FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™

9 Juni - 9 Juli

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2006™

Frankreichs Sorgen mit dem Angriff

Im Verlauf ihrer Testspiele konnte die französische Nationalmannschaft die noch vor wenigen Wochen vorhandenen Probleme weitgehend überwinden. Lediglich die Angriffsreihe bereitet Auswahlcoach Raymond Domenech noch einige Sorgen. Dazu kam vor kurzem noch der Schock über die schwere Verletzung von Djibril Cissé.

In drei Vorbereitungsspielen brachte Raymond Domenech ebenso viele Angriffsduos zum Einsatz. David Trezeguet und Djibril Cissé gegen Mexiko, Thierry Henry und Louis Saha gegen Dänemark sowie Henry und Cissé (später ersetzt durch Trezeguet) im Freundschaftsspiel gegen die VR China. Heraus kamen drei Siege (1:0, 2:0 und 3:0). Wenn man zudem noch bedenkt, dass die restlichen Stammspieler der Nationalelf in keinem der drei Testspiele zum Einsatz kamen, wird deutlich, wo genau die letzten Zweifel des französischen Auswahltrainers angesiedelt sind.

In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass vor vier Jahren in Korea/Japan 2002™ eine ähnliche Ausgangslage gegeben war. Vom ersten FIFA Weltpokal™-Turnier auf asiatischem Boden waren die Bleus vorzeitig und ohne einen einzigen Sieg nach Hause zurückgekehrt, wobei sie nicht einmal einen Treffer verbucht hatten.

Während der Vorbereitung der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ galt deshalb der offensiven Ausrichtung der Mannschaft eine besondere Aufmerksamkeit. Neben der verständlichen Sorge, dass sich der Albtraum von Asien wiederholen könnte, bestand das Ziel dabei vor allem darin, bis zum Beginn des Turniers eine geeignete Lösung zu finden, um im Auftaktspiel gegen die Schweiz die volle Punktzahl einzufahren. Dies umso mehr, da die Eidgenossen in den letzten Jahren nur höchst selten gegen ihre Nachbarn gewinnen konnten.

Henry und Saha ergänzen sich am besten

Beide Partien zwischen den beiden Ländern im Rahmen der WM-Qualifikation endeten unentschieden. Im Stade de France stand es am Ende nur 0:0, und auch das Rückspiel in Basel endete mit einem 1:1-Unentschieden. Nachdem Cissé die Franzosen in Führung geschossen hatte, gelang Ludovic Magnin noch der Ausgleich für die Schweiz. Demnach zeichnet sich für Deutschland 2006 ab, dass jene Mannschaft, die im ersten Vorrundenspiel der Gruppe G in Führung geht, auch die besten Chancen besitzt, sich am Ende der Partie die ersten drei Punkte zu sichern.

Wenn man sich die Testspiele der vergangenen zwei Wochen etwas näher betrachtet, so kommt man nicht umhin, dem Angriffs-Duo Henry/Saha die besten Noten zu bescheinigen. Denn beide scheinen sich von allen drei Optionen am besten zu ergänzen. Henry bringt die erforderliche Schnelligkeit mit und scheut sich auch nicht, mal auf die Flügel auszuweichen. Und Saha übernimmt derweil die Rolle des zentralen Anspielpartners.

Doch im taktischen Konzept von Trainer Domenech schien sich die Variante Henry/Cissé festgesetzt zu haben. Dies ist wohl in erster Linie auf die bisherige Effizienz beider Angreifer im französischen Auswahltrikot zurückzuführen. Da sich der Mittelstürmer des FC Liverpool jedoch im Testspiel gegen China einen Bruch des rechten Schien- und Wadenbeins zuzog, fällt Cissé für die WM definitiv aus. Inzwischen rückte für ihn Sidney Govou in die Mannschaft nach, der nach eigener Aussage eher im rechten Mittelfeld zu Hause ist als im Angriff.

Die Debatte um das Angriffsproblem geht also weiter. Selbst wenn Henry mit Sicherheit in der Startelf spielt, so scheint noch längst nicht darüber entschieden zu sein, ob Saha oder Trezeguet an seiner Seite auflaufen wird. Gegebenenfalls könnte auch eine weitere Option zum Tragen kommen…

Ribéry startet durch

Denn angesichts der relativ wenigen Länderspiele, die Saha bisher bestritten hat (9 Einsätze), sowie vor dem Hintergrund des bereits häufig geprobten, jedoch wenig erfolgreichen Zusammenspiels zwischen dem Stürmer der Gunners und dem Angreifer von Juventus Turin ist es durchaus denkbar, dass sich Domenech für eine andere, eher taktisch orientierte Variante entscheidet. "Wir haben in den Vorbereitungsspielen eine Menge lernen können", räumte Claude Makelele in dieser Woche ein. "Wir wissen jetzt, dass wir ebenso gut mit zwei Stürmern spielen können wie mit einer einzigen Spitze." Dadurch, dass er Franck Ribéry die Rolle eines schnellen Verbindungsglieds zwischen dem Mittelfeld und der Angriffsreihe übertragen hat, erleichtert der Nationalcoach auch wesentlich die Aufgabe von Zinédine Zidane, der sich nun mehr auf seine Führungsrolle im Team konzentrieren kann.

Nachdem er bereits mit Olympique Marseille eine herausragende Saison gespielt hatte, wusste der Neuzugang der französischen Nationalmannschaft inzwischen seine Fans und Mitspieler gleichermaßen zu begeistern. Mit seinem Durchsetzungsvermögen und seinem pfeilschnellen Antritt dürfte Ribéry die allgemein zwar als solide geltende, dafür aber nicht gerade schnelle Hintermannschaft der Eidgenossen mehr beschäftigen als es ihr lieb sein könnte. Wird er in der Lage sein, sich so in die Mannschaft einzubringen, dass er als Stammspieler genau so effizient wird wie in seiner bisherigen Rolle als Joker?

Es gibt nicht wenige, die schon jetzt davon überzeugt sind. Doch die Entscheidung darüber liegt letztlich bei Raymond Domenech. "Ich zögere nie, wenn eine Entscheidung ansteht, sagte er vor kurzem. Wenn ich einmal eine Wahl getroffen habe, dann stehe ich auch dazu!" Die französischen Fans warten nun darauf, dass er den Namen des Auserwählten endlich preisgibt.