontein war eigentlich klar. Frankreich, der WM-Finalist von 2006, brauchte unbedingt einen Sieg gegen Südafrika, den Gastgeber der diesjährigen FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™. Denn spätestens seit dem Turnier 2002 in Korea/Japan weiß man in der Grande Nation um die Untiefen einer Weltmeisterschaft. Als Titelverteidiger angereist, musste das Starensemble um Zidane und Co. damals schon nach der Vorrunde die Segel streichen. Jetzt wiederholt sich augenscheinlich die Geschichte. Die Besatzung ist eine andere, was Ruderer, Steuermann und Kapitän anbelangt, doch wieder ist das Flaggschiff des französischen Fussballs ins Schlingern geraten und noch vor dem WM-Achtelfinale auf Grund gelaufen. Schlimmer noch: Am Kap der Guten Hoffnung ist es gleich völlig gesunken.

Mit neuen Leuten an Bord (Gaël Clichy, Djibril Cissé, Sébastien Squillaci) und mit neuem Kapitän (Alou Diarra) war noch in letzter Minute versucht worden, das Ruder herumzureißen. "Skipper" Raymond Domenech sagte hinterher am Mikrofon der FIFA: "Das ist eine herbe Enttäuschung, zumal wir gut ins Spiel gekommen sind." Bis zuletzt hatte der scheidende Nationaltrainer wohl auf einen *Wind of Change *gehofft. Doch nichts vermochte mehr die Flaute zu beheben, nichts die Streitereien hinwegzufegen. Angesichts dessen blieb Florent Malouda nach dem Spiel auch beinahe die Luft weg: "So einen Albtraum will kein Spieler erleben", erklärte er. "Wir waren voller Hoffnung, aber die hat sich nun in Luft aufgelöst." Genau genommen drehte sich der Wind in der 20. Minute.

Der Hauch einer Chance, den die Franzosen bis dahin noch gehabt hatten, zerstob nach einer Ecke von Siphiwe Tshabalala. Hugo Lloris tauchte unter dem Ball hindurch, Bongani Khumalo war mit dem Kopf zur Stelle und Frankreich ab sofort in höchster Seenot. Und kaum hatten die *Bleus *wieder etwas Luft geschnappt, da folgte auch schon die nächste kalte Dusche. In der 25. Minute wurde Yoann Gourcuff nach einem Foul an Macbeth Sibaya des Feldes verwiesen. "Bis zu diesen Rückschlägen, zu dieser Anhäufung von Problemen, lief alles gut. Aber mit zehn gegen elf war es nicht mehr das selbe Spiel. Das hat alles noch komplizierter gemacht", fand Domenech. Malouda erklärte es wie folgt: "Da sind viele negative Dinge zu schnell wieder an die Oberfläche gekommen. Die Vorbereitung auf die Spiele war überschattet von Außersportlichem. Dafür haben wir jetzt die Quittung bekommen."

Aufbruch zu neuen Ufern
Fraglich, wie schnell die Franzosen nun die in den letzten Tagen wieder verstärkt aufgetauchten Probleme in den Griff bekommen. Denn ab der 37. Minute konnten sie sich nicht einmal mehr an den letzten Strohhalm klammern. Katlego Mphela reagierte im Strafraum schneller als all seine Gegenspieler und drückte den Ball mit einer Entschlossenheit über die Linie, die man auch von Frankreich erwartet hätte, dort aber vergeblich suchte. Die Fans der Bafana Bafana durften jubeln. In der 46. Minute kam Malouda und brachte frischen Wind.

In der 70. Minute bekam der Chelsea-Akteur einen Ball von Franck Ribéry und verkürzte noch einmal auf 1:2. Es war der letzte Akt einer beispiellosen Meuterei französischer Nationalspieler, die am Ende die Lecks nicht mehr abdichten konnten, die sie womöglich selbst geschlagen hatten. "Das Tor war letztlich charakteristisch. Wir wollten wenigstens dieses Spiel gewinnen. Wir haben in jedem einzelnen Spiel versagt, allen voran ich selbst. Wir haben sogar die Vorbereitung auf die Zeit nach Domenech gründlich in den Sand gesetzt", bedauert Malouda. "Wir brauchen einen kompletten Neuanfang."

Wenn das Kapitel Südafrika 2010 beendet ist, muss ein Aufbruch zu neuen Ufern erfolgen. Dann wird ein neuer Mann auf der Brücke stehen, dem Raymond Domenech schon jetzt immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel wünscht. "Ein Kapitel ist beendet, ein neues beginnt. Die französische Nationalmannschaft wird niemals untergehen. Ich wünsche allen, die nach mir kommen, viel Glück. Insbesondere dem neuen Trainer."

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