FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Schweden 1958™

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Schweden 1958™

8 Juni - 29 Juni

FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1958™

Fontaine: "Es war, als ob ich über Wasser laufen konnte"

  • ​Just Fontaine unterhielt sich 2014 mit FIFA.com
  • Es ging um seine Torjägerqualitäten und um Pele
  • Was dachte er? Wird sein 13-Tore-Rekord je gebrochen werden?

Eusebio, Gerd Müller, Mario Kempes, Paolo Rossi und Ronaldo gehören zu den Tormaschinen, die wie Just Fontaine bei der FIFA Fussball-WM™ den adidas Goldenen Schuh gewinnen konnten. Aber der ehemalige französische Nationalstürmer hat etwas, was diese Spieler nicht haben und vielleicht nie jemand anderes haben wird - den adidas Platin-Schuh.

Fontaine erhielt diese Auszeichnung 2014 in Brasilien von Ronaldo für die meisten jemals erzielten Tore bei einem einzigen WM-Turnier - unglaubliche 13 Treffer gelangen ihm 1958. Er reiste dort gemeinsam mit seinem alten Freund Dominique Colonna hin, Frankreichs drittem Schlussmann bei der WM 1958, als man bis ins Halbfinale vorstieß und traf sich auch gerne zu einer Unterhaltung mit FIFA.com.

"Ich habe dafür gesorgt, dass er nach Nizza und später nach Reims kommt", begann Fontaine das Interview. "Wir sind wie ein altes Ehepaar!"

Über Wasser gehen

Der ehemalige Stürmer von Stade Reims hat die Geschichte von Schweden schon tausend Mal erzählt. Doch Fontaine erinnert sich gerne an dieses goldene Zeitalter. Und seine Erinnerungen sind noch sehr frisch. "Vor 1958 ließ ich mich am 7. Dezember am Meniskus operieren und begann am 15. Februar wieder mit dem Fussballspielen. Ich tat, was getan werden musste, um wieder zurückzukommen. Und im Juni war es, als ob ich plötzlich über Wasser laufen konnte. Wie Jesus, he, he...", erklärt er seine gute Form damals.

Der zweite wichtige Faktor war sein blindes Verständnis mit Napoleon, Raymond Kopa, dem anderen Genie des französischen Fussballs zu jener Zeit. "Wir teilten das Zimmer, doch wir hatten sehr verschiedene zeitliche Gewohnheiten. Er ging spät zu Bett wie die Spanier. Ich hingegen stand sehr früh auf! Aber auf dem Platz hat es sofort zwischen uns gefunkt. Ich habe schnell verstanden, dass ich das Ende seiner Dribblings abwarten musste, um mich anzubieten. Wir haben uns sofort gefunden."

So erklären sich der Viererpack gegen Deutschland, die drei Tore gegen Paraguay und die jeweils zwei Treffer gegen Jugoslawien und Nordirland. Doch auch die Reue bleibt für immer, und das Halbfinale gegen Brasilien ist ebenfalls noch "da". "Wir hatten André Lerond, einen Linksfuß, auf Garrincha angesetzt. Wir hatten gedacht, er könnte ihn auf der Außenbahn blockieren. Leichter gesagt als getan - Garrincha kam drei Mal durch die Mitte und legte Vava auf, der ein Tor schoss."

Die Geschichten der Beinbrüche

Justo erzielte in der 9. Minute den Ausgleich, doch dann geschah das Unglück. "Drei Minuten später brach sich Robert Jonquet das Wadenbein. Er hat versucht, auf dem Platz zu bleiben, aber stellen Sie sich vor - mit einer Fraktur! Damals waren Auswechslungen verboten. Wir haben zu zehnt weitergespielt. Es endete 2:5. Wie Schweden im Finale. Nur, dass wir ein Spieler weniger waren", schildert er mit zusammengepresstem Kiefer, als ob das Spiel erst gestern stattgefunden hätte. "Trotzdem, wenn man daran denkt - hätte sich 'Bobby' nur nicht dieses verflixte Bein gebrochen..." brummt Colonna vor sich hin.

Fontaine verfolgte das Finale auf der Tribüne. Zu Pelé sagt er anerkennend: "Als man ihn 1958 spielen sah, dachte man sofort - der da, das ist ein ganz Guter. Er war 17-einhalb Jahre alt, puh!" Und das Kredo des ehemaligen Akteurs von Reims war offenbar, durch Zuschauen zu lernen. "Ich habe gesehen, wie er im Finale eine meisterhafte Bewegung machte. Er erhielt einen scharfen Pass, nahm den Ball in Laufrichtung an, indem er ihn über seinen Verteidiger lupfte, und zog volley ab - der Ball krachte an die Latte. Das habe ich mir gemerkt. 1960 gegen Saint-Etienne, die gleiche Situation für mich, ich versuche diese Bewegung und das Leder landet im Winkel."

1958 war also ein gesegnetes Jahr für Fontaine. Der stets zu Scherzen aufgelegte Algerienfranzose erinnert sich gut daran: "In jenem Jahr habe ich in 26 Meisterschaftsspielen 34 Tore geschossen, dazu zehn im Pokal. Wir gewannen das Double. Dann 13 Tore bei der WM, und ich begann, im Europapokal der Landesmeister zu treffen und war am Ende mit zehn Treffern bester Torschütze. Ganz gut also, 'what else'?", sagt er mit schallendem Gelächter.

Sein Stern hätte noch lange scheinen können, doch am 20. März 1960 fand alles ein jähes Ende. In der Partie gegen den FC Sochaux erlitt er einen doppelten Bruch des linken Beins. Colonna, mit seinem unnachahmlichen korsischen Akzent und bebender Stimme, erzählt schaudernd: "Ich stand am anderen Ende des Felds im Tor. Ich habe das Geräusch des Bruchs immer noch im Kopf. Es war furchtbar."

Die Rückkehr der Mumie

Die Jahre strichen ins Land und Justo hatte Zeit, sein Unglück ein wenig zu vergessen. In jedem Fall nimmt er es heute mit Humor. Mit seinen damals 80 Jahren schmerzen ihm die Beine, es fällt ihm schwer, sich von seinem Stuhl zu erheben, und er hinkt. "Nun gut, es ist nicht mehr der blitzschnelle Antritt von 1958, was?"

Bevor er sich verabschiedet, muss er noch eine Frage beantworten. Ob er denke, dass sein Rekord eines Tages gebrochen werden wird? Er lacht und erzählt als Antwort einen Witz. "Ägyptologen finden eine intakte Mumie. Sie betrachten sie und stellen fest, dass sie sich unter ihren Stoffstreifen bewegt. Eilig befreien sie die Mumie, und als sie endlich sprechen kann, sagt sie: 'Entschuldigung, hält Just Fontaine denn immer noch den Rekord an erzielten Toren?'" Und während er sich mit seinem Kumpel Colonna auf den Weg macht, ergänzt er: "Ich weiß nicht, ob er geschlagen wird, ich bin kein Hellseher. Aber gut, wenn ich ihn behalten kann..."

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